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Gebremstes Wirtschaftswachstum in Deutschland

Durch den Ukraine-Krieg sind die Energiepreise in Deutschland explodiert. Foto: Willi Heidelbach/Pixabay

Der Ukraine-Krieg dämpft die wirtschaftliche Erholung in Deutschland; das Ifo Institut rechnet im zweiten Halbjahr aber mit sinkenden Rohstoffpreisen.

Die Münchner Forschungseinrichtung hat ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum in Deutschland aufgrund des Ukraine-Kriegs und des damit verbundenen kräftigen Anstiegs der Energiepreise für dieses Jahr auf 2,5 % gekürzt. Im März war sie noch von 3,1 % Wachstum ausgegangen. Im kommenden Jahr erwartet das Ifo nun eine Beschleunigung auf 3,7 %. Die Inflation dürfte dieses Jahr auf 6,8 % zulegen und erst kommendes Jahr auf 3,3 % zurückgehen.

„Die Wirtschaftsleistung liegt derzeit noch immer ein Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau von Ende 2019“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Prognosen. „Wir rechnen aber mit einem allmählichen Rückgang der Rohstoffpreise und der Materialengpässe im zweiten Halbjahr.“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mahnte die Bundesregierung kürzlich, die Energiekosten-Zuschüsse mehr Betrieben zu gewähren.

Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe und am Bau schrumpft

Bis dahin werde es jedoch weiter­hin die angebotsseitigen Störungen, die gleichzeitig für einen anhaltend hohen Preisauftrieb sorgen, belastend für die Produktion sein. Vor allem die Lieferengpässe dürften laut der neuen Ifo-Konjunkturprognose in den kommenden Monaten bestehen bleiben und sowohl die Industrie­ als auch die Baukonjunktur ausbremsen. Insbeson­dere werden sich nach Einschätzung der Experten mit zeitlicher Verzögerung die Lockdowns in China, die seit März in einigen Regionen die Produktion und den Schiffsverkehr lahmlegten, hierzulande bemerkbar machen. Auch dürften die hohen Rohstoffpreise nur langsam sinken, weil ein baldiges Ende des Kriegs in der Ukraine eher unwahr­scheinlich ist. Entsprechend hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe im Vergleich zum Jahresbeginn spürbar verschlechtert. Daher dürfte die Wertschöpfung in die­sen beiden Wirtschaftsbereichen im zweiten Quartal schrumpfen.

Auftragsbücher der In­dustrie­ sind prall gefüllt

Diese belastenden Faktoren dürften dann nach der Prognose im wei­teren Verlauf des Jahres an Bedeutung verlieren: In der zweiten Jahreshälfte werden demnach die Lieferengpässe allmählich nachlassen und die Rohstoffpreise sinken. „Auch wenn die Auftragseingänge mittlerweile als Folge der hohen Preise zurückgehen, sind die Auftragsbücher der In­dustrie­ und Bauunternehmen mit einer Reichweite von zuletzt etwa 4,5 Monaten immer noch prall gefüllt. Damit dürfte es in der zweiten Jahreshälfte zu einem Abbau des Auftragsstaus kommen, der die Produktion im Produzierenden Gewerbe kräftig anschiebt“, so die Autoren.

Unternehmen in Deutschland halten an Investitionsplänen fest

Trotz des Kriegs in der Ukraine habe sich die Unsicherheit der Unternehmen nicht annährend so stark eingetrübt wie zu Beginn der Coronakrise. Den Ifo-Konjunkturumfragen im März zufolge scheinen die Unternehmen auch weitgehend an ihren Investitionsplänen für das laufende Jahr festzuhalten. Dementsprechend haben sich auch die Geschäftserwartungen der Investitions­güterproduzenten nach einem deutlichen Absacken im März wieder erholt, ebenso sind die Produktionserwartungen wieder gestiegen.

„Pessimistischer bleiben die Vorleistungsgüterproduzenten, die ihre Geschäftserwartungen für die nächsten Monate nach unten korrigiert haben“, so die Prognose. Für sie bleiben die weiterhin andauernden Materialengpässe besonders belastend. Nach der jüngsten Ifo-Konjunktu­rumfrage vom Mai klagten 89 % der befragten Unter­ nehmen über Materialmangel, was einen erneuten historischen Höchststand bedeutete.

sk