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Fünf goldene Regeln zum Einsatz von Recyclingmaterial

Fünf goldene Regeln erleichtern den Kunststoffverarbeitern den Umgang mit Recyclingmaterial. Foto: Pressmaster - stock.adobe.com

Politik und Verbraucher fordern mehr Recyclingmaterial in den Produkten, doch so einfach ist das nicht. Fünf goldene Regeln helfen bei der Umsetzung.

Der Trend zum verstärkten Einsatz von Recyclingmaterial ist unübersehbar und unumkehrbar, doch für die Kunststoffverarbeiter ist nicht nur die Beschaffung eine echte Herausforderung, auch die Verarbeitung des Recyclingmaterials erfordert tiefgreifendes Know-how – damit der Einsatz gelingt, sollten Kunststoffverarbeiter die folgenden fünf goldenen Regeln beachten:

Regel 1: Die besten Quellen sichern

Dieter Rumler, Head of Purchasing Recyclates bei Meraxis: „Wir haben ein umfangreiches Netzwerk an auditierten Lieferantenpartnern, über die wir hochwertige Regranulate und Recompounds für verschiedene Anwendungsbereiche anbieten können.“ Foto: Meraxis

In Deutschland müssen 63 % der Kunststoff-Verpackungen bis zum Jahr 2022 laut Verpackungsgesetz recycelbar sein. Die Quote lag im vergangenen Jahr noch bei rund 55 %, so dass Kunststoff-Produzenten nun nachlegen und verstärkt Rezyklate einsetzen müssen. Das Problem: Qualitativ hochwertiges Recyclingmaterial steht aufgrund dezentraler Marktstrukturen oft nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Rohstoffverknappungen und Preisschwankungen sind die Folge. Um dennoch den passenden Lieferpartner zu finden, sollten Verarbeiter den Rezyklatmarkt sehr genau kennen. Streng genommen müssten sie potenzielle Lieferanten genau prüfen oder sogar aufwendig auditieren, um sicherzustellen, dass die Rohstoffe auch wirklich in der gewünschten Qualität und Menge aufbereitet werden. Ein solches Vorgehen können sich vor allem kleinere und mittelständige Unternehmen kaum leisten. Die Recherche kostet nicht nur Zeit, sie setzt auch technische Kenntnisse zur Herstellung von Rezyklaten voraus.

Es ist daher ratsam, mit einem Distributionspartner zusammenzuarbeiten, der auf die Beschaffung von Prime- und Recyclingmaterial spezialisiert ist. Kunststoff-Distributoren wie Meraxis greifen auf ein weltweites Logistik- und Distributionsnetzwerk zu. Im Gegensatz zu reinen Rezyklat-Herstellern, die nur das liefern können, was sie aktuell produzieren, verfügt Meraxis über zahlreiche, geprüfte Quellen. „Wir haben ein umfangreiches Netzwerk an auditierten Lieferantenpartnern, über die wir hochwertige Regranulate und Recompounds für verschiedene Anwendungsbereiche anbieten können“, so Dieter Rumler, Head of Purchasing Recyclates bei Meraxis. „Dadurch ist auch sichergestellt, dass wir die notwendigen Mengen beschaffen können. Gleichzeitig können Kunden bei uns natürlich auch Primeware beziehen. So haben wir für jede Anwendung den optimal passenden Werkstoff im Portfolio.“

Regel 2: Auf die Eigenschaften des Recyclingmaterials achten

Bei der Verarbeitung von Sekundärmaterial ist es wichtig, dass die Rezyklate eine vergleichbare Qualität haben wie die bisher eingesetzte Primeware. Für die Serienfertigung in der industriellen Produktion ist es außerdem wichtig, dass die Qualität gleich bleibt. Weil sich Rezyklate je nach Herkunft aber naturgemäß voneinander unterscheiden, werden verschiedene Chargen homogenisiert. Das bedeutet: Sie werden vermischt, so dass große Mengen in gleichbleibender Qualität entstehen. Grundsätzlich ist eine genaue Erprobung und Erstbemusterung unumgänglich, weil Rezyklate verschiedener Anbieter in ihren Eigenschaften nicht vergleichbar sind. „Wir empfehlen, das ausgewählte Material vor dem Einsatz genau zu testen“, sagt Rumler. „Diese Erstprüfung ist ein technischer Prozess zur Materialcharakterisierung. Dabei wird sichergestellt, dass sich Rezyklate für die vorgesehene Verwendung auch wirklich eignen.“

Regel 3: Die richtige Rezeptur entwickeln

Elmar Schröter, Executive Director Recycling & New Business Development bei Meraxis: „Unser Entwicklungsteam sorgt dafür, dass die Materialien genau die Anforderungen erfüllen, die sich unsere Kunden wünschen.“ Foto: Meraxis

Jede Materialentwicklung startet mit einer möglichst detaillierten Definition der gewünschten technischen Eigenschaften. Die Anteile an Rezyklaten, Primeware und anderen Inhaltsstoffen müssen anwendungsgerecht aufeinander abgestimmt werden. Das ist notwendig, da sich die Anforderungen an das Produkt je nach Anwendung unterscheiden. Um die Eigenschaften zu verbessern, können nach Bedarf Additive hinzugefügt werden. Meraxis entwickelt solche Rezepturen in seiner eigenen Materialforschungsabteilung. „Unser Entwicklungsteam sorgt dafür, dass die Materialien genau die Anforderungen erfüllen, die sich unsere Kunden wünschen“, erklärt Elmar Schröter, Executive Director Recycling & New Business Development bei Meraxis. „Wir können zum Beispiel Farben selbst in Nuancen nachempfinden.“

Regel 4: Geeignete Produktionsverfahren und Maschinen auswählen

Auch auf die richtige Abstimmung von Verfahrenstechniken, Werkzeugen und den richtigen Werkstoffen kommt es an. Um Fehlproduktionen zu vermeiden, müssen Parameter an den Maschinen – wie Materialdurchsätze, Zykluszeiten oder Verarbeitungstemperaturen – je nach Werkstoff individuell eingestellt werden. Dies gilt vor allem beim Einsatz von Rezyklaten: Verarbeiter sollten in der Produktion eine möglichst homogene Rohstoffmasse einsetzen, die sich im Laufe des Produktionsprozesses konstant verhält. Im Idealfall muss die Maschine so nur einmal grundlegend eingestellt werden.

Um ein optimales Produkt sicherzustellen, bietet Meraxis seinen Kunden umfangreiche technische Dienstleistungen sowie Vor-Ort-Unterstützung durch die hauseigene Anwendungstechnik an. „Unsere technischen Experten helfen dabei, die effizientesten Produktionsverfahren und Werkzeuge auszuwählen, und schließlich einzelne Parameter richtig einzustellen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, so Schröter. „Bei Bedarf steht unser technisches Team beratend zur Seite, wenn speziell für die Verarbeitung von Rezyklaten neue Maschinen und Werkzeuge angeschafft werden müssen.“

Regel 5: Nachhaltigkeit nachweisen

Philipp Endres, stellvertretender CEO der Meraxis: „Auch wenn der Einsatz von Recyclingmaterial gut durchdacht sein muss und umfassendes verfahrenstechnisches Know-how erfordert, lohnt es sich.“ Foto: Meraxis

„Das Interesse an möglichst umweltfreundlichen Produkten ist vor allem bei Verbrauchern enorm“, betont Rumler. „Wenn Hersteller also ein Endprodukt gänzlich oder teilweise aus Rezyklaten fertigen, empfiehlt es sich, dies deutlich zu machen. Denn der Einsatz von recycelten Materialien ist längst ein zusätzliches Verkaufs- und Marketingargument.“ Dazu eignen sich anerkannte Zertifikate wie etwa der „Blaue Engel“ oder „Eu-Cert-Plast“. Der „Blaue Engel“ ist ein Siegel des deutschen Bundesumweltministeriums, das Kunststoffprodukte dann erhalten können, wenn sie zu mindestens 80 % aus Recyclingmaterial bestehen. „Eu-Cert-Plast“ ist ein EU-weites Zertifizierungsprogramm, das sich auf die Rückverfolgbarkeit von Kunststoffmaterialien über den gesamten Recyclingprozess und die gesamte Lieferkette konzentriert.

„Auch wenn der Einsatz von Recyclingmaterial gut durchdacht sein muss und umfassendes verfahrenstechnisches Know-how erfordert, lohnt es sich“, resümiert Philipp Endres, stellvertretender CEO der Meraxis. „Immerhin kommt die Kunststoffbranche so einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft einen großen Schritt näher. Dazu arbeiten wir konsequent daran, konventionelle Materialien durch Recyclinginnovationen zu ergänzen.“

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit spielen für Meraxis übrigens eine sehr wichtige Rolle. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Elena Seifert, freie Journalistin

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