Fachtagung „Kunststoff trifft Elektronik“ in Leipzig

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Erstmalig fand Ende Januar 2020 die Fachtagung „Kunststoff trifft Elektronik“ in Leipzig statt, veranstaltet durch das Kunststoff-Zentrum in Leipzig gGmbH.

Das Kunststoff-Zentrum in Leipzig gGmbH (KUZ) lud Fachexperten und Aussteller zu der Fachtagung ein, um über aktuelle Entwicklungen, Anforderungen und Anknüpfungspunkte der Kunststoff- und Elektrotechnikbranchen zu diskutieren. Mit dem sächsischen Hightech-Netzwerk Silikon Saxony e. V. als Kooperationspartner, erfolgte ein fachlicher Brückenschlag aus der Kunststoff verarbeitenden Industrie in die Elektrotechnik/Elektronikbranche. Über 100 Teilnehmer erlebten zwei spannende Tage mit innovativen Fachvorträgen und begleitender Ausstellung zwischen Praxis, Wissenschaft und Netzwerken. Ein besonderes Highlight der Veranstaltung stellten drei vertiefende Exkursionen dar.

Vorträge im Perspektivwechsel

Das Fachprogramm startete mit einem interessanten Einblick in die Elektroindustrie aus der Perspektive des wirtschaftspolitischen Verbandes ZVEI e. V. Haimo Huhle zeigte aktuelle Marktentwicklungen ebenso wie Herausforderungen der Branche auf. Innovationen sind heute stark geprägt von der Digitalisierung. Dies verdeutlichte Huhle beispielhaft an der Industrie 4.0-Umsetzung eines elektronischen Typenschildes. Die anschließenden Fachvorträge spannten den Bogen zu speziellen Kunststoffen in Elektronikanwendungen. Dr. Axel Tuchlenski (Lanxess Deutschland GmbH) referierte über verschiedene Anforderungen von Hochleistungskunststoffen und beispielhaften Lösungen für Automobilkonzepte der Zukunft. Dr. Martin Giersbeck (Robert Bosch GmbH) stellte aus Sicht der Anwenderseite funktionalisierte Duroplaste in Verpackungen von Elektronik vor. Konkrete Lösungen für Kunststoffe in mechatronischen Antriebssystemen in Elektromotoren präsentierte Daniel Bierl (Bühler Motor GmbH).

Am zweiten Veranstaltungstag ging es vertieft um Kunststoffeigenschaften: mit Polycarbonaten für innovative Elektronikanwendungen (Dr. Niklas Meine, Covestro Deutschland AG), Vermeidung von elektrochemischer Korrosion mit Polyamiden (Günter Prautsch, Akro-Plastic GmbH) und wesentlichen Anforderungen des Flammschutzes für technische Kunststoffe in elektronischen Anwendungen (Dr. Bernhard Schartel, BAM). Der anschließende Themenschwerpunkt widmete sich der Verarbeitung: Beginnend beim Spritzguss von Hybridbauteilen für die Steckerfertigung mit zugehöriger Automation (Volker Brenner, Arburg GmbH & Co. KG). Intelligente und interaktive Oberflächen für Bedienelemente von zukunftsfähigen Kommunikationssystemen standen im Fokus des Vortrags von Martin Hahn (Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG). Durch die Kombination von Folie und Spritzgießprozess zeigte er attraktive Kombinationen aus Design und Funktion. Christoph Ernst (Kunststoff Helmbrechts AG) untersetzte die Thematik mit der konkreten Lösung des IML Smart Wave Panels. Die konkreten Anwenderberichte zu Bordnetzkomponenten (Dr. Bernhard Schneider, FEP Fahrzeugelektrik Prina GmbH) und spezielle Lösungen für Elektronikkomponenten, hergestellt im Mikrospritzgießprozess (Dr. Gábor Jüttner, KUZ), demonstrierten noch einmal die Potenziale der Kunststoffe in diesen Anwendungen. Eine richtungsweisende Investition in der Region und die Umsetzung modernster Strategien als „Intelligent Fab“, erläuterte Otto Graf (Robert Bosch Semiconductor Manufacturing Dresden GmbH) eindrücklich und begeisterte mit der Vorstellung des künftigen 300 mm Halbleiterwerks in Dresden.

Exkursionen in die Praxis

Drei Exkursionen zu elektronischen/elektrotechnischen Highlights in Leipzig boten den Teilnehmern intensive Einblicke in die Praxis. Eine Station war das BMW-Werk in Leipzig. Im Rahmen einer Werkführung erhielten die Teilnehmer Einsichten in die Produktion der BMW i- Fahrzeuge, in die CFK-Fertigung, die Technologie Exterieur-Komponente und den BMW i Karosseriebau sowie die Montage. Eine weitere Exkursion führte zu Leesys - Leipzig Elektronic Systems GmbH. Das Unternehmen zeigte eindrucksvoll die Kunststoff- und Elektronikfertigung für Automotive-, Telekommunikations- und Industrieelektronik-Anwendungen. Weiterhin konnten die Tagungsteilnehmer die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig besuchen. Diese stellte den innovativen Studiengang „Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit“ vor. Im Rahmen eines Vortrags sowie eines Workshops erhielten die Teilnehmer Einblicke in praxisnahe und zukunftweisende Ausbildungskonzepte, ebenso wie eine Demonstration in der Verarbeitungswerkstatt zu verschiedenen Verpackungstechnologien und -vorgängen.

Eine der Exkursionen führte zu Leesys - Leipzig Elektronic Systems GmbH. Das Unternehmen zeigte eindrucksvoll die Kunststoff- und Elektronikfertigung für Automotive-, Telekommunikations- und Industrieelektronik-Anwendungen. Foto: KUZ

Erfahrungsaustausch und Netzwerken bei der Fachtagung

Einen weiteren Höhepunkt der Fachtagung stellte der Abendvortrag des ersten Veranstaltungstages dar. Dr. Steffi Burkhart referierte über den aktuellen gesellschaftlichen Wertewandel, den „War for talents“ und damit einhergehender Zukunftstrends der branchenübergreifenden Fachkräftegewinnung. Insbesondere Generation Y und Z wurden mitsamt ihren Wünschen und Bedürfnissen dargestellt. Die pointierte Vortragsweise der Referentin, ebenso wie provokante und anregende Fragestellungen förderten einen tollen Impuls für den nachfolgenden Erfahrungsaustausch in entspannter Atmosphäre beim Get-together.

Einmal mehr zeigte sich, dass die Tagungsreihe „Kunststoff trifft …“ nicht nur eine jährlich stattfindende Plattform für den Austausch unter Fachexperten ist, sondern auch ein Stimmungsbarometer für aktuelle Trends und Entwicklungen der Kunststoffbranche darstellt. Das KUZ dankt allen Referenten, Teilnehmern sowie Veranstaltungspartnern für Ihre Teilnahme. Auch im kommenden Jahr bietet sich Gelegenheit zum Austausch in Leipzig. Die nächste Fachtagung „Kunststoff trifft Medizintechnik“ findet am 27. und 28. Januar 2021 statt.

sl

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