Experten aus aller Welt treffen sich im Congress Center Bremen, um die neusten Ergebnisse aus dem Bereich der thermoplastischen Verbundwerkstofftechnologien zu präsentieren und zu diskutieren.
Foto: M3B/Jan Rathke
Experten aus aller Welt treffen sich im Congress Center Bremen, um die neusten Ergebnisse aus dem Bereich der thermoplastischen Verbundwerkstofftechnologien zu präsentieren und zu diskutieren.

Veranstaltungen

Evolutionen der Composites

Kongressmesse ITHEC 2022 in Bremen präsentiert am 12. und 13. Oktober neue Lösungen für Verbundwerkstoffe –Im Fokus: Fasern, Fügeverfahren, Hybridmaterialien, 3D-Druck sowie Prozessoptimierungen

Hohes Recycling-Potential, Herstellung in vollautomatisierten Prozessen, belastungsfähig und kombinierbar mit anderen Werkstoffen – die Vorteile thermoplastischer Composites liegen auf der Hand. Im vergangenen Jahrzehnt sind die Anzahl und Einsatzmöglichkeiten von thermoplastischen Bauteilen massiv gestiegen. Die ITHEC in Bremen ist seit ihrem Start im Jahr 2012 die zentrale Plattform für die europäische thermoplastische Composites-Industrie. Am Mittwoch und Donnerstag, 12. und 13. Oktober 2022, präsentieren und diskutieren führende internationale Experten im Congress Centrum Bremen einmal mehr die weltweit neuesten Trends, aktuelle Forschungsergebnisse und grenzüberschreitende Materialkombinationen.

Breit gefächertes Programm

Coronabedingt hatte die ITHEC 2020 online stattgefunden – mit großem Erfolg, so dass die Organisatoren zukünftig auf ein hybrides Format setzen. Erwartet werden in diesem Jahr rund 500 Teilnehmende sowie namhafte Vortragende aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Automotive und Emerging Tech. Auf dem Programm der 6. ITHEC stehen unter anderem Textil- und Fasertechnologien, Fügeverfahren, Hybridmateriallösungen, additive Fertigungsverfahren sowie innovatives Prozess- Monitoring und Qualitätsmanagement. 70 wissenschaftliche Vorträge, Posterpräsentationen und mehr als 40 ausstellende Institutionen und Unternehmen machen die ITHEC 2022 zum Top-Kongress der Composites-Industrie.

Mit Thermografie die Prozesse optimieren

Ein Thema sind richtungsweisende Einblicke durch Thermografie in die Schmelzverbindung von kohlefaserverstärkten thermoplastischen Verbundstoffen für zukünftige Schweißverfahren in der Luft- und Raumfahrt. „Aufgrund der geringen elektrischen Querleitfähigkeit ist es schwierig, Wirbelströme in unidirektionalen (UD) verstärkten Lagen zu erzeugen – abhängig von der Stapelorientierung im Fasernetzwerk“, erklärt Yannick Buser, Doktorand am Thermoplastic Composite Research Center (TPRC) im niederländischen Enschede. „Wir wollen für die Prozessoptimierung besser verstehen, welche physikalischen Mechanismen bei der Wirbelstromverteilung an den Faserkreuzungen greifen. Unser Ziel ist, die Grenzflächen zwischen benachbarten Lagen zu finden, an denen der elektrische Kontakt ungleichmäßig ist – für eine noch bessere Verarbeitung.“

Hybride im Automobilbau

Ein Kernthema im Bereich Automotive sind hybride Materiallösungen. Dr. Thierry Renault, Manager des Faurecia-Kompetenzzentrums, referiert zur Integration von lokalen Metallverstärkungen bei thermoplastischen Organo-Verbundwerkstoffen – für die Entwicklung von Teilen in hochbelasteten Bereichen. Kernpunkt der Präsentation sind zwei Studien zur intrinsischen Verbindung eines Metalleinsatzes mit einem Organoblech durch Umspritzen. Um die Robustheit der Verbindung bezüglich Statik und Materialermüdung zu testen, wurden Parameter wie Feuchtigkeit, Temperatur, Ecoat, Salzsprühnebel und klimatische Alterung getestet.

Thermoplast-Matrix in großen Verbundstrukturen

Mit hybriden Bikomponentenfasern befasst sich Dr. Christoph Schneeberger, Mitgründer der Züricher Antefil Composite Tech AG. „Endlosfaserverstärkte Thermoplaste erfordern tendenziell hohe Verfestigungsdrücke, um einen geringen Hohlraumgehalt und damit eine möglichst große Stabilität zu erreichen“, erklärt der Experte. „Unser Unternehmen arbeitet an einem Verfahren, um hochwertige Laminate nur unter der Verwendung von Hitze und Vakuumdruck herzustellen.“ Durch den Verzicht auf hydraulische Pressen oder Autoklaven ebnet die vorgestellte Lösung den Weg zur Verwendung thermoplastischer Matrixpolymeren selbst für größere Verbundstrukturen.

Neueste Erkenntnisse von hochkarätigen Experten

„Die ITHEC zeichnet sich erneut dadurch aus, dass hochkarätige Experten aus der thermoplastischen Industrie und Forschung ihre neuesten Erkenntnisse, Projekte sowie Ideen vorstellen und gleichzeitig der intensive Austausch unter allen Teilnehmern möglich ist“, betont Prof. Dr. Axel Herrmann, Institutsleiter im Faserinstitut Bremen. „Die ITHEC Bremen ist ein zentraler Anlaufpunkt für das Netzwerk und die Zukunft der thermoplastischen Composites.“

Das Tagungsprogramm findet sich auf der ITHEC-Website. Die Teilnahme an der Fachkonferenz ist auch digital möglich. Der Zugang erfolgt über eine spezielle Plattform und wird mit Erwerb des Tickets freigeschaltet und per E-Mail mitgeteilt. mg