Europa vergrößert Vorsprung bei Industrie 4.0

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Mehr Pilotprojekte, höhere Investitionen: Nach einer Studie von Bain & Company hat Europa seine weltweite Vorreiterrolle bei Industrie 4.0 weiter ausgebaut.

„Wer seine Maschinen, Anlagen und Produkte vernetzt und die daraus resultierenden Daten verwertet, zählt zu den Profiteuren in einer Welt weitreichender Automatisierung und künstlicher Intelligenz,“ so die Überzeugung von Oliver Straehle, Leiter der Bain-Praxisgruppe Advanced Manufacturing & Services im Raum EMEA und Co-Autor der Studie. Gleichzeitig warnt Straehle davor, Investitionen in Sachen Indutrie 4.0/Internet of Things (IoT) auf die lange Bank zu schieben, denn „in den nächsten zwei, drei Jahren werden sich die Gewinner beim Thema Internet der Dinge herauskristallisieren.“

Die aktuelle Studie "Europeans Extend Their Lead in the Industrial Internet of Things", für die Bain & Company mehr als 600 IoT-Verantwortliche in Europa und den USA befragt hat, sieht Europa bei der Umsetzung von Industrie 4.0/Internet of Things klar im Vorteil: Denn seit 2016 brachten die Unternehmen auf dem alten Kontinent ihre Vorhaben rund um Industrie 4.0 dreimal so schnell voran wie ihre Wettbewerber aus den USA.

Deutlich mehr Unternehmen wollen Industrie 4.0 Projekte umsetzen

Knapp die Hälfte aller 600 Befragten plant die Umsetzung eigener IoT-Projekte. Foto: Pixabay

Demnach will in beiden Regionen jeweils knapp die Hälfte der Studienteilnehmer IoT-Projekte umsetzen. "Allerdings haben die europäischen Unternehmen bereits deutlich mehr Erfahrung mit IoT-Technologien und deshalb einen echten Wettbewerbsvorteil", konstatiert Christopher Schorling, Partner in der Technologie-Praxisgruppe von Bain und Co-Autor der Studie. "Die Europäer wissen schon heute, wie sie IoT-Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewinnbringend einsetzen können."

Generell hat die Zahl der Unternehmen, die IoT-Projekte umsetzen wollen, deutlich zugenommen. Denn in der ersten Bain-Studie zu diesem Thema im Jahr 2016 hatten nur 27 % der europäischen und 18 % der US-amerikanischen Unternehmen die Einführung von IoT-Anwendungen angekündigt.

Allerdings planten bereits vor drei Jahren die Europäer, einen höheren Anteil ihrer IT-Budgets in diese neuen Technologien zu investieren. Insbesondere Automobilhersteller sowie Bau- und Industrieunternehmen setzten schon damals auf umfangreiche Pilotprojekte.

US-Firmen kämpfen noch mit Kinderkrankheiten

Diese frühen Anstrengungen zahlen sich nun aus. Zwar zeigt die aktuelle Studie, dass Unternehmen bei der Einführung von IoT-Technologien weiterhin große Herausforderungen zu bewältigen haben. Doch – so Bain – viele US-Firmen kämpfen heute noch mit Kinderkrankheiten, die die Europäer bereits weitgehend hinter sich gelassen haben. Dazu gehören mangelnde technische Expertise sowie Probleme bei der Integration und dem Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme.

Solche grundsätzlichen Schwierigkeiten nennen die US-Amerikaner in der aktuellen Bain-Studie sogar noch häufiger als vor zwei Jahren. Sie verhindern offenbar, dass IoT-Technologien zügig ins Tagesgeschäft integriert werden können. So planen die befragten US-Unternehmen bis 2022 hauptsächlich Pilotprojekte. Derzeit hat etwa die Hälfte zumindest dieses erste Stadium der Umsetzung von Industrie 4.0 erreicht.

Ganz anders in Europa: Hier arbeiten die Unternehmen mittlerweile an Geschäftsmodellen, die ihre Investitionen refinanzieren, und an regulatorischen Aspekten und Sicherheitsfragen. Europas Vorreiterrolle manifestiert sich laut Bain auch in den Investitionsplänen. In den kommenden zwei Jahren wollen europäische Unternehmen mehr als doppelt so viele großangelegte IoT-Projekte realisiert haben wie ihre US-Konkurrenten.

Cybersicherheit bleibt die größte Hürde

Als größte Hürde für die Einführung von Industrie 4.0 nennen die Befragten aus beiden Regionen die Sicherheit der Anwendungen. Gut die Hälfte der Europäer sieht darin das zentrale Problem, bei den US-Amerikanern ist es knapp ein Drittel.

"Die europäischen Anbieter von IoT-Lösungen haben große Chancen, die Führung im Bereich Cybersecurity zu übernehmen", betont Bain-Experte Schorling. "Schließlich sind sie gezwungen, ihre in Sicherheitsfragen höchst anspruchsvollen heimischen Kunden zufriedenzustellen." Gelinge es ihnen zusätzlich, die komplexen Datenschutz- und Regulierungsanforderungen der EU zu meistern, könnten sie sich einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz aus den USA und Asien erarbeiten.

Allzu sicher sollten sich die Europäer ihrer Führungsposition allerdings nicht sein. Denn die Pläne der US-Unternehmen sind extrem ambitioniert. In den kommenden zehn Jahren wollen sie sowohl bei Pilotprojekten als auch bei unternehmenskritischen Implementierungen mit den Europäern gleichgezogen haben.

gk

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