Es ist höchste Zeit für widerstandsfähigere Lieferketten

Günter Kögel, Herausgeber der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Aufgefallen ist Günter Kögel, Herausgeber der K-ZEITUNG, dass es höchste Zeit ist, neue, widerstandsfähigere Lieferketten aufzubauen.

Nicht alle, aber viele der aktuellen Versorgungsengpässe sind darauf zurückzuführen, dass die Lieferketten bisher vor allem auf möglichst geringe Kosten hin optimiert wurden, und zu wenig auf Widerstandsfähigkeit gegenüber unerwarteten Ereignissen.

Niedrige Bestandskosten – hohes Risiko

Denn Just-in-time oder sogar Just-in-sequence – also die Lieferung von Bauteilen oder Komponenten zeit-, mengen- und artgenau an den richtigen Platz, damit sie sofort weiter verarbeitet werden können – galt lange Zeit als das Credo moderner Fertigungen, vor allem in der Automobil- und Elektronikindustrie. Mit ausgeklügelter Planung und weit reichender Vernetzung der Abnehmer mit ihren Zulieferern wurden damit die Lager- und Bestandskosten auf ein absolutes Minimum gedrückt.

Dass diese Strategie aber auch ihre Schattenseiten hat, müssen die Hersteller von Automobilen, Maschinen und vielen anderen Geräten aber gerade leidvoll erfahren. Denn wenn nur ein einziger der vielen Partner nicht liefern kann und kein zweiter Lieferant als Back-up parat steht, kommt das komplette System zum Erliegen.

Gleiches gilt, wenn sich Unternehmen bei der Herstellung ihrer Produkte auf einen einzigen Lieferanten oder einen ganz bestimmten, nur von einem Unternehmen angebotenen Werkstoff fixiert haben. Auch hier können einzelne Lieferprobleme zum Stillstand einer kompletten Produktionslinie führen.

Lieferketten müssen widerstandsfähiger werden

Angesichts der jüngsten Erfahrungen mit den Folgen der Shut-downs aufgrund der Corona-Pandemie, mit gestrandeten Containerschiffen, mit aufgrund der Energieknappheit abgeschalteten chinesischen Fabriken und mit gehäuft aufgetretenen Force Majeure Fällen wird es höchste Zeit, über die künftige Ausprägung der Lieferketten nachzudenken, die widerstandsfähiger und weniger anfällig sind.

Ob man dafür nun den Modebegriff Resilienz verwendet oder es einfach nur Widerstandsfähigkeit gegen unkalkulierbare äußere Einflüsse nennt, ist egal. Wichtig ist aber, bei künftigen Lieferketten mehr als bislang die möglichen Risiken und Alternativen im Auge zu behalten. Was hilft denn der letzte Cent, der bei Preisverhandlungen herausgekitzelt wurde, wenn bei Lieferschwierigkeiten einzelner Lieferanten in kurzer Zeit Kosten in Millionenhöhe entstehen?

„Bei künftigen Lieferketten mehr als bislang die möglichen Risiken und Alternativen im Auge behalten“

Günter Kögel, Herausgeber

Sicherlich ist es ein erheblicher Mehraufwand, nicht nur einen Computerchip oder einen Werkstoff für ein bestimmtes Produkt zu qualifizieren. Doch die aktuellen Erfahrungen zeigen, was passieren kann, wenn man dies nicht tut: ein unvorstellbar teurer Stillstand ganzer Fabriken.

Und das Ganze auch noch klimaneutral

Und als ob dies noch nicht schwer genug wäre, kommt zu all dem noch das Streben nach klimaneutralen Produkten und Produktionsverfahren hinzu. Deshalb abschließend noch eine Botschaft an die Politik: Die Veränderung der Lieferketten kann dazu führen, dass wieder mehr Wertschöpfung in Deutschland und Europa stattfindet – aber dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Zum Beispiel mit bezahlbaren, international wettbewerbsfähigen Energiekosten, dem längst überfälligen Abbau der Bürokratie und einem fairen, zukunfts- und ergebnisorientierten Umgang mit Kunststoffen, denn eines ist klar: Klimaneutralität gibt es nur mit Kunststoff und nicht ohne.

gk

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