Energiezuschläge bedrohen Verarbeiter

Polymer Comply Europe (PCE) sieht in den Energiezuschlägen der Kunststofferzeuger eine ernste Bedrohung für zahlreiche Verarbeiter.

Kunststoffverarbeiter sehen zunehmend mit Energiezuschlägen seitens der Erzeuger konfrontiert, die laut Polymer Comply Europe (PCE) für große Teile der Branche eine existenzielle Bedrohung darstellen können. PCE ist ein auf die EU-Gesetzgebung spezialisierter Dienstleister für die Kunststoffindustrie mit Sitz in Brüssel.

Die Jahre Covid-Jahre 2020 und 2021 waren und sind für die Industrie weltweit schwierig. PCE ist der Meinung, dass die Kunststoffindustrie ist in diesem Zusammenhang besonders stark betroffen ist. „Es handelt sich um eine Branche, die schon in normalen Zeiten hohen Schwankungen unterworfen ist. Denn sie ist in ganz besonderem Maße von globalen Lieferungen einer Vielzahl von Zwischenprodukten abhängt, die teilweise an nur wenigen Standorten hergestellt werden“, heißt es zur Begründung.

Covid, Force Majeures und Energiezuschläge

Seit dem Erscheinen von Covid war damit vorhersehbar, dass die Branche ein Hauptopfer der unvermeidlichen Engpässe und Störungen sein würde. Weniger vorhersehbar war, dass es im Jahr 2021 zu mehr und länger andauernden Force Majeures mit einer Fülle von Ursachen kommen würde als noch 2015. Darüber hinaus haben extreme Wetterereignisse, mit denen wir jetzt vielleicht lernen müssen zu leben, in Kombination mit Covid die Schwierigkeiten der Branche noch verschärft. Und jetzt kommen auch noch Versuche der Erzeuger hinzu, Preise über Energiezuschläge anzuheben.

Zwar schien es den meisten europäischen Verarbeitern es in den letzten Monaten so, als sei der Anschein von Normalität eingekehrt. Von Ausnahmen abgesehen, sind die meisten Materialien inzwischen verfügbar und die Preisgestaltung hat begonnen, diese Realität zu spiegeln.

Existenzielle Bedrohung für Verarbeiter

Allerdings sehen sich die Kunststoffverarbeiter nun mit Energiezuschlägen und anderen einseitigen, „nicht marktkonformen Preisanpassungsversuchen“ konfrontiert, schreibt PCE. „Für große Teile der Branche stellen die Energiezuschläge eine existenzielle Bedrohung dar. Diese Zuschläge werden von einer breiten Gruppe von Anbietern vieler Arten von Polymeren vorgeschlagen, unabhängig von ihren tatsächlichen Kostenstrukturen und Gewinnspannen“, so der Vorwurf von PCE.

Natürlich bestreitet niemand die explodierenden Energiekosten, aber diese „seien ein integraler Bestandteil der Vertragspreise und Marktindizes, die die Grundlage für die Preisgestaltung der Verarbeiter gegenüber ihren eignen Kunden bilden.“ Daher könnten die Verarbeiter diese Energiezuschläge ihrerseits nicht durchreichen. Zudem seien die Erhöhungen in einer Größenordnung, die die Gewinnspannen vieler Verarbeiter zunichtemachen. Und dass in einer Branche, die notorisch mit einem sehr mageren Rentabilitätsniveau auskommen müsse.

Eigentor in der Kunststoff-Lieferkette

Kunststofferzeuger, die in Absprache mit anderen Erzeugern Preissteigerungen in Form von Energiezuschlägen einzuführen, sollten laut PCE wissen, dass sie versuchen, ihren Kunden uneinbringliche Kosten aufzuerlegen, die so manchem Verarbeiter seine Existenz kosten wird. Damit würde ein wichtiges Kennenglied in der Wertschöpfungskette derart geschwächt, das sich dies mittelfristig zum eigenen Nachteil der Erzeuger auswirken könnte.

„Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich die Angelegenheit entwickelt und ob auf die Force Majeures, mit denen wir alle zu kämpfen hatten, nun eine Reihe von Eigentoren folgen, die der gesamten Lieferkette noch mehr schaden könnten“, heißt es bei PCE.

Die Kunststoff-Experten bei PCE arbeiten eng mit Polymers for Europe Alliance sowie European Plastics Converters (EUPC) zusammen.

mg