Ein Berg aus Kunststoff

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Das Kunstprojekt „Earth Plastic View“ von Branko Šmon visualisiert den derzeit weltweit vorhandenen Kunststoffbestand mit dem Volumen des Matterhorns.

Der weltweite Bestand an Kunststoffen auf dieser Erde beträgt nach Schätzungen von Wissenschaftlern aktuell 7 Mrd. t – eine Dimension, die man sich nur schwer vorstellen kann. Der Künstler Branko Šmon hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dieses unvorstellbare Ausmaß zu visualisieren und begreifbar zu machen.

Die MyEarthPlasticPart-cubes – hier mit Branko Šmon im Eingangsbereich der K 2019 – zeigen das aktuelle Pro-Kopf-Volumen von Kunststoff auf der Erde. Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

Mit seinem Kunstprojekt „Earth Plastic View“ verwandelt er das Matterhorn, den meistfotografierten Berg der Welt, anhand von mehreren Installationen zum weltweiten Botschafter für ein neues globales Plastikbewusstsein. Die Patenschaft für das Projekt, das unter anderem vom Bereich Kunststoffe des Fraunhofer LBF unterstützt wird, hat der Schweizer Pionier Bertrand Piccard übernommen, der in den Jahren 2015 und 2016 mit einem Solarflugzeug die Erde umrundete.

Auf Einladung von Plastics Europe konnte Branko Šmon sein einzigartiges Projekt auch im Rahmen der Sonderschau „Plastics shape the Future“ auf der K 2019 in Düsseldorf vorstellen und Fachleuten aus der ganzen Welt seine Botschaft für ein neues globales Plastikbewusstsein vermitteln.

Für die Umsetzung von „Earth Plastic View“ hat der Künstler umfangreiche Recherchen und Berechnungen durchgeführt. Ein wesentliches Ergebnis: Die 7 Mrd. t Kunststoff, die sich derzeit weltweit im Gebrauch, in den Landschaften, den Weltmeeren, auf Deponien und auch in Lebewesen befinden, entsprechen auf der Grundlage einer belastbaren Schüttdichte einem Granulatvolumen von rund 14 km3 – eine eigentlich unvorstellbar große Menge.

Matterhorn macht das aktuell vorhandene Kunststoffvolumen deutlich

Mit Branko Šmon erhält dieses Volumen nun eine greifbare Form: das Matterhorn. Vier große „Earth Plastic View“-Frames, aufgestellt an unterschiedlichen Aussichtspunkten rund um den Gornegrat, zeigen die räumliche Ausdehnung des Volumens des heutigen weltweiten Kunststoffbestands in Granulatform. Die imposanten Sichtrahmen umfassen die Silhouette des Matterhorns mit dem umliegenden Bergmassiv und entsprechen einem Kunststoffvolumen von 14 km3. So wird dieses Ausmaß in der Landschaft um das Matterhorn sicht- und damit erst vorstellbar, so Branko Šmon.

In Zermatt und an sechs Aussichtspunkten entlang der Gornergrat Bahnlinie und auf der Rothornseite visualisiert Šmon zudem den Anteil des aktuell globalen Kunststoffbestandes im Verhältnis zum Individuum durch große Objektkuben, die mit Kunststoffgegenständen des Alltags, Kunststoffmahlgut und Granulat gefüllt sind.

1,9 m3 Kunststoff pro Kopf der Weltbevölkerung

„MyEarthPlasticPart-cube“ am Matterhorn. Das Volumen von 1,9 m3 (1,9 x 1 x 1 m) entspricht dem Pro-Kopf-Aufkommen an weltweit vorhandenem Kunststoff in Granulatform. Foto: Šmon

Diese „MyEarthPlasticPart-cubes” sind 1,9 x 1 x 1 m groß. Dieser Volumeninhalt entspricht bei 7,67 Mrd. Menschen (Stand Anfang 2019) dem weltweiten Pro-Kopf-Aufkommen von Kunststoff in Granulatform (1,9 m3).

Um das Verhältnis von Pro-Kopf-Volumen zum Gesamtvolumen deutlich zu machen, hat Branko Šmon als künstlerische Aktion sogar einen mit Kunststoffgranulat gefüllten „MyEarthPlasticPart-cube“ mit einem Hubschrauber auf den Gipfel des Matterhorns fliegen lassen – als Zeichen für ein neues globales Plastikbewusstsein mit dem Matterhorn als herausragendem Botschafter.

„Earth Plastic View“ am Matterhorn zeigt aber nicht nur mit einer roten Linie die heutige räumliche Ausdehnung des weltweiten Kunststoffbestandes in Granulatform. Eine zusätzliche orangefarbene Linie zeigt die zu erwartende Ausdehnung für das Jahr 2035 für den Fall, dass sich nichts am Umgang mit Kunststoff ändert.

Für das Jahr 2019 entspricht das Volumen des weltweiten Kunststoffbestandes in Granulatform von 14,0 km3 dem Volumen des Matterhorns oberhalb der Höhe von 2.600 m im Radius von 3,78 km. Das Zentrum des Radius ist der Gipfel des Matterhorns. Die rote Linie grenzt das Volumen in diesem Radius ein.

Künstler will den Umgang mit Kunststoff bewusst machen

Ändern wir nichts an unserem Umgang mit Kunststoff, vergrößert sich das Volumen des weltweiten Plastikbestandes bis zum Jahr 2035 voraussichtlich auf ca. 32,0 km3. Dieses Volumen entspricht dem des Matterhorns oberhalb der Höhe von 2.600 Metern im Radius von 5,66 km – ebenfalls mit dem Gipfel des Matterhorns als Zentrum. Die orangefarbene Linie grenzt das Volumen in diesem Radius ein.

Doch so weit soll es nicht kommen. „Mit Earth Plastic View möchte ich ein neues Plastikbewusstsein schaffen. Nur im Verhalten eines jeden Einzelnen ist eine Veränderung möglich. Das Matterhorn dient dabei als globales Symbol. Ich habe am Gornergrat ideale Bedingungen für mein Ziel gefunden: Wir befinden uns zum einen mitten in schönster Natur, die Menschen werden hier direkt emotional berührt. Zum anderen steht das Matterhorn frei. Man hat als Betrachter eine Übersicht über die darum herum liegende Berglandschaft. So kann ich das enorme Volumen überhaupt erst sichtbar machen. Durch die Weitläufigkeit der Landschaft und die Schönheit der Natur schaffe ich die mir wichtige Verbindung zwischen dem Bewusstsein für das Ausmaß der Problematik und der Kraft der Naturschönheit“, begründet der Künstler seine Wahl für das Matterhorn.

Das aktuell auf der Welt vorhandene Kunststoffvolumen füllt das Matterhorn komplett aus. Foto: Šmon

App als neue Form der Kunsterfahrung

Als neue Form der Kunsterfahrung hat Branko Šmon sogar eine eigene App entwickelt. Bei der „Earth Plastic View“-Art-App werden der reale Naturhorizont und der „digitale Horizont“ überlagert und verschmelzen zu einer kontroversen Einheit. Wie Šmon erklärt, verstärkt die App auf spielerische Weise die Aufmerksamkeit für die Thematik und ermöglicht durch interaktive Funktionen die Dimensionen des weltweiten Plastikaufkommens visuell zu begreifen. Es geht um eine multidimensionale Kunsterfahrung, die das reale Erleben am Matterhorn durch eine virtuelle Ebene erweitert, so Šmon.

Die App zeigt an sieben Aussichtspunkten die Ausdehnung des Plastikvolumens am Matterhorn – mit einer rote Linie für das Jahr 2019 und einer orangefarbenen Linie für das Jahr 2035. Ziel von Šmon ist es, das unvorstellbare Plastikvolumen durch Augmented Reality innerhalb einer realen Landschaft aufzuzeigen und dadurch eine neue Vorstellungsebene zu ermöglichen.

Durch eine integrierte Foto-Funktion kann sogar jeder Nutzer selbst Teil der Kunst werden und sich mit den eingeblendeten Linien fotografieren. Der EPV-art-filter soll dazu einladen die Botschaft des Projektes global zu streuen. Eine Real-Animation „Matterhorn Transformation“ verstärkt ein tieferes Verständnis für das Ausmaß des weltweiten Plastikvolumens. Zusätzlich informiert die App über Kunstprojekt und Künstler und gibt Informationen zur Umweltproblematik durch Plastik.

Mit jedem Kauf der „Earth Plastic View“ Foto Art-App, die im App Store und im Google Play Store erhältlich ist, geht ein Euro als Spende an innovative Projekte und nachhaltige Lösungen mit Kunststoff.

gk

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