Drei große Allrounder für die Automobilfertigung

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Drei große Allrounder 1120 H sorgen bei Kokinetics für mehr Effizienz in der Produktion von Automobilteilen wie etwa Sitztiefenverstellern für Pkw.

Reiner Amberg, Produktionsleiter Kunststoff bei Kokinetics: „Mit den drei Allroundern 1120 H sind wir jetzt in der Lage, rund 20 Millionen Teile pro Jahr zu fertigen.“ Foto: Arburg

Beim Automobil-Zulieferer Kokinetics in Kriftel bei Frankfurt/M. ist Produktionsleiter Reiner Amberg zufrieden mit seinen drei Allroundern 1120 H: „Wir fertigen hier mit unseren großen Allroundern im Drei-Schicht-Betrieb an fünf Tagen die Woche absolut sauber und hochwertig.“ Das hat für das Unternehmen, das aus der Metallbearbeitung kommt, höchste Priorität. Denn es hat fast alle namhaften internationalen Automobilkonzerne im Kundenportfolio und stellt entsprechend hohe Anforderungen an seinen Maschinenpark.

Kokinetics ist ein vergleichsweise „altes“, aber hoch innovatives Unternehmen. Gegründet wurde die Firma unter dem Namen Kochendörfer und Kiep bereits im Jahr 1890 in Frankfurt/M. Das Unternehmen begann nach 1945 als Pionier der Feinschneidtechnologie mit der Produktion von Kochtöpfen. Die weitere Entwicklung führte dann in Richtung Flugzeug- und Automobiltechnik. In den 1980er und 1990er Jahren konzentrierte sich das Unternehmen dann auf die Automotive-Industrie und in diesem Bereich besonders auf die Herstellung von Getriebeteilen, Sitzmechaniken und Strukturen als komplexe Baugruppen.

Die Trägerplatten der Sitztiefenversteller entstehen auf den drei großen Allroundern 1120 H aus faserverstärktem Kunststoff. Foto: Arburg

Automobilzulieferer baute 2015 eigene Spritzgießfertigung auf

Der internationalen Expansion von Kokinetics in die USA, nach Tschechien und China folgte 2015 der Beginn einer eigenen Spritzgießfertigung am Standort Kriftel mit zunächst zehn Allroundern. 2018 wurden weitere acht Arburg-Maschinen in die Produktion integriert. Heute arbeiten in Kriftel rund 170 Mitarbeitende an der Herstellung beweglicher Teile, Komponenten und Systeme aus Metall, Kunststoff und hybriden Werkstoffen für die Automobilindustrie und verwandte Branchen.

Seit Februar 2018 ergänzen zwei hybride Allrounder 1120 H mit 6.500 kN Schließkraft und Gestica-Steuerung, die größten Maschinen im Arburg-Programm, den Maschinenpark. Beide sind mit Multilift-Robot-Systemen ausgestattet. In diesem Jahr kam eine weitere dieser Turnkey-Anlagen hinzu. Auf allen drei Fertigungszellen entstehen Sitztiefenversteller für Pkw aus faserverstärktem Material.

Große Allrounder überzeugen Kokinetics von Anfang an

Nach der Drehung der beiden oberen Trägerplatten im Greifer um 180 ° werden alle vier Bauteile in einer Zwischenstation abgelegt. Foto: Arburg

Die Erfahrungen mit den Großmaschinen sind absolut positiv. Dass die drei Allrounder 1120 H im Praxisbetrieb absolut stabil laufen, das kennt man bei Kokinetics allerdings schon von den „kleineren“ Allroundern im Unternehmen. „Geringe Anlaufschwierigkeiten konnten wir entweder selbst mit einem vergleichenden Blick auf die bekannte Selogica-Steuerung und die neue Gestica der Allrounder 1120 H oder durch ein kurzes Gespräch mit den Experten in Loßburg aus der Welt schaffen. Hier bewährt sich, dass wir von Anfang an mit nur einem Maschinenhersteller zusammengearbeitet haben und unsere Ansprechpartner bei Arburg kennen“, betont Amberg.

Die Erfahrungen von Kokinetics belegen, dass Arburg mit dem großen Allrounder 1120 H die Anforderungen der Kunden nach effizienten, größeren Hochleistungsmaschinen erfüllt hat. Der hybride Allrounder 1120 H verbindet elektrische Schnelligkeit und Präzision auf der Schließseite und beim Dosieren mit hydraulischer Kraft und Dynamik beim Einspritzen. Das durchdachte Clamp-Design zeichnet sich durch eine hohe Funktionalität sowie deutlich verbesserte Ergonomie aus. Zu den praktischen Extras, die das Rüsten und die Arbeitsabläufe der Großmaschine erleichtern, zählen eine ausklappbare Treppe zur Schließeinheit, Servicetüren für die Versorgungs­einrichtungen und integrierte LED-Lichtleisten, die den Betriebszustand anzeigen.

Neueste Steuerungsgeneration Gestica

Die Gestica-Steuerung der Allrounder 1120 H entspricht in ihrem Look-and-Feel smarten mobilen Endgeräten. Das Bedienpanel mit hochauflösendem Full-HD-Bildschirm ist ergonomisch geneigt sowie schwenk- und höhenverstellbar. Neue Bedienelemente machen einen noch einfacheren und intuitiveren Zugriff möglich. Foto: Arburg

Die Gestica-Steuerung, deren Look-and-Feel smarten mobilen Endgeräten entspricht, bietet als Ausstattungsmerkmale eine moderne Glasfront, einen hochauflösenden Full-HD-Bildschirm sowie industrietaugliche Multi-Touch-Technik und klick-ergonomische Hardware-Tasten. Das Bedienpanel ist ergonomisch geneigt sowie schwenk- und höhenverstellbar.

Die Gestica baut auf den Vorteilen der Selogica-Steuerung auf, kann jedoch noch einfacher und intuitiver bedient werden. So lassen sich zum Beispiel mit dem neuen Bedienelement Easyslider Bewegungen beim Einrichten einfach und präzise steuern und über farbvariable LED-Technik anzeigen. Beschleunigt oder verlangsamt wird „mit einem Wisch“ entlang einer Leiste am Rand des Bildschirms. Die Datensätze von neuer Gestica- und bewährter Selogica-Steuerung sind voll kompatibel; der hierarchische Aufbau und die grafische Programmiersystematik bleiben gleich.

Sitztiefenversteller im Vierfach-Werkzeug

Die Entwicklung der Spritzgießfertigung bei Kokinetics wirft ein bezeichnendes Licht auf den Wechsel von der konventionellen Fertigung von Sitzteilen und -komponenten aus Metall hin zu solchen aus faserverstärkten Kunststoffen. Zunächst waren die Entscheider absolut überzeugt von der Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit ihrer Metallkomponenten. Aber die Entwicklungen in der Automotive-Industrie hin zu Leichtbau und damit weniger Primärenergieverbrauch führten bei Kokinetics zu einem Umdenkprozess. Daraus resultierte eine Kontaktaufnahme mit den Experten von Arburg, die die Krifteler als Generalunternehmer von Anfang an bei der Implementierung von Spritzgießprozessen und die Produktion mit umfassendem Know-how unterstützte. Sitzstrukturen, Sitzmechaniken, Sitztiefenversteller – heute stellt Kokinetics viele dieser Komponenten aus faserverstärkten Kunststoffen oder zumindest als Verbundteile aus Kunststoff und Metall her.

Die Autonomie der Anlagen zur Herstellung der Sitztiefenversteller ist durch die Bereitstellung der Transportbehälter über Boxenwechsler mit Ab- und Aufstaplern entsprechend hoch. Foto: Arburg

Das entspricht dem Anforderungsprofil aus der Automobilindustrie. Zum weitaus überwiegenden Teil wird heute langglasfasergefülltes PP verarbeitet. Dies kommt auch zur Serienfertigung der Trägerplatten für Sitztiefenversteller in verschiedenen Ausführungen zum Einsatz. In diesem Bereich ist Kokinetics laut eigener Aussage Weltmarktführer. Um hier Mehrfachwerkzeuge nutzen zu können, mussten die Maschinen eine bestimmte Größe haben – und genau diese hat Arburg mit den Allroundern 1120 H im Programm.

Drei statt sechs Maschinen

Kokinetics war einer der ersten Kunden für die bislang größten Maschinen von Arburg. „Während der Planung des Projekts wurde klar, dass die Stückzahlen über die Laufzeit so hoch werden würden, dass wir diese mit den damals für andere Artikel eingesetzten Zwei-Kavitäten-Werkzeugen nicht erreichen würden“, erinnert sich Amberg. „Aufgrund des Platzmangels an unserem Standort wurden zunächst verschiedene Szenarien mit Etagen- und Stufenwerkzeugen durchgespielt. Für die letztlich drei Allrounder 1120 H hätten wir sechs Maschinen der Baugröße 720 S und die dazugehörigen Palettierstationen benötigt, was den Raumbedarf fast verdoppelt hätte.“

Heute sind die drei 1120 H wie alle anderen Allrounder – die „kleinste“ Maschine bei Kokinetics ist eine hydraulische 570 S mit 2.000 kN Schließkraft – als Dauerläufer zur Herstellung von Millionenstückzahlen eingesetzt.

Das Schussgewicht für die vier Trägerplatten liegt bei 1.124 g. „Im Grunde sind die Werkzeuge recht einfach aufgebaut“, stellt Reiner Amberg fest. „Sie verfügen über einen Heißkanal zum angusslosen Spritzen sowie freiliegende und verdeckte Schieber. Mit diesen Formen fertigen wir die Teile nach Kundenabruf in fortlaufender Produktion.“

Turnkey-Lösungen mit Multilift Robotsystemen

Die in die drei großen Spritzgießanlagen integrierten Multilift-Robot-Systeme sind jeweils mit einem pneumatischen 4-fach-Sauger-Greifer-Modul ausgestattet, über die die Teile aus dem Werkzeug entnommen werden. Foto: Arburg

Die in die drei großen Spritzgießanlagen integrierten Robotsysteme Multilift V 40 im Queraufbau verfügen als Besonderheit über eine Teleskopachse, um im Bereich der Hallenhöhe arbeiten zu können. Mit einem kombinierten pneumatischen 4-fach Sauger-Greifer-Modul werden die Teile aus dem Werkzeug entnommen. Die beiden oberen Trägerplatten im Greifer werden um 180 ° gedreht. Daran schließt sich die Ablage aller vier Bauteile in einer Zwischenstation an. Ein Einfach-Umsetzmodul am Greifer sorgt mithilfe der servoelektrischen B-Achse des Multilifts dafür, dass alle vier Platten lagerichtig vertikal in Blister beziehungsweise Kleinladungsträger (KLTs) zur weiteren Montage eingesetzt werden. Eine entsprechend hohe Autonomie erreichen die Anlagen durch die Bereitstellung der Transportbehälter über Boxenwechsler mit Ab- und Aufstaplern.

Als Turnkey-Partner hat Arburg auch die Robot-Systeme und Ablageperipherie projektiert und geliefert. Ein großes Plus war dabei laut Amberg, dass die Anlagen bereits in Loßburg aufgebaut und mit Originalwerkzeugen bemustert werden konnten. So wurde die Produktion nach Anlieferung und Abnahme in Kriftel unmittelbar hochgefahren.

Kontinuierlich weitere Arburg-Maschinen

„Mit der Betreuung durch die Abteilungen in Loßburg sowie die Servicestelle in Worms sind wir auch deshalb sehr zufrieden, weil unser Feedback gerade zu den Allroundern 1120 H dort auch gehört wird“, so Amberg. Mit dem dritten großen Allrounder 1120 H ist das Unternehmen jetzt in der Lage, rund 20 Millionen Teile pro Jahr zu fertigen. „Nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrung mit den beiden Großmaschinen haben wir drei weitere Allrounder – einen 1120 H, einen 630 S und einen 920 S – bestellt, und zwar alle mit Robotsystemen. Diese Maschinen wurden bis Sommer 2019 in unsere Fertigung integriert“, erzählt Amberg.

Und die dynamische Entwicklung bei Kokinetics geht weiter. Ein weiterer Zubau in Kriftel sorgt für die Erhöhung der Produktionskapazitäten bis 2020. Dann wird unter anderem auch ein weiterer Allrounder 1120 H in die neue Fertigung integriert werden, dessen Auslieferung für kommenden März geplant ist.

sk

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