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Die aufwändigste Fahrzeuggestaltung der BMW-Geschichte

  • Technik
Der US-Künstler Jeff Koons hat in mehrjähriger Zusammenarbeit mit BMW einen M850i xDrive Gran Coupé in das rollende Kunstwerk „The 8 X Jeff Koons“ verwandelt, das ab März in der aufwändigsten Fahrzeuggestaltung der BMW-Geschichte in Dingolfing und Landshut entsteht. Foto: BMW

Zahlreiche in Handarbeit lackierte Kunststoffteile machen den „The 8 X Jeff Koons“ zu dem am aufwändigsten gestalteten Fahrzeug der BMW-Geschichte.

„The 8 X Jeff Koons“ wird auf der Kunstmesse Frieze Los Angeles weltweit erstmals einem Publikum präsentiert und ist das am aufwändigsten gestaltete Fahrzeug in der Firmengeschichte von BMW. Die auf nur 99 Exemplare streng limitierte Edition des M850i xDrive Gran Coupé ist in mehrjähriger enger Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen Künstler Jeff Koons und BMW entstanden.

Aufwändigste Fahrzeuggestaltung mit elf Farbtönen

Das ausdrucksstarke, sportlich-kraftvolle Exterieur-Design des Editionsmodells vereint elf Farbtöne von Blau über Silber und Gelb bis hin zu Schwarz. Es beinhaltet Elemente aus der Pop-Art sowie geometrische Muster, die exakt auf die anspruchsvollen Linien und Formen des BMW 8er Gran Coupé abgestimmt sind. Die explodierenden Farblinien am Heck sind wiederum eine eigene, unmittelbare Hommage an das BMW Art Car von Jeff Koons aus dem Jahr 2010. Das jeweils seitlich angebrachte „POP!“ und die Windwirbel symbolisieren laut Koons Kraft und Geschwindigkeit.

Damit das Fahrzeug die hohen Anforderungen von Jeff Koons erfüllt, sind allein für die Außenlackierung über 200 Stunden Handarbeit nötig. Hochspezialisierte Fachkräfte in den BMW Group Werken Dingolfing und Landshut nutzen sogar Lupenbrillen, um die Farbmuster perfekt umzusetzen.

„Wir sind sehr stolz, hier in Dingolfing diese rollenden Skulpturen fertigen zu dürfen und dabei unser hohes Automobilbau-Know-how sowie die Liebe zum Detail, die Präzision und das handwerkliche Geschick unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbringen zu können“, sagt der Dingolfinger Werkleiter Christoph Schröder. „Es ist auch für uns eine ganz besondere Kleinstserie und eine Ehre, dabei mit einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart zusammenzuarbeiten.“

Editionsmodell durchläuft in der Lackiererei einen absoluten Sonderprozess

Die im März 2022 startende Produktion des Fahrzeugs im Werk Dingolfing unterscheidet sich in Karosseriebau und Montage im Fertigungsprozess nicht wesentlich von dem eines regulär bestellbaren BMW 8er Gran Coupé. Allerdings durchläuft das Editionsmodell in der Lackiererei einen absoluten Sonderprozess. Dabei wird das spezielle Jeff Koons Design auf ein glaciersilber grundlackiertes Fahrzeug Farbschicht für Farbschicht appliziert.

Dies geschieht freilich nicht wie im normalen Serienprozess in den hochautomatisierten Decklackstraßen des Werks, sondern in separaten Lackierkabinen mit Manufaktur-Arbeitsplätzen. Ein Team von insgesamt rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trägt dort in Handarbeit und mit Hilfe von Schablonen und Folien die Schriftzüge, Grafik-Elemente und farbigen Linien bzw. Flächen in mehreren Schichten Ebene für Ebene auf.

Regelmäßiger, hoch präziser Feinschliff von Hand

„Insgesamt kommen dabei acht Design-Farben zum Einsatz“, erklärt der Projektleiter in der Dingolfinger Lackiererei, Marco Klante. Dazwischen werden die Fahrzeuge immer wieder dem Großserienprozess zugeführt und das per Hand applizierte Design mit Klarlack „versiegelt“. Regelmäßig werden die Fahrzeuge per Hand auch feingeschliffen, um fließende, nicht ertastbare Übergänge zwischen den einzelnen, lackierten Designelementen zu erhalten. Auch dies ist ein hoch aufwändiger und höchste Präzision erfordernder Prozess. „Denn sämtliche aufgetragene Lackschichten sind zusammen nicht einmal einen halben Millimeter dick“, wie Marco Klante erklärt.

Für das Projekt wurde ein handverlesenes Team von Lackierspezialisten zusammengestellt, das teilweise schon Erfahrungen mit Individuallackierungen für Rolls-Royce und den BMW 7er gesammelt hat. Auch ehemalige bundesbeste Lackier-Azubis zählen zum Team, das im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr arbeitet. Pro Woche können so vier Exemplare des Sondermodells lackiert werden.

Allein für die Außenlackierung sind über 200 Stunden Handarbeit nötig. Hochspezialisierte Fachkräfte von BMW nutzen sogar Lupenbrillen, um die Farbmuster perfekt umzusetzen. Foto: BMW
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Lackierte Anbauteile aus Kunststoff aus dem Landshuter BMW-Werk

Alle lackierten Anbauteile aus Kunststoff, wie etwa die aufwändig lackierte Heckklappe, kommen dabei aus dem nahe gelegenen BMW Group Werk in Landshut. Arbeitstäglich verlassen das Landshuter Werk rund 2.000 lackierte Kunststoff-Außenhautteile in 45 Serien- und 200 Individualfarben. Das sind rund eine halbe Million Bauteile im Jahr, darunter Stoßfänger, Schweller, Spoiler und Blenden.

Hinzu kommen Kleinserien- und Individuallackierungen wie jetzt für den „The 8 X Jeff Koons“. Für das rollende Kunstwerk entstehen in Landshut die Stoßfänger, die Schweller, die Spiegelklappen, die Türgriffe und die Heckklappe in Manufakturarbeit und mit höchster Präzision.

„Die größte Herausforderung war es, von Anfang an, den Spirit des Künstlers aufzunehmen, zu verstehen und seine sehr präzisen Anforderungen handwerklich und detailgetreu in einem technischen Kleinserienprozess umzusetzen“, sagt Hermann Knott, Leiter Produktion Lack und Finish. „Außerdem ist das Projekt etwas ganz Besonderes für uns. Schließlich handelt es sich bei den Fahrzeugen um rollende Skulpturen.“

Kunststoff-Heckklappe mit sieben Farben und zwölf Lackschichten

Ein technisch besonders aufwändiges Bauteil für das Fahrzeug ist die designstarke Heckklappe mit sieben Farbtönen und zwölf Lackschichten mit einer Gesamtdicke von nur bis zu 250 μm. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 100 μm. „Die mehrfarbige Lackierung ist besonders anspruchsvoll, was Haptik und Optik anbelangt“, so Knott. Das so genannte „Multitone“-Verfahren dafür wurde eigens in der Landshuter Individuallackiererei entwickelt. „Wir hatten diverse Meetings mit dem Fachteam von Jeff Koons und haben alle prozessualen Notwendigkeiten im Detail durchgesprochen“, berichtet Knott.

Ein Laser projiziert das Design in Linienform auf das Bauteil

Ein zentraler Punkt dabei: Wie lässt sich das eindimensionale Design des Künstlers in die dreidimensionalen, geometrischen Fahrzeugbauteile übertragen. Damit das detailgenau passiert, kommt ein Computerprogramm zum Einsatz, das einen Laserprojektor speist. Der Laser wiederum projiziert das Design in Linienform auf das jeweilige Bauteil. Die Maskierung, also das akribische Abkleben der Trennlinien zwischen den einzelnen Farbschichten, erfolgt manuell und bedarf langjähriger Erfahrung und Handwerkskunst.

Die rund 100 am Projekt beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhielten großteils eine spezifische Zusatzqualifikation, um den künstlerischen Anforderungen gerecht zu werden. „Die Fertigung der Jeff Koons Bauteile unterscheidet sich sowohl von der Serienlackierung per Roboter wie auch von den bei uns etablierten Prozessen der Individuallackierung. Es braucht viel individuelle Erfahrung und Gespür, da es zahlreiche Einflussfaktoren gibt“, erläutert Knott.

Benchmark im Bereich der Individuallackierung

„Freude an Innovation und handwerkliche Expertise sind zwei herausragende Merkmale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Landshut. Umso stolzer macht es uns, dass der Bereich Kunststoff Exterieur einmal mehr einen Benchmark im Bereich der Individuallackierung setzt“, sagt Dr. Stefan Kasperowski, Leiter des BMW Group Werks Landshut.

Infos zum Basisfahrzeug des 350.000 EUR teuren „The 8 X Jeff Koons“, dem BMW M850i xDrive Grand Coupé zum Einstiegspreis von 126.000 EUR, finden Sie hier.

In Sachen Individualisierung hat BMW zuletzt auch mit dem intensiven Einsatz der Additiven Fertigung zum Beispiel beim Mini Electric Pacesetter und der Eröffnung des Technologie Campus für 3D-Druck für Aufsehen gesorgt.

gk