Dichtungen: Saargummi schwört auf optische Messtechnik

In den vier Fertigungslinien im Saargummi-Werk in Büschfeld sind die Zwei-in-Eins-Geräte der Systemreihe Profilcontrol von Pixargus integriert, die Oberfläche und Geometrie zeitgleich abprüfen können. Foto: Pixargus

Automobilzulieferer Saargummi setzt schon seit 2005 auf die Messtechnik von Pixargus bei der Qualitätskontrolle von Endlosdichtungen.

In Halle 33 im Werk von Saargummi in Büschfeld werden extrudierte Endlosdichtungen für die großen Automobilhersteller auf 1400-Meter-Spulen gewickelt – und damit diese den hohen Qualitätsansprüchen der OEMs genügen, ist Messtechnik von Pixargus im Einsatz. Bei den Autobauern werden die Spulen später vollautomatisch abgewickelt und je nach Fahrzeugmodell auf Länge gebracht. Ein Roboter reicht hier mit starken Armen die Autortüren an und die Dichtungen werden mannlos und passgenau aufgeklebt.

„Die Endlosdichtung war die Idee, bei uns und beim Automobilhersteller einen höher automatisierten Prozess zu realisieren“, erzählt Christian Kast, Director Global Product Automotive und der Erfinder der Endlostechnologie bei Saargummi. Keine einfache Aufgabe bei elastischen Gummiprofilen, die sich anders als starre Produkte maschinell nicht so einfach greifen, fördern und bearbeiten lassen. Heute fertigen sie hier am Standort im nördlichen Saarland fast 50 Mio. m Endlosdichtungen pro Jahr. Daimler, BMW, Ford, VW und Seat sowie der Nutzfahrzeughersteller Scania gehören zu den Kunden.

Messtechnik für die Inline-Kontrolle

Die Inspektionssysteme von Pixargus prüfen auch die Spurlage des aufgetragenen roten Klebebands. Dies muss an der richtigen Position sitzen, welche auf wenige zehntel Millimeter toleriert ist. Foto: Saargummi

Für die Qualitätskontrolle der neuen Endlosprodukte war von Anfang an Pixargus mit seinen kamerabasierten digitalen Inline-Inspektionssystemen an Bord. „Wenn ich über diese Länge von 1400 Metern die Qualität sicherstellen muss, brauchen wir zerstörungsfreie Prüfmethoden, die idealerweise im Online-Prozess funktionieren“, sagt Kast.

Inzwischen sind in Büschfeld in vier Fertigungslinien die Zwei-in-Eins-Geräte der Profilcontrol-Systemreihe des Unternehmens aus Würselen integriert, die Oberfläche und Geometrie in Form des Profilquerschnitts in einer Funktionseinheit zeitgleich abprüfen können. „Die Daten haben wir gleich online“, so Kast. Auf der Unterseite der Dichtung muss außerdem die Spurlage des aufgetragenen Klebebandes stimmen. „Das muss an der richtigen Position sitzen, welche auf wenige zehntel Millimeter toleriert ist, dies ist extrem wichtig.“

Dichtungen werden auch auf ihre Oberfläche hin überprüft

Nicht weniger anspruchsvoll ist die Oberflächenprüfung. „Die Kunden sind sehr kritisch“, weiß der Entwicklungsleiter. Dichtungen sind schließlich nicht nur wichtige funktionale Bauteile, sie sind im Fahrzeug später auch sichtbar. „Deshalb gelten entsprechend hohe Oberflächenanforderungen. Wir legen mit den Kunden gemeinsam fest, ab welcher Ausprägung ein Pickel ein Pickel und ein Produkt fehlerhaft ist.“ Das vereinbarte Toleranzspektrum muss dann einerseits in die Prozesswelt von Saargummi, aber auch in die Fehlerdetektion von Pixargus übersetzt werden.

Bei den Inspektionssystemen lassen sich dazu die Parameter für die Rauigkeit, die den Kameras Kontrast und Detailgenauigkeit vorgeben, sehr einfach und genau einstellen, so Kast. Dies war damals auch einer der Gründe der Saarländer, sich für Pixargus zu entscheiden. „Wir wollten keine Technik, die wir selbst programmieren müssen“, bringt es der Saargummi-Manager auf den Punkt. „Wir wollten einfache, bedienerfreundliche Systeme.“

An drei Linien produziert der Dichtungshersteller heute im Doppelstrangverfahren die Endlosdichtung unter dem Markennamen Sealmatic. Die Profilstränge werden hierbei spiegelbildlich Rücken an Rücken extrudiert. Damit der Doppelstrang im Sensorkopf individuell vermessen werden kann, hat Pixargus das Profilcontrol-7-System mit einem speziellen Frequenzgenerator ausgerüstet. Er misst die Geschwindigkeit der Profilstränge und gibt den optischen Sensoren den Takt für die Bildverarbeitung vor.

Profilcontrol auch im Einsatz bei Saargummi bei geschnittenen Dichtungen

Saargummi fertigt in Büschfeld fast 50 Mio. Meter Endlosdichtungen pro Jahr. Produziert wird in hochautomatisierten Prozessen. Foto: Saargummi

Szenenwechsel. Jan Müller sitzt in Büschfeld im Büro vorm Rechner. Die Halle 22 ist sein Revier. Hier werden bei Saargummi auf Länge geschnittene Dichtungen produziert. „Das ganze Repertoire rund um die Karosserie“, erzählt der Prozesstechniker. Auch hier sind an vier Fertigungslinien vier Profilcontrol-Systeme im Einsatz.

Acht Kameras haben die Gummiprofile im Blick und detektieren zuverlässig Pickel, Blasen, Knoten oder Flockreste. Ist beispielsweise die C-Lippe zu kurz, meldet die Dimensionsmessung sofort den Fehler. „Ich sehe dann auf einen Blick, wo meine Fehlerursachen liegen und kann dementsprechend eingreifen“, erklärt Müller. Gerade hat Kamera 3 bei Laufmeter 2870 einen Fehler erkannt. „Eine Verunreinigung“, erklärt Müller.

Das System hat die betroffene Stelle markiert. Das Personal, das die Teile verpackt, sieht die gelbe Markierung auf der Profiloberfläche und entsorgt das entsprechende Teil. Rechts im Bild springen vor der hinterlegten Sollkontur des Profils indessen leuchtende Graphen hin und her. Sie markieren, wo gerade welcher Profilbereich, welcher Wert geprüft wird. „So können wir immer abgleichen, dass wir uns innerhalb der Toleranz befinden“, betont Müller.

Misst Oberflächen- und Konturdaten mit einem Sensor

Er hat bereits zwei Schulungen bei Pixargus genossen und kümmert sich bei Saargummi als Systemexperte um alles, was die Einstellungen und Störungsbeseitigung bis hin zum Neuanlegen von Programmen der Inspektionssysteme betrifft. Auch die Datenpflege und Analyse von Fehlerbildern gehört zu seinem Aufgabengebiet. „Wir sind sehr selbständig, was die Problembeseitigung angeht.“ An einer Linie ist hier noch das erste Profilcontrol-4-System von 2005 im Einsatz. Das jüngste ist das aktuelle Profilcontrol-7-System. Wie bei den Endlosdichtungen ist letzteres ein kompaktes Zwei-in-Eins-Gerät, das Oberflächen- und Konturdaten in einem Sensor misst. Müller: „Das aktuelle PC 7 hat auch den Vorteil, dass es kompakter gebaut ist.“ In der Prozesswelt zählt jeder Fertigungsmeter.

Heike Freimann, Redaktion AIX