Anwendungen 04.12.2017 0 Bewertung(en) Rating

Dichtung aus FMK hält Aktivsauerstoff stand

Freudenberg Sealing Technologies hat einen Simmerrring für moderne Waschmaschinen entwickelt. Es ist der erste bei dem Fluorkautschuk (FKM) zum Einsatz kommt.

 - In modernen Waschmaschinen kommt Aktivsauerstoff zum Einsatz. Dieser erfordert spezielle Dichtungssysteme
In modernen Waschmaschinen kommt Aktivsauerstoff zum Einsatz. Dieser erfordert spezielle Dichtungssysteme
Freudenberg

Lange Jahre hatten die Entwickler von Waschmaschinen vor allem zwei Dinge im Fokus. Zum einen sollte der Wasser- und Stromverbrauch weiter sinken, um die Ressourcen zu schonen und eine möglichst gute Energieeffizienzklasse der Geräte zu erreichen. Zum anderen nahm insbesondere bei den Frontladern die Nennkapazität an Wäsche zu – heute fassen Standardgeräte zwischen fünf und acht Kilogramm Wäsche. Jetzt hält eine neue Waschtechnik Einzug in die Haushalte: das Waschen mit aktivem Sauerstoff. Dieser ist nicht etwa im Waschmittel enthalten, sondern wird von einem Generator in der Maschine erzeugt, um die Wäsche vor und nach dem Waschgang zusätzlich zu reinigen. Dabei beseitigt der Aktivsauerstoff Bakterien, Keime und Gerüche – die Wäsche wird auch bei Waschprogrammen mit niedrigen Temperaturen auf schonende Weise hygienisch sauber. Mit einem separaten Programm können empfindliche Textilien sogar ganz ohne Wasser aufgefrischt werden.

NBR überfordert

Was der Wäsche gut tut, nutzt nicht unbedingt den Dichtungen in der Maschine. Im Gegenteil: Der bei dem neuen Verfahren eingesetzte Aktivsauerstoff würde konventionelle Dichtungen aus Nitrilkautschuk (NBR) innerhalb weniger Stunden so stark angreifen, dass sich Risse bilden und die Dichtungen ihre Funktion verlieren. Besonders betroffen ist dabei die Hauptdichtung, die die Antriebswelle zum Gehäuse hin abdichtet. Der dabei eingesetzte Simmerring muss zum einen verhindern, dass Waschlauge austritt und beispielsweise das Lager beschädigt, zum anderen muss er den Schmierstoff für Welle und Lager ein Waschmaschinenleben lang auf der Antriebsseite halten. Dazu sollte er mit der richtigen Pressung an der Welle anliegen – vor allem aber muss er beständig gegen alle eingesetzten Medien sein.

Die Aufgabe der Materialforscher von Freudenberg Sealing Technologies war damit klar: Es galt, einen Dichtungswerkstoff zu entwickeln, der sowohl mit den bislang eingesetzten Schmierstoffen und der Waschlauge als auch mit dem neu eingesetzten Aktivsauerstoff harmoniert. Die Lösung fanden die Entwickler im Fluorkautschuk (FKM) – einem Material, mit dem Freudenberg Sealing Technologies in anderen Bereichen wie zum Beispiel in der Automobilindustrie oder in der Antriebstechnik bereits jahrzehntelange Erfahrung hat, der aber noch nie in Waschmaschinen zum Einsatz kam.

Um den FKM-Werkstoff für diesen neuen Anwendungsbereich anzupassen, legten die Ingenieure von Freudenberg ihr Augenmerk vor allem auf zwei Bereiche. Zum einen entwickelten sie eine neue FKM-Mischung mit einem auf den neuen Einsatzbereich hin optimierten Verschleißverhalten – und das über die gesamte Lebensdauer. Die zweite Herausforderung lag in der Neigung von FKM, im Wasserdampf aufzuquellen. Deswegen erhöhten sie die Beständigkeit des Materials gegenüber dem heißen Wasser-Lauge-Gemisch in der Waschtrommel. Schließlich passten sie die Geometrie der Dichtlippe so an, dass die Dichtungen auch mit dem neuen Werkstoff das gleiche mechanische Verhalten – etwa gegenüber Verpressung und Radialkräften – zeigen wie die bislang eingesetzten Simmerringe aus NBR.

Das Unternehmen bereitet nun die Serienfertigung der Hauptdichtungen für Waschmaschinen mit Aktivsauerstoff vor.

pl

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