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Deutsche Produktion für Schutzkittel ist gestartet

Landrat Stephan Santelmann (l) und Joke-Geschäftsführer Udo Fielenbach (r) präsentieren den ersten Schutzkittel aus der Produktionsstraße in Bergisch Gladbach. Foto: Joke

Der Folienschweißspezialist Joke hat in seinen Fabrikhallen die erste deutsche Produktionsstraße für 60.000 Schutzkittel pro Tag aufgebaut.

Vom Anlagenbauer zum Produktionsbetrieb für Schutzkittel in nur zehn Tagen – diese eindrucksvolle Leistung hat Joke Folienschweißtechnik vollbracht. Normalerweise verlassen Anlagen und Geräte zum Folienschweißen die Fabrikhallen in Bergisch Gladbach. Initiiert durch einen Aufruf der regionalen Wirtschaftsförderung zeigte das Joke-Team ein beeindruckendes Maß an Kreativität und Engagement.

60.000 Einweg-Schutzkittel "Made in Germany" pro Tag

Die Schutzkittel werden zum Beispiel von der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, Krankenhäusern, Pflegeheimen und in der Lebensmittelherstellung eingesetzt. Foto: Joke

Das Ergebnis: Künftig können jeden Tag 60.000 Einweg-Schutzkittel produziert werden, die im Kampf gegen der Coronavirus Covid-19 benötigt werden – und zwar an sieben Tage die Woche und zu 100 % „Made in Germany“. Die Schutzkittel werden vor allem von der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, Krankenhäusern, Pflegeheimen und in der Lebensmittelherstellung benötigt.

Die Schutzkittel werden aus 40 µm starker, lebensmittelechter MDPE-Folie hergestellt – auf Wunsch auch aus stärkerem Material. Die Folie wird bei Joke aus Rollenware geschnitten, geschweißt und zum Kittel gestanzt. Das bestehende Wissen aus 80 Jahren Erfahrung war Grundvoraussetzung für den Aufbau dieser Fertigungsstraße.

In zehn Tagen vom Anlagenbauer zum Hersteller von Schutzausrüstung

Um das Vorhaben innerhalb von zehn Tagen zu realisieren, mussten Module von drei bereits gefertigten Anlagen zusammengesetzt werden – selbst über die Osterfeiertage waren deshalb die Maschinenbauer, Ingenieure und Techniker bei Joke FS fleißig.

Aber nicht nur die Produktionsanlage selbst, auch die gesamte Logistik musste von null an aufgesetzt werden. Dazu wurde eine komplette Halle vorbereitet, um wöchentlich 400 Paletten lagern und liefern zu können. Drei-Schicht-Betrieb, Kartonagen für die Verpackung, Zwischenlagern, kleinteilige Lieferprozesse, ungewohnte Vertriebswege – all das waren neue Aufgaben für die Anlagenbauer.

Mit dieser Produktionsstraße lassen sich 400.000 Schutzkittel pro Woche herstellen - und zwar zu 100 % "Made in Germany". Foto: Joke

Die schnelle Entscheidung für dieses Investment in einer siebenstelligen Höhe wird sich jedoch nur dann auszahlen, wenn nicht nur kurzfristig der enorme Bedarf abgedeckt wird, sondern auch mittel- oder langfristig eine Komplett- oder Teilauslastung für diese Anlage gewährleistet ist. Das Interesse des Staates und der Behörden scheint auch nach Corona für eine zukünftige, deutsche Produktion vorhanden.

Da Joke zeitnah in drei Schichten an sieben Tagen produzieren will, ist das Unternehmen auch in großen Teilmengen lieferfähig. Damit können möglichst viele Anfragen zufriedengestellt werden. Nach Produktionsanlauf werden über 400.000 Kittel pro Woche produziert.

Nach dem Aufruf des Krisenstabs des Rheinisch-Bergischen Kreises spielte Joke FS verschiedene Möglichkeiten durch. Der erste Ansatz, die Kittel mit kleinen Folienschweißgeräten per Hand zu produzieren, wurde angesichts des hohen Bedarfs schnell verworfen. Eine intelligente, automatisierte und leistungsfähige Anlage war nötig. „Alle Mitarbeiter haben sich richtig reingehängt“, erzählt Geschäftsführer Udo Fielenbach, „selbst die Ehefrau eines Ingenieurs, die im Krankenhaus tätig ist, hat bei der Optimierung geholfen.“

Möglich gemacht hat das Projekt übrigens eine erste Großbestellung von 200.000 Schutzkitteln durch den Rheinisch Bergischen Kreis.

Die Joke Folienschweißtechnik will die Lernkurve weiter steil halten. Schon jetzt gibt es die ersten Ideen für weitere Produkte. Vom geänderten Schnitt bis zu stärkerem Material ist alles möglich.

Musteranfragen können per Email an Joke gesendet werden.

gk

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