Deutsche Industrie im Juli weiter im Aufwärtstrend

Die deutsche Industrie hat ihren starken Aufwärtstrend fortgesetzt. Foto: Pixabay

Die deutsche Industrie ist weiter im Aufwärtstrend, wie der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) für Juli bestätigt.

Der aktuelle EMI signalisiert nicht nur ein erneut kräftiges Wachstum und damit einen Aufwärtstrend in der deutschen verarbeitenden Industrie; er ist auch der dritthöchste Wert seit dem Start der Datenerhebung 1996. Er wurde in diesem Jahr lediglich im März und April übertroffen.

„Der Juli dürfte für die Konjunktur weitere Impulse gebracht haben. Doch am Horizont brauen sich wieder dunklere Konjunkturwolken zusammen. Lieferengpässe und Corona-Sorgen könnten stärker als gedacht auf der Konjunktur lasten“, kommentiert Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, die Ergebnisse des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Rohölpreise waren erneut eine Belastung

„Die Rohstoffpreise bewegen sich weiter auf hohem Niveau. Insbesondere die Rohölpreise erwiesen sich erneut als Belastung“, sagt Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank. „Nachdem die OPEC-Ministerkonferenz zunächst Anfang Juli ohne Ergebnis abgebrochen worden war, kam es im Nachgang doch noch zu einer Einigung. Diese war verbunden mit einer Anhebung der Förderung um 0,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag ab August, dem weitere kleine Schritte folgen sollen. Es ist jedoch fraglich, ob diese ausreichen, um den Bedarf im vierten Quartal 2021 decken zu können. Von den Rohölpreisen gehen damit Risiken für die Erholung der Wirtschaft aus.

Der EMI-Teilindex zur Produktion zeigt, dass die Zuwachsrate auf den zweitschwächsten Wert der vergangenen fünf Monate zurück – obwohl die Produktion im Juli wieder deutlich ausgeweitet wurde. Dies spiegelt laut BME in erster Linie die anhaltenden Unterbrechungen der Lieferketten wider, hervorgerufen durch den Mangel an Rohstoffen und Verzögerungen im Frachtverkehr. Allerdings gaben einige EMI-Umfrageteilnehmer an, dass sich ihre Versorgungslage etwas entspannt habe.

Weiterhin starker Aufwärtstrend bei Neuaufträgen

Die Anzahl der Neuaufträge stieg im Berichtsmonat zum 13. Mal in Folge. Mehr noch: Die Wachstumsrate erreichte ein 3-Monatshoch und war die dritthöchste seit Beginn der Datenaufzeichnung. Die jüngsten Zugewinne gehen laut Befragten auf die stark anziehende Nachfrage infolge der guten Konjunktur zurück sowie auf die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen ihre Produktion wieder voll hochfahren.
 
Die Exportaufträge wuchsen im Juli den 13. Monat hintereinander. Zwar blieb die Zuwachsrate historisch hoch, dennoch schwächte sie sich zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten ab und gab gegenüber dem Rekordwert vom März weiter nach. Besonders in Asien ist die Nachfrage nach wie vor hoch.
 
Die Geschäftserwartungen der Hersteller hinsichtlich der zukünftigen Produktionsniveaus fielen auch im Juli sehr optimistisch aus. Weiterhin setzen viele Unternehmen dabei vor allem auf den immer noch hohen pandemiebedingten Nachholbedarf sowie auf neue Investitionen.

Steigende Beschäftigungszahlen 

Die Beschäftigung ist laut EMI im Juli den fünften Monat in Folge gestiegen. Gleichzeitig beschleunigte sich die Wachstumsrate abermals und erreichte ein neues Allzeithoch. 28 % der Umfrageteilnehmer meldeten ein Plus beim Personal gegenüber Juni. Der aktuelle Boom spiegelte die Bemühungen vieler Firmen wider, die Kapazitäten zu erhöhen, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Bereits zum dritten Mal hintereinander wurde der größte Zuwachs im Investitionsgüterbereich verzeichnet.

Inflationsdruck in der deutschen Industrie wächst

Bei den Einkaufspreisen wächst der Inflationsdruck in der deutschen Industrie. So zog die Inflationsrate der Einkaufspreise zum achten Mal innerhalb der vergangenen neun Monate an und erreichte ein neues Allzeithoch, womit der vorherige Rekord vom Mai übertroffen wurde. Über 80 % der Umfrageteilnehmer meldeten höhere Einkaufspreise. Sie verwiesen in diesem Zusammenhang auf anziehende Rohstoffpreise sowie steigende Transportkosten. Die Inflation kletterte im Konsumgüter- und im Vorleistungsgüterbereich auf neue Höchststände. Im Investitionsgüterbereich war es der zweithöchste jemals gemessene Wert.

Die Verkaufspreise wurden im Juli den zehnten Monat in Folge angehoben. Darüber hinaus beschleunigte sich die Inflationsrate zum sechsten Mal hintereinander auf den nun höchsten Wert seit Erhebung dieser Daten im September 2002. Genau die Hälfte aller Befragten meldeten eine Erhöhung – meist aufgrund des enormen Kostendrucks – während weniger als 3 % ihre Preise reduzierten.

sk