Datennutzung großes Thema auf Engel-Konferenz

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Eine Rekordteilnehmerzahl verzeichnete Engel bei der Medizintechnik-Konferenz Med-Con in Wurmberg. Ein großes Thema war die Nutzung von Daten.

Rund 100 Besucher – und damit so viele wie noch nie – waren Mitte Februar zur traditionellen Engel Med-Con Konferenz nach Wurmberg in der Nähe von Pforzheim gekommen, um sich über die neueste Entwicklungen für das Spritzgießen in der Medizintechnik zu informieren. „Wir sind selbst überrascht und natürlich hocherfreut über die hohe Zahl von Teilnehmern“, sagte Claus Wilde, Geschäftsführer von Engel Deutschland am Standort Stuttgart, bei seiner Begrüßung. Den Grund für die Rekordteilnehmerzahl schob er gleich hinterher: „Sie sind eben nicht in der schwächelnden Automobilbranche tätig.“

Das heißt: In der Medizintechnik ist derzeit von Krise keine Spur. Im Gegenteil: „Viele Fachleute aus dem Umfeld der Medizintechnik wollen wissen, worauf es beim Spritzgießen ankommt.“ Genau darauf lag denn auch der Fokus der Konferenz, die in diesem Jahr unter dem Motto „Patientensicherheit durch Technologievorsprung“ stand.

Konferenz adressiert das Thema Künstliche Intelligenz

Dass dies auch durchaus kostenseitig abbildbar ist, machte Christian Pommerereau, in der Device-Entwicklung bei Sanofi-Aventis Deutschland tätig, in seinem Vortrag deutlich. Dafür bezieht das Unternehmen schon früh im Entwicklungsprozess von Primärverpackungen wie Autoinjektoren Spritzgießer und Werkzeugbauer mit ein. Zudem hat Sanofi-Aventis vor einigen Jahren analog zur Automobilindustrie eine Plattformstrategie eingeführt, um die Entwicklungszeiten zu verkürzen. Effizienzsteigerungen verspricht sich Pommerereau in Zukunft durch die intelligente Nutzung von Produktionsdaten beim Spritzgießen. „Wir müssen die Prozessparameter besser verstehen und dafür die Silos von Spritzgießmaschine, Werkzeug und Automation aufbrechen. Ich wünsche mir hier eine durchgängige Lösung aus einer Hand, bei der alle Daten in einer Datenbank landen“, so Pommerereau. Auch denkt er über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) für den Produktionsprozess nach. „Wir sind hier spät dran, in der Pharmaentwicklung und –produktion ist KI längst angekommen. Doch für mich stellt sich auch die Frage, wie ich KI überhaupt validieren kann.“

Ypsomed forciert die Digitalisierung

„Die Validierung von KI ist notwendig, aber durchaus möglich mit Hilfe von Prozessvalidierungen und Reports“, zeigte sich Uwe Herbert, Manager CSV & ITP Services beim Schweizer Medizintechnikhersteller Ypsomed, überzeugt. Das Unternehmen forcierte derzeit die Digitalisierung in seinen Fertigungsstätten einschließlich der Spritzgießereien. „Wir kommen derzeit kaum hinterher“, so Herbert. „Unser Ziel ist es, über die Sensorik in den Spritzgießmaschinen viele Prozessdaten abzugreifen und diese Daten in ein zentrales IT-System, eine Big-Data-Datenbank zu überführen, das alle Bereiche im Unternehmen – also etwa auch Finance oder Sales – nutzen können. Heute werden die Daten in Silos gespeichert, sodass viele Fragen nur beschränkt prozessübergreifend beantwortet werden können. Das wollen wir ändern. Dabei fehlt es uns nicht an Ideen, sondern an der IT-Architektur.“ KI könne dabei künftig eine zentrale Rolle spielen – nicht zuletzt auch, um die Maschinenbediener zu entlasten.  „Unsere Vision ist es, dass wir durch die Digitalisierung mit mehr Daten letztlich in engeren Prozessfenstern produzieren können.“

Viele Besonderheiten beim Spritzgießen in der Medizintechnik

Claus Wilde (links), Geschäftsführer von Engel Deutschland am Standort Stuttgart, und Christoph Lhota, Leiter des Geschäftsbereichs Medical bei Engel, hatten ein spannendes Programm für die Interessenten aus der Medizintechnik zusammengestellt. Foto: K-Zeitung

Auf der Engel Med-Con Konferenz wurde deutlich, dass sich das Spritzgießen in der Medizintechnik in so manchem Punkt vom traditionellen Spritzgießen unterscheidet. „Die Tendenz in der Medizintechnik geht hin zu Multikavitäten-Werkzeugen“, sagte Christoph Lhota, Leiter des Geschäftsbereichs Medical bei Engel. „Und gerade hier sind unsere Holmlos-Maschinen prädestiniert, da sie viel Platz für große Werkzeuge bieten. In der Regel kann man bei Holmos-Maschinen eine geringere Schließkraft wählen als bei herkömmlichen Spritzgießmaschinen.“ Laut Lhota sind 50 % der verkauften Spritzgießmaschinen des Engel-Geschäftsbereichs Medical Holmlos-Maschinen.

In der Medizintechnik kommt es – stärker noch als in anderen Branchen – auf eine hohe Qualität aller Spritzteile an. Um Schuss für Schuss die gleiche Prozesskonstanz erzielen, werden neue Maschinen nach Aussagen von Lhota verstärkt mit der Software IQ Weight Control ausgestattet, die alle kritischen Parameter wie Rohmaterialschwankungen oder das Schließverhalten der Rückstromsperre vollautomatisch ausregelt – und dies auch dokumentiert. Lhotas Rat: „Am besten ist es, wenn man IQ Weight Control bereits in die Validierungsstrategie miteinbezieht.“ Das heißt, für alle validierten Parameter werden in der Software Ober- und Untergrenzen definiert beziehungsweise eingestellt.

Dies gelt auch für die Software IQ Flow Control, die den Temperierprozess selbstständig regelt. „Sie wird in der Medizintechnik sehr gut angenommen. Denn im Reklamationsfall kann man damit nachweisen, dass die Werkzeugtemperierung jederzeit innerhalb der Vorgaben war“, so Lhota.

Zero Defect Strategie für die Medizintechnik

Gerade in der Medizintechnik ist es nach seiner Aussage wichtig, Bedienfehler aller Art zu vermeiden. Für diese sogenannte Zero Defect Strategie integriert Engel bei automatisierten Spritzgießzellen zum Beispiel die Steuerung der eigenen Roboter in die Steuerung der Spritzgießmaschine. Stammt die Automation von Partner-Unternehmen wie etwa Waldorf Technik könne man gewisse kritische Parameter in die Engel-Steuerung spiegeln, so Lhota. Auch lassen sich Servomotoren – ein Mittel, um den Einsatz von Öl zu vermeiden – in die Engel-Steuerung integrieren. Die Steuerung der Motoren erfolgt dann so, als wenn es sich um einen hydraulischen Kern Handeln würde.

Als einen Trend sieht Lhota die vorbeugende Wartung von Maschinen. Das Ziel: ungeplante Maschinenstillstände auf Null zu bringen. Aktuell ist dies bei Kugelinnenlaufspindeln, Massezylindern, Servopumpen und Hydrauliköl möglich; weitere Pakete sind bei Engel in der Entwicklung. „Unsere Vision ist es, mit Predictive Maintanance Voraussagen über alle kritischen Elemente einer Spritzgießmaschine zu treffen“, sagt Lhota.

Steril-Spritzguss in Reinräumen der Klasse ISO 5

Als Zukunftsprozesse mit hohem Potenzial für die Medizintechnik bezeichnete der Engel-Experte den Metallspritzguss mit hochfesten Legierungen – das sich etwa für die Herstellung von OP-Besteck eignet -, das Spritzgießen von Flüssigsilikon (LSR) und den Steril-Spritzguss. Letzterer befindet laut Lhota sich noch im Entwicklungsstadium, wird aber vor allem für die Produktion von Primärpackmitteln im Pharmabereich zunehmend nachgefragt. Das Spritzgießen erfolgt hier in Reinräumen der Klasse ISO 5. „Da bewegen wir uns in einer komplett anderen Welt“, betont Lhota. Hier gelte es, möglichst viele Prozesse außerhalb des Reinraums zu platzieren – und die Spritzgießmaschine an den Reinraum anzudocken. Lhota weiter: „Wir lernen derzeit, wo sich kritische Stellen des Partikelausstoßes befinden, wenn sich die Schließeinheit innerhalb des ISO-5-Reinraums befindet. Auch die Geschwindigkeit der Schließeinheit spielt eine erhebliche Rolle für Partikelkonzentration.“

sk

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