Coronavirus bremst China-Geschäft der K-Branche aus

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Die K-ZEITUNG hat nachgefragt, welche Auswirkungen das Coronavirus auf das Geschäft der Kunststoffbranche in China hat.

Das Coronavirus hat Deutschland im Griff – auch wirtschaftlich. In China scheint sich die Lage zu beruhigen. Nach einem mehrwöchigen Shutdown vieler Fabriken wird die Produktion nun wieder hochgefahren. Was bedeutet dies für die Kunststoffbranche? Es könnte eine Blaupause für Europa sein.

„Wir rechnen in China mit einem Umsatzeinbruch um 30 %, den wir in diesem Jahr auch nicht mehr auffangen können“, betont Sandra Füllsack, Geschäftsführerin der Motan Gruppe. „Unsere Firma in China war bis Ende Februar nur bedingt produktiv. Nur rund 50 % unserer Kunden sind wieder aktiv. Aufträge werden verschoben, wir haben teilweise einen Abbruch der Lieferkette auch zu unserer Produktion in Deutschland verzeichnet. Außerdem sind Mehrkosten für Hygienemaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen entstanden.“ Die chinesische Regierung hat laut Füllsack den Unternehmen Unterstützung zugesagt: Mietzahlungen sollen erlassen werden, zudem sind Steuererleichterungen geplant.

Wittmann Battenfeld rechnet mit 40 Prozent weniger Umsatz in China

Michael Wittmann: „Die Produktionskapazität im Werk in Kunshan/China ist zum aktuellen Zeitpunkt nur mehr geringfügig beeinträchtigt.“ Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

Klare Aussagen kommen auch von der Wittmann Gruppe: „Eine Abschätzung der Auswirkungen ist zum jetzigen Zeitpunkt nur unzureichend möglich. Wir gehen in der ersten Jahreshälfte zumindest von einem Minus von 40 % gegenüber 2019 aus“, sagt Michael Wittmann, Geschäftsführer der Wittmann Kunststoff Geräte. Das Werk des Unternehmens im chinesischen Kunshan war aufgrund behördlichen Vorgaben der chinesischen Lokalregierung zwei Wochen geschlossen. Wittmann: „Nach der Wiedereröffnung konnte die Produktion erst graduell aufgenommen werden, da einerseits Teile der Belegschaft nicht anreisen durften, andererseits Lieferbetriebe ebenfalls erst allmählich ihre Aktivität aufnehmen konnten. Die Produktionstätigkeit ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nur mehr geringfügig beeinträchtigt.“ Über 90 % der Belegschaft befinde sich wieder am Arbeitsplatz und sei ist absehbar, dass sich auch das kurzfristig ändern werde. Positiv sieht Wittmann, dass die Zahl der Neuansteckungen mit dem Virus in China derzeit markant zurückgehen, „was sich auch positiv auf das Konsumverhalten auswirkt und Zuversicht auf eine Normalisierung nährt. Von einer Normalisierung kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Auch das Reisen in sogenannte sichere Gebiete ist nach wie vor sehr mühsam. Viele Firmen beschränken die Besuche von Lieferanten auf das absolute Minimum.“

Leistritz geht von steigender Nachfrage aus

„Den Auftragseingang in China im ersten Quartal 2020 kann man vergessen“, winkt auch Sven Wolf, Geschäftsführer von Leistritz Extrusionstechnik, ab. Dennoch sieht er die Lage positiv: „Wenn die chinesische Wirtschaft drei Monate nicht investiert, entsteht ein riesiger Bedarf an Produkten. Daher rechnen wir fest damit, dass wir auch entsprechende Aufträge generieren können. Alle Diskussionen mit unseren Kunden zeigen genau in diese Richtung.“ Das chinesische Werk von Leistritz in Taicang war aufgrund Covid-19 drei Wochen lang komplett geschlossen, ist mittlerweile aber wieder vollständig im Einsatz. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir weniger als andere Unternehmen von Vorlieferanten abhängig sind, da wir unser Geschäft weitgehend auftragsunabhängig betreiben – sowohl in Deutschland als auch in China“, so Wolf.

Krauss Maffei will Ende März neues Werk in Jiaxing eröffnen

Andere Unternehmen der Branche tun sich angesichts der Krisensituation schwer mit konkreten Aussagen: „Da die Coronakrise auch in China noch nicht vorüber ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nichts zu ihren Auswirkungen sagen“, so Dr. Frank Stieler, CEO der Krauss Maffei Group. Doch er bestätigt, dass sein Unternehmen in China betroffen ist von geringerer Nachfrage, Produktionsausfall, Unterbrechungen der Lieferkette und Personalmangel. Seit 9.03.2020 wird an den chinesischen Standorten des Unternehmens in Haiyan und Shanghai wieder normal gearbeitet. Ende März wird Krauss Maffei laut Stieler endlich das neue Werk in Jiaxing beziehen, dessen Eröffnung durch das Coronavirus verschoben werden musste.

Arburg sieht zentrale Fertigung in Loßburg als Vorteil

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg: "Wir spüren, dass sich die Geschäfte in China langsam wieder normalisieren." Foto: Arburg

„Das Coronavirus wird die Investitionsentscheidungen unserer Kunden in China hoffentlich nur kurzfristig beeinflussen“, sagt Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg. Der Spritzgießmaschinenbauer hat keine Fertigungsstätte in China. „Erste Indikationen gibt es bereits. Wir spüren, dass sich die Geschäfte langsam wieder normalisieren.“ Aktuell kann er noch nicht beziffern, „wie die Epidemie im Einzelnen unseren Umsatz in China bisher beeinträchtigt hat. Die Aufträge sind jedenfalls da. Und so erwarten wird, das Jahresziel mit einem Sprint noch zu erreichen.“ Ein unkalkulierbares Risiko sei indes weltweite Verbreitung des Coronavirus. Böhm: „Welche Auswirkungen sich daraus noch ergeben, müssen wir abwarten.“ Arburg hofft, dass die chinesische Regierung die Unternehmen bezüglich Mietkosten und Gehalt subventionieren wird. Böhm betont, dass Arburg froh sei über den zentralen Fertigungsstandort in Loßburg und die hohe Fertigungstiefe von über 60 %. „Im Moment verzeichnen wir in unserer eigenen Lieferkette keine negativen Auswirkungen der Coronavirus-Situation. Das heißt: Wir sind uneingeschränkt lieferfähig.“

Bei Haitian läuft die Fertigung wieder zu 100 Prozent

Haitian, der größte chinesische Spritzgießmaschinenbauer, hat die Arbeit seit dem 10. Februar 2020 wieder schrittweise aufgenommen, nachdem sie seit dem chinesischen Neujahrsfest Ende Januar geruht hatte. „Aktuell läuft der Fertigungsbetrieb in China wieder in allen Fabriken zu 100%. Die aufgelaufenen Bestellungen werden nun mit Hochdruck abgearbeitet und weitgehend planmäßig ausgeliefert“, so das Unternehmen. Abgesehen von den Mitarbeitern in der Produktion würden die meisten Mitarbeiter – einschließlich Vertrieb und Service – noch eine Zeit lang von zu Hause aus arbeiten.

Erzeuger hoffen auf rasche Markterholung nach Coronavirus

Auch europäische Kunststofferzeuger haben Standorte in China und fürchten negative Folgen des Coronavirus. Laut BASF-Chef Brudermüller gibt es bereits erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. „Nicht nur in China, sondern weltweit sehen wir Auswirkungen durch unterbrochene Lieferketten, die zu Produktionsausfällen führen.“ Für den Konzern seien die ersten zwei Monate dieses Jahres „sehr herausfordernd“ gewesen. Die Nachfrage der Kunden dort sei sehr verhalten. Seit 17. Februar laufe der Betrieb in China wieder in den wesentlichen Anlagen, wenn auch nicht mit voller Kapazität. Brudermüller erwartet nicht, „dass die Corona-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden können“.

Covestro-Vorstandschef Dr. Markus Steilemann sieht für den durch das Coronavirus gebeutelten chinesischen Markt Licht am Ende des Tunnels. Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

Covestro hat wegen Produktionsausfällen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus in China bereits rund 60 Mio. EUR verloren. Bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2019 sagte Vorstandschef Markus Steilemann, es sei zu einem „deutlich reduzierten Output“ an den chinesischen Produktionsstandorten gekommen. „Auch heute laufen die Anlagen nur in reduziertem Ausmaß, aber die Lieferketten laufen wieder an. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“

Lanxess gibt sich nicht ganz so pessimistisch: Die meisten Produktionsstandorte von Lanxess in China haben die Produktion seit dem 10. Februar wieder aufgenommen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig, einen zuverlässigen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte zu geben. Wir glauben jedoch, dass sich das Geschäft schnell wieder erholen könnte, sobald die Situation unter Kontrolle ist, und planen bereits entsprechend“, kommentierte Ulf Dressler, Vice President Corporate Communications APAC bei Lanxess. Tatsächlich müsste vor allem  die Kunststoffindustrie positiv bleiben und sich auf die erwartete Markterholung nach der Epidemie vorbereiten. Dennoch beziffert Lanxess die Belastungen aus der Epidemie für das operative Ergebnis im ersten Quartal bereits auf 20 Mio. EUR, für das ganze Jahr rechnet man mit Verlusten von 50 Mio. bis zu 100 Mio. EUR.

sk/mg/gk/db

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