CO2-Bilanz für Kunststoffprodukte im Blick

Auch bei komplexen Wertschöpfungsketten lässt sich die CO2-Bilanz von Kunststoffprodukten ermitteln. Foto: Asahi Kasei

Asahi Kasei legt die CO2-Emissionen seines Kunststoff-Portfolios offen. Ein Planungs- und Analysewerkzeug berechnet sogar die CO2-Bilanz für Endprodukte.

Asahi Kasei stellt seit Mai seinen Kunden die CO2-Emissionen seines Kunststoff-Portfolios bereit, sodass diese CO2-Bilanz ihrer Produkte ermitteln können. Hierzu hat der japanische Chemiekonzern gemeinsam mit dem japanischen IT-Unternehmen NTT Data eine Datenbank eingerichtet, auf deren Basis ein Analysewerkzeug sogar CO2-Bilanz zahlreicher Kunststoffprodukte berechnet.

Diese Plattform sowie die Offenlegung der Daten umfasst zunächst sämtliche Produkte der technischen Kunststoffe Polyamid (PA), Polyacetal (POM), modifiziertes Polyphenylenether (mPPE) sowie Polypropylen (PP). Sie werden als Werkstoffe zum Beispiel für Strukturbauteile in der Automobilindustrie oder in der Unterhaltungselektronik verwendet.

Für die CO2-Bilanz der Endprodukte werden die Emissionen des erweiterten Produktionsprozesses, also nicht nur die eigenen bei Asahi Kasei, sondern auch diejenigen von Lieferanten und Verarbeitern erfasst. Die Berechnung vom CO2-Fußabdruck erfolgt quantitativ mit der Cradle-to-Gate Methode, indem die Treibhausgasemissionen aus dem gesamten Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Entsorgung sowie dem Recycling – kombiniert und dann in die entsprechende Menge CO2 umgerechnet werden.

CO2-Bilanzierung erfordert komplexe Prozessananlyse

Ziel von Asahi Kasei ist es, den CO2-Fußabdruck von Kunststoffen und damit Kunststoffprodukten laufend zu reduzieren und dabei wesentliche Stellschrauben zu analysieren. Die komplexen Lieferketten und unterschiedlichste Standorte waren für das Projekt eine besondere Herausforderung. Der Geschäftsbereich Performance Plastics von Asahi Kasei verfügt über mehr als zehn Produktions- und Vertriebsstandorte weltweit.

In einem gemeinsamen Projekt mit NTT Data hat Asahi Kasei diese Aufgabe nun gemeistert. So konnten Daten in Bezug auf die CO2-Builanz für jedes Endprodukt in einem integrierten Format von der Produktion bis zum Verkauf gewonnen werden.

Kunststoffprodukte mit schlechter CO2-Bilanz ab 2027 verboten

Asahi Kasei sieht sich mit der CO2-Bilanzierung für die Zukunft gut aufgestellt. Denn seitens der Europäischen Union wächst der Druck zu klimaneutralem Wirtschaften auch im Automobilbau. So soll die Einfuhr von Batterien und anderen Produkten für Elektrofahrzeuge mit schlechter CO2-Bilanz ab 2027 verboten werden, was große Automobilhersteller und andere Kunden dazu veranlasst, von ihren Lieferanten die Offenlegung von entsprechenden Daten zu verlangen.

Drei Säulen zur Berechnung der CO2-Bilanz

Die Berechnung der der CO2-Bilanz eines Kunststoffproduktes beruht aus einer Plattformarchitektur mit drei Säulen:

  1. Einbeziehung aller Treibhausgasemissionen von der Beschaffung über den Transport bis zur ausgelagerten Verarbeitung, der internen Fertigung und dem Versand
  2. Monatliche Berechnung der CO2-Bilanz für jedes Endprodukt auch bei komplexer Lieferkette
  3. Duale Analyse von Kosten und CO2-Bilanz durch Kombination mit Managementinformationen

Im ersten Schritt wird der CO2-Fußabdruck von jedem Lieferanten-Produkt zu den Treibhausgasemissionen addiert, die anteilig in ausgelagerten Verarbeitungs- und internen Herstellungsprozessen berechnet werden. Damit kann die CO2-Bilanz einschließlich der Lieferkette von der Beschaffung über die Herstellung bis hin zum Versand visualisiert werden.

Entsprechend komplex gestaltet sich die Berechnung der CO2-Bilanz der Kunststoffprodukte im zweiten Schritt. Herzstück ist hier das Planungs- und Analysewerkzeug Anaplan, das eine sehr schnelle Verarbeitung hoher Datenmengen bietet. Die Lieferkette für Hochleistungskunststoffprodukte gestaltet sich komplex und umfasst viele verschiedene Produktqualitäten, über die ganze Welt verteilte Standorte und zahlreiche Prozessschritte in der Herstellung. Um dieses verästelte System bestmöglich zu überblicken, wurde die Erfassung des monatlichen Kohlenstoff-Fußabdrucks für jedes Produkt über die Eingabe verschiedener Daten über Materialien und Produktionsstätten in Anaplan ermöglicht.

Asahi Kasei und NTT Data haben die Plattform in einem dritten Schritt mittels Erweiterung einer bestehenden Management-Informationsplattform geschaffen. Das ermöglicht die kombinierte Betrachtung von Kosten und CO2-Fußabdruck nach unterschiedlichen Aspekten – wie zum Beispiel Endprodukt oder Kunde. Der Vorteil für den Kunden liegt klar auf der Hand: Asahi Kasei kann ihm Daten zur CO2-Reduktion bereitstellen und gleichzeitig die Kosten im Blick behalten.

mg