Chlorfreie Silikonmischungen vermeiden PCB-Freisetzung

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Gummiwerk Kraiburg hat chlorfreie Silikonmischungen entwickelt, die während der drucklosen Vulkanisation keine polychlorierten Biphenyle (PCB) freisetzen.

Bei der Herstellung von Extrusionsartikeln mittels druckloser Vulkanisation (Heißluft, Salzbad) aus Silikonkautschuk werden beim Einsatz des branchenüblichen Peroxids DCLBP, Di(2,4- dichlorbenzoyl)peroxid, polychlorierte Biphenyle (PCB) freigesetzt. Diese wirken sich schädlich auf Umwelt und Mensch aus.

Peroxidisch- und additionsvernetzte Mischungsalternativen

Das Gummiwerk Kraiburg bietet jetzt peroxidisch- und additionsvernetzte Mischungsalternativen an, die chlorfreie Vernetzungssysteme für die drucklose Vernetzung beinhalten und somit keine PCBs bilden. Wie Gummiwerk Kraiburg mittteilt, vulkanisieren diese Mischungen zwar grundsätzlich etwas langsamer, doch dies ist bei den hohen Vulkanisationstemperaturen (200°C und höher) im Heißluftkanal nicht entscheidend.

Nach Erfahrung des Unternehmens verringern sich die Heizzeitunterschiede bei einer Temperaturerhöhung so stark, dass in der Praxis kaum längere Verweilzeiten im Vulkanisationskanal resultieren. Die vorherrschende Geruchsbildung während der Verarbeitung der peroxidisch vernetzten DCLBP- Alternative lässt sich durch eine Absaugung im Betrieb beseitigen.

Chlorfreie Silikonmischungen erreichen höheres mechanisches Niveau

Wie Gummiwerk Kraiburg mitteilt, zeigen die additionsvernetzten Alternativmischungen ein höheres mechanisches Niveau als die peroxidvernetzten. So erhöht sich die Bruchdehnung einer Silikontype – beispielsweise bei einer Standardmischung 70 Sh A von 370 % auf 600 %. Ebenso steigt der Wert des Weiterreißwiderstandes von 25 N/mm auf 42 N/mm gemäß ASTM D624B. Dies ermöglicht die Produktion reißfesterer und dehnbarerer Schläuche oder Kabel. Zudem sind durch den besseren Druckverformungsrest dieser Mischungen – 24 Stunden bei 175°C von 33 % auf 10 % – auch höhere Druckbelastungen möglich.

PCB reichern sich im Fettgewebe an und schädigen das Nerven- und Immunsystem

Warum das Entstehen polychlorierter Biphenyle zum Problem werden kann, erklärt das Gummiwerk Kraiburg so: Polychlorierter Biphenyle reichern sich im Fettgewebe an und schädigen das Nerven- und Immunsystem. In manchen Fällen führen diese Stoffe auch zu Krebs und Fehlbildungen bei Ungeborenen. Erst kürzlich mussten einige Betriebe in Nordrhein-Westfalen ihre Produktion einschränken, nachdem bedenkliche Konzentrationen von PCB bei durchgeführten Messungen im Umkreis der Anlagen nachgewiesen wurden. Daraufhin beschloss die Landesregierung strengere Kontrollen für Silikon verarbeitende Betriebe und fordert von den Herstellern eine Umstellung auf Alternativen. Eine entsprechende Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen wurde dem Bundesrat vorgelegt. Mit der Änderung der Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV) soll angesichts der von silikonverarbeitenden Anlagen ausgehenden PCB-Emissionen ein bundeseinheitliches Vorgehen zur Vermeidung schädlicher Umweltauswirkungen sichergestellt werden.

gk

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