Chemisches Recycling als Lebenselixier für Plastikmüll

„Nur mit chemischem Recycling wird Plastikmüll künftig in großen Mengen recycelbar sein.“ Dr. Markus Steilemann, CEO von Covestro und Präsident von Plastics Europe. Foto: Covestro

Nur mit chemischem Recycling ist Plastikmüll im großen Stil wiederverwertbar, meint Dr. Markus Steilemann, CEO von Covestro und Präsident von Plastics Europe.

Dr. Steilmann betont, dass chemische Recycling als Verfahren abfallrechtlich explizit als Recycling anerkannt werden muss, denn es berge ein Riesenpotenzial, Plastikmüll als sekundäre Rohstoffquelle zu nutzen. Darauf dürfe die Gesellschaft  nicht verzichten.

Hier der Gastkommentar von Dr. Markus Steilmann im Wortlaut:

"Die Rufe nach einer besseren, wirklich nachhaltigen Welt werden immer deutlicher. Ich bin überzeugt: Diese Welt muss keine Utopie bleiben. Denn wir haben das Eintrittsticket – mit der Kreislaufwirtschaft können wir die dringend nötige Klimaneutralität erreichen, unsere begrenzten Ressourcen schonen und den Umweltschutz vorantreiben. Kurz: Zirkularität muss zum globalen Leitprinzip werden.

Das erfordert freilich einen echten Paradigmenwechsel, und zwar bei uns allen. Wirtschaft und Gesellschaft müssen zu anderen Konsum- und Produktionsmustern finden, rasch, konsequent und umfassend. Vor allem gilt das fürs Recycling, den Dreh- und Angelpunkt der Kreislaufwirtschaft. Das müssen wir kräftig anschieben, da müssen wir besser werden.

Plastikmüll zu neuem Leben erwecken

Die Kunststoffindustrie kann und will Treiber der Entwicklung sein. Denn viel zu viele Kunststoffe werden achtlos weggeworfen und landen in der Umwelt. Dafür ist das Material aber zu schade. Es gilt also, Plastikmüll zu neuem Leben zu erwecken. Und wir haben auch das Lebenselixier dafür: chemisches Recycling!

Für viele Kunststoffe ist es sogar die einzig mögliche Methode der Wiederverwertung. Denn im Falle von stark verschmutztem und nicht sortenreinem Abfall ist das herkömmliche mechanische Recycling eine „mission impossible“: Mit Zerkleinern und Einschmelzen allein kommen wir nicht in dem gebotenen Umfang wirklich weiter.

Anders sieht es aus, wenn wir den Plastikmüll chemisch auflösen, in seine Moleküle zerlegen und aus diesen wiederum neue Molekülketten und neue Kunststoffe bilden. Eine wahre Zauberformel: Jedes Produkt lässt sich so in ein beliebiges anderes verwandeln. Nur so, mit chemischem Recycling, werden Kunststoffe künftig in großen Mengen recycelbar sein. Die neue Technologie steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Aber sie hat Riesen-Potenzial. Darauf dürfen wir nicht verzichten!

Chemisches Recycling reduziert den Ölverbrauch

Größter Vorteil des chemischen Recyclings ist, dass wir den Ölverbrauch in der Plastikproduktion stoppen und Kohlenstoff nicht mehr freisetzen, sondern dieses so wichtige Element zum Wohle der Umwelt im Kreis führen. Zwar braucht das neue Verfahren recht viel Energie. Die muss natürlich aus erneuerbaren Quellen stammen, damit das chemische Recycling wirklich nachhaltig wird. Die Kunststoffindustrie, die insgesamt auf erneuerbare Energie setzt, arbeitet darauf hin.

Insgesamt wird der Prozess durch Innovationen immer ausgereifter. Und natürlich gelten auch hier strenge Umweltstandards. Es wird fortlaufend daran gearbeitet, die Menge an Nebenprodukten zu minimieren und die sichere Handhabung zu optimieren.

Immer mehr Kunststoffhersteller erkennen die Vorteile des chemischen Recyclings und lenken ihre Mittel in diese Richtung. So wollen die Mitglieder des Verbands Plastics Europe, dessen Präsident ich bin, im Jahr 2025 hier 2,6 Mrd. EUR investieren und nur fünf Jahre später bereits 7,2 Mrd. EUR.

Um das chemische Recycling schnell weiterzuentwickeln und zu etablieren, brauchen wir aber auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen. So sollte das Verfahren abfallrechtlich explizit als Recycling anerkannt werden. Und es müssen ausreichend gute Anreize her, um das Sammeln, Sortieren und Trennen von Altkunststoffen zu verbessern. Dann wird uns auch das Großprojekt Kreislaufwirtschaft gelingen."

Dr. Markus Steilemann, CEO von Covestro und Präsident von Plastics Europe

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