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Branchenumfrage: Folienverpacker vor schwierigen Zeiten

Nach der Branchenumfrage des IPV mussten im letzten Jahr 78 % der Unternehmen Umsatzrückgänge aufgrund der Corona-Pandemie hinnehmen. Foto: IPV

Die aktuelle Branchenumfrage des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung IPV wirft einen eher pessimistischen Blick in die Zukunft.

Natürlich trägt die aktuelle IPV-Branchenumfrage den Stempel des vergangenen Corona-Jahres, doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Papier- und Folienverpacker vor schwierigen Zeiten sehen.

Viele Prozesse mussten komplett überarbeitet werden und die wirtschaftlichen Erwartungen sind deutlich getrübt. 78 % der Unternehmen haben in 2020 Umsatzrückgänge aufgrund Covid 19 verzeichnen müssen. Diese konnten nicht komplett aufgefangen werden und haben sich deshalb bei vielen Mitgliedern auch gewinnreduzierend ausgewirkt.

Laut Branchenumfrage nur 11 % der Unternehmen signifikant gewachsen

Lediglich 11 % der Unternehmen konnten trotz der Pandemie ein signifikantes Wachstum beim Umsatz erzielen. Das flächendeckende Schließen von Gastronomie und Einzelhandel, der Wegfall von großen Messen, Events und Jahrmärkten – aber auch durch Home-Office weggefallene Mittagsbesuche beim Bäcker oder Metzger – haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. In den anderen Bereichen war oft bestenfalls eine Stagnation der Anfragen auszumachen. Lediglich die Zulieferer des großen Lebensmitteleinzelhandels konnten teils von gestiegenen Umsätzen profitieren.

Zurückhaltung und „auf Sicht fahren“ spürt man beim Einkauf deutlich. Das Dispositionsverhalten der Kunden war sehr vorsichtig aber auch extrem schwankend. Statt kontinuierlicher Auftragseingänge gab es extreme Spitzen mit dem Bedarf eines Drei-Schicht-Betriebs, aber auch sehr ruhige Phasen. Personell machten sich diese veränderten Gewohnheiten aber auch die Anforderungen des Infektionsschutzes in einer Anpassung der Schichtmodelle und in Mehrkosten durch anteilige Doppelbesetzungen während der Krise bemerkbar.

Das Personalmanagement wurde deshalb massiv gefordert. Vor allem im Herbst 2020 musste in einigen Betrieben auf Kurzarbeitsregelungen gewechselt werden. In den Betrieben konnte durch kontinuierlich verbesserte Hygienekonzepte und frühzeitige Quarantänemaßnahmen eine Ausbreitung von Covid 19-Fällen verhindert werden.

Trotz Stellenabbau weiter Fachkräftemangel

IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger: „Die Pandemie hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das Stimmungsbild der Branche. Der Blick auf das Jahr 2021 ist bereits jetzt getrübt“, Foto: IPV

Zwei Drittel der Unternehmen haben im Krisenjahr Stellen abgebaut bzw. nicht neu besetzt. „Natürlich ist das eine Momentaufnahme. Der Fachkräftemangel bleibt ein gravierendes Problem der kommenden Jahre. Vor allem in Fragen der Qualität. In der Statistik sind natürlich auch die Stellen erfasst, die man aufgrund fehlender Qualifikationen nicht besetzen konnte“, erklärt Karsten Hunger. „Dennoch spürt man hier, wie tiefgreifend die Pandemie Einfluss auf die Betriebe nimmt. Nur jedes dritte Unternehmen gibt aktuell noch an, einen Mangel an Fachkräften zu haben. Zum Vergleich: im vergangenen Jahr waren es noch stolze 90 %.“

Dennoch ist festzustellen, dass auch aufgrund der weitreichenden Wirtschaftshilfen, diejenigen Firmen, die noch immer händeringend Fachkräfte suchen, kaum Besserung am Arbeitsmarkt sehen. An eine nachhaltige Entwicklung glaubt der Verband daher nicht.

Investitionsbereitschaft bei Papier- und Folienverpackern zurückgegangen

IPV-Verbandssprecher Klaus Jahn: „Mit Blick auf das aktuelle Jahr schauen nur wenige Betriebe optimistisch nach vorne. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen glaubt 2021 ein besseres Geschäftsjahr vor sich zu haben. Jeder dritte rechnet mit Verschlechterungen.“ Foto: IPV

Nur 22 % haben im vergangenen Jahr mehr Investitionsleistungen in ihrem Betrieb vorgenommen. Über 44 % haben sogar im Vergleich zu 2019 den Aufwand reduziert. Und auch 2021 plant jedes dritte Unternehmen erneut weniger zu investieren. In etwa die gleiche Anzahl will den Investitionshaushalt hingegen wieder aufstocken. Natürlich darf man nicht unerwähnt lassen, dass in den vergangenen Jahren enorm viel in den Betrieben der Verpackungsindustrie investiert wurde, so dass nicht immer zwingend Bedarf an Neuinvestitionen besteht.

„Mit Blick auf das aktuelle Jahr schauen nur wenige Betriebe optimistisch nach vorne. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen glaubt 2021 ein besseres Geschäftsjahr vor sich zu haben. Jeder Dritte rechnet mit Verschlechterungen“, gibt Verbandssprecher Klaus Jahn die Stimmung der Branche wieder. Dabei sind die Gründe vielschichtig und Corona und die Folgen von Gastronomie- und Veranstaltungsverboten während des Lock-Downs sind nur eine Facette unter vielen. Aber sie wirken besonders: Drohenden Kundeninsolvenzen bzw. Zahlungsausfällen sieht man mit Sorgen entgegen.

Schwierige Zeiten für Verpackungshersteller

Zudem geraten Verpackungen in der Akzeptanz weiter unter Druck und die Nachfrage nach Ersatzlösungen für Kunststoffe nimmt an Fahrt auf.

„Wir erwarten weiter schwierige Zeiten für die Verpackungshersteller. Aber natürlich stecken in neuen Hygieneanforderungen und in dem durch Corona beflügelten e-Commerce auch Chancen für die Branchen. Und nicht zuletzt in der Entwicklung neuer Produktverfahren für Verpackungen“, so Jahn.

Große Nachfragen nach faserbasierten Lösungen

Der Trend nach faserbasierten Lösungen setzt sich 2021 deutlich fort. Mittlerweile spüren 89 % diesen Wunsch stark oder sogar sehr stark. Foto: IPV

Die Nachfrage nach faserbasierten Produkten als Ersatz für Kunststoffverpackungen bleibt deutlich und wird seit einigen Jahren als spürbarer Trend wahrgenommen. Fast 89 % der IPV-Mitglieder spüren einen starken oder sehr starken Kundendruck nach mehr faserbasierten Lösungen. Die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe und die gute Recyclingfähigkeit werden oft als Vorteile genannt.

Allerdings sind Kunststoff-Papier-Verbunde nicht zuletzt aufgrund ihrer problematischen Recyclingfähigkeit zuletzt in die Kritik geraten.

Dennoch bleibt natürlich der Wunsch der Vermeidung von Kunststoffeintrag in die Umwelt. „Das können wir nicht weg reden. Politisch sicher auch motiviert, hat sich beim Endverbraucher eine sehr kritische Haltung zu Kunststoffverpackungen verankert. Das wird sich auch nach der Pandemie noch breiter in der öffentlichen Diskussion fortsetzen. Dem müssen wir als Hersteller natürlich Rechnung tragen, wir arbeiten mit Hochdruck an innovativen Lösungen, aber eben auch an der Aufklärung der Notwendigkeit von Kunststoff und über deren umweltsichere Recyclierbarkeit“, so Hunger.

Rohstoffmangel sorgt für Lieferschwierigkeiten und Verteuerungen

Bereits im März informierte der Verband in einer Kurzumfrage über Beschaffungsprobleme auf dem aktuellen Rohstoffmarkt. Vorlieferanten sprechen hier von „Force Majeure“, also von höherer Gewalt, ausgelöst durch die überraschend schnelle Erholung einzelner Branchen und umgelenkte Rohstoff-Importe nach China.

Engpässe vor allem bei HDPE und OPP.

In einem Update der Kurzumfrage unter den Mitgliedern Ende April war noch immer keine Entspannung zu vermelden. Besonders betroffen sind HDPE und OPP. Insbesondere die durch die Verknappung mittlerweile deutlich gestiegenen Preise der Rohstoffe mit Erhöhungen um teilweise mehr als 50% machen sich bemerkbar. Während einige Verbandsmitglieder zwangsweise größere Mengen bevorraten müssen, haben andere Probleme mit der Produktion.

Die unerwarteten Lieferverzögerungen haben Umstellungen des Produktionsplans erforderlich gemacht und vereinzelt zur Zurückstellung von Aufträgen geführt. Erwartet wird zumeist eine Fortsetzung oder eine weitere Verschlechterung der Versorgungslage. Die Mitgliedsunternehmen des IPV appellieren daher weiterhin dringend an die gesamte Lieferkette alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Engpässe zu beheben und die Lieferfähigkeit von verpackten Lebensmitteln und anderen systemrelevanten Produkten sicherzustellen. Schon jetzt ist klar, dass die Rohstoffverknappung und die Verteuerung der Transporte weiterhin Einfluss auf die Preise haben werden.

gk