Biokunststoffe sind mehr als nur ein Ersatz

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Die 13. European Bioplastics Conference Anfang Dezember in Berlin verzeichnete mit über 400 Führungskräften einen Besucherrekord.

In seiner Eröffnungsrede erläuterte François de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics (EUBP), wie Biokunststoffe zur Reduzierung von Abfall und CO2-Emissionen beitragen. Foto: EUBP

In seiner Eröffnungsrede hob François de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics (EUBP), einige der wichtigsten Erfolge der Biokunststoffindustrie im vergangenen Jahr hervor: „Die Aktivitäten seitens der EU zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen hat zu Innovationen in der Biokunststoff-Community geführt. Die intensive Debatte über die Zukunft von Kunststoffen hat viele Möglichkeiten für Biokunststoffe geschaffen, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu erleichtern. Umweltverträglichkeitsprüfungen, Umgestaltung des Produktdesigns, fundierte und vielfältige Lösungen für das Ende des Lebenszyklus – Biokunststoffe sind mehr als nur ein Ersatz, sie bieten kreativen Einfluss auf die verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette“, so de Bie. „Die Biokunststoffindustrie ist gut positioniert, um zusätzliche Optionen für das Ende des Lebenszyklus anzubieten, die zur Reduzierung von Abfall und CO2-Emissionen beitragen."

Kunststoffsystem überdenken

Michiel De Smet von der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission eröffnete das Konferenzprogramm, in dem er Politikgestaltung und Innovation im Hinblick auf eine Kreislaufwirtschaft in Europa sowie die Rolle biobasierter Rohstoffe für die Kunststoffproduktion diskutierte. „Die EU-Initiativen der letzten Jahre zielen darauf ab, die Kreislaufwirtschaft durch Innovation zu fördern und das derzeitige Kunststoffsystem zu überdenken, um dessen Vorteile zu nutzen und gleichzeitig die Nachteile, wie die Meeresverschmutzung, zu überwinden. Im Zusammenhang mit der aktuellen Strategie zur Bioökonomie und den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung unterstützt die EU den Übergang von fossilen Rohstoffen zu erneuerbaren Alternativen.“

Gibt es Instrumente, die abseits der gängigen Ökobilanzen dazu beitragen können, den abstrakten Begriff Nachhaltigkeit zu bestimmen und zu bewerten? Diese Frage war der Ausgangspunkt für ein Podium mit den Experten Rana Pant (European Commission’s Joint Research Centre, JRC), die auch eine Keynote über Ökobilanzen hielt, Meadhbh Bolger (Friends of the Earth Europe), Nikolay Minkov (Technische Universität Berlin). und Annamari Enström (Neste).

Nachwachsend versus fossil: Schwächen bei der Ökobilanz

In der Diskussion wurden die derzeitigen Schwächen der Ökobilanz als vergleichendes Instrument von biobasierten und erdölbasierten Kunststoffen erörtert. Rana Pant stellte das laufende JRC-Projekt vor, in dem eine Methodik entwickelt wird, die für eine vergleichende Ökobilanz von zehn ausgewählten Kunststoffprodukten verwendet wird. Ziel ist es, gleiche Wettbewerbsbedingungen für erdöl- und biobasierte Kunststoffe hinsichtlich ihrer ökologischen Nachhaltigkeit einfließen zu lassen. Aber auch recycelte und CO2-basierte Kunststoffe sollen dabei betrachtet werden.

Biologische Abbaubarkeit im Meer

Miriam Weber von Hydra Marine Sciences gab einen Überblick über aktuelle Testergebnisse und Standards der biologischen Abbaubarkeit von Kunststoffen unter marinen Bedingungen. Foto: EUBP

Die jüngsten politischen Entwicklungen haben auch auf die biologische Abbaubarkeit in der Meeresumwelt aufmerksam gemacht. Miriam Weber von Hydra Marine Sciences gab einen Überblick über die derzeit verfügbaren Testergebnisse und Standards hinsichtlich der biologischen Abbaubarkeit unter marinen Bedingungen und welche Lücken zu füllen sind. „Wir brauchen einen verlässlichen Rahmen für ein umweltrelevantes Prüfschema.“ Dieses Testschema sei ein Instrument, aber es sollte die Gesellschaft sein, die entscheidet, ob und wie die biologische Abbaubarkeit die Belastung der  Meere mindern kann und soll.“

Marktdaten 2018 für Biokunststoffe

Eine mit Spannung erwartete Sitzung war die Präsentation der Marktdaten für 2018, die Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von EUBP, vorgestellt hat: "Die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe werden in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent wachsen", sagte von Pogrell. Hersteller bestätigten diese Entwicklung mit der Ankündigung neuer Produkte und Dienstleistungen. Carbiolice ging auf die Bühne, um Evanesto offiziell zu lancieren, eine enzymatische Technologie, die PLA kompostierbar machen konnte. Nature Works demonstrierte, wie ihre Ingeo-Biopolymere die Energieeffizienz von Elektrogeräten unterstützen. Organic Waste Systems (OWS), das auf der Konferenz sein 30 - jähriges Bestehen feierte, informierte über den EU-Standard für Tragetaschen, die zu Hause mit dem Biomüll entsorgt werden können.

mg

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