Berechtigte Kritik an Papierverbunden

Günter Kögel, Herausgeber der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Aufgefallen ist Günter Kögel, Herausgeber der K-ZEITUNG, dass Papierverbunde gerade stark kritisiert und von Experten sogar als Irrweg bezeichnet werden.

Dass die zunehmend zur Verpackung eingesetzten Papierverbunde gerade heftiger Kritik ausgesetzt sind, hat einen einfachen Grund: Sie sehen aus wie Papier, bestehen aber aus einem Papier-Kunststoff-Verbund. Diese Verbund lässt sich nur schwer oder gar nicht mehr trennen, was das Recycling und die Kreislaufwirtschaft erschwert oder sogar unmöglich macht.

Papierverbunde sehen "öko" aus, sind es aber nicht

Die Papierverbunde zeigen, dass das Streben nach einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft inzwischen bei vielen Unternehmen sehr ausgeprägt ist – aber leider längst nicht bei allen. Während die einen mit großen Investitionen und viel Herzblut daran arbeiten, ihre Verpackungen fit für eine Kreislaufwirtschaft zu machen – Stichwort D4R, also Design for Recycling – scheinen andere eher den D4MM-Ansatz zu verfolgen: Design for Making Money.

Anders ist die Vielzahl von Verpackungen aus Papier-Kunststoff-Verbunden kaum zu erklären. Denn diese Verpackungen – gerne im braunen Altpapier-Look – suggerieren dem Verbraucher und der Verbraucherin eine umweltfreundliche Papierverpackung, enthalten zum Schutz des Inhalts aber neben dem Papier auch Kunststoff. Und zwar nicht als einfach vom Papier zu trennende Kunststofffolie, wie sie manche Metzgereien zur Verpackung von Fleisch und Wurst nutzen, sondern als schwer oder gar nicht zu trennendes Verbundmaterial.

Ein Irrweg, der in die Verbrennung führt

Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des BVSE Fachverbands Kunststoffrecycling, nutzte den diesjährigen Altkunststofftag des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. – BVSE – um Klartext zu reden und bezeichnete die Papier-Kunststoff-Verbunde als „weder aus Sicht des Papierrecyclings noch aus Sicht der Kunststoffrecycler vorteilhaft.“ Nachdem die neuen Papierverbunde sowohl das Recycling von Papier als auch von Kunststoffen stören, ist dieser Weg für Dr. Textor „ein Irrweg, der nicht in die Kreislaufwirtschaft, sondern in die Verbrennung führt“.

Denn aus Sicht des Kunststoffrecyclings klebt an den Folienresten, die aus den Papierverbunden gewonnen werden, selbst nach einer Heißwäsche immer noch eine Vielzahl von Papierfasern, was den weiteren Einsatz der daraus gewonnenen Kunststoffe im Verpackungskreislauf unmöglich macht.

Recycler von Papier und von Kunststoff bei Kritik einig

Bei der negativen Einschätzung der Papierverbunde sind sich übrigens der Fachverband Papierrecycling und der Fachverband Kunststoffrecycling des BVSE einig und wollen auch demnächst gemeinsam Stellung zu Papierverbunden beziehen.

Nachdem die Vorweihnachtszeit traditionell auch die Zeit der Wunschzettel ist und mir – wie vielen anderen – der Schutz der Umwelt sehr am Herzen liegt, würde ich mir wünschen, dass das Greenwashing mit leider nur scheinbar umweltfreundlichen Verpackung ein Ende hat und jede Art von Verpackung auch nur dort eingesetzt wird, wo sie Sinn macht.

Wenn sich ein Produkt allein mit Papier vernünftig und zweckmäßig verpacken lässt, ist das ja in Ordnung. Aber wenn es zum Beispiel für die Haltbarkeit von Lebensmitteln nicht ohne Kunststoff geht, dann doch bitte auch nur mit Kunststoff – und am besten aus gut recycelbarem Monomaterial. Denn Kunststoff eignet sich perfekt zum Recycling und für einen Kreislauf  – und zwar besser als viele andere Materialien.

gk

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