Befragung: Verpackungen nachhaltiger denn je

Mit der vom Fraunhofer ISC entwickelten Ormocer und biobasierten und biologisch abbaubaren Bioormocer Beschichtungen können auch bei hoher Barriere-Anforderung recyclingfähige Monomaterialien die bisherigen Multilayer-Verpackungen ersetzen und einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten. Foto: Fraunhofer ISC

Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zeigt, dass die Verbraucher die klaren Fortschritte bei der Nachhaltigkeit von Verpackungen auch realisieren.

Nach einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (DVI) attestieren 44 % der Befragten den Verpackungen klare Fortschritte bei der Nachhaltigkeit. Mit 74,6 % bestätigen darüber hinaus Drei von Vier Befragten, dass diese Fortschritte ohne Abstriche oder sogar mit Fortschritten bei Funktionalität und Convenience erreicht wurden.

„Die Verpackungswirtschaft und ihre Produkte sind systemrelevant. Hygiene, Gesundheit und Versorgungssicherheit der Bevölkerung haben auch zu Zeiten einer Pandemie oberste Priorität“, sagt Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (DVI). „Deshalb gab es für die Branche auch keinen Lockdown. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leisten unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie eine herausragende Arbeit. Und sie verzichten selbst in diesen Zeiten auf kein Gramm an Leistung und Anspruch an die eigene Arbeit. Die Innovationsarbeit der Branche ist gerade auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit von Verpackungen ungebrochen. Wir wollten deshalb wissen, ob und in welchem Maß die Arbeit im Bewusstsein der Menschen ankommt. Was sagen die Bürgerinnen und Bürger zur Entwicklung bei Verpackungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Funktionalität und Convenience?“

Befragung belegt: Verbraucher erkennen verbesserte Nachhaltigkeit

44 % der über 1.000 befragten Frauen und Männer sind der Überzeugung, dass Verpackungen in den letzten Jahren nachhaltiger und umweltfreundlicher geworden sind. Foto: DVI/K-ZEITUNG

44,0 % der Befragten geben an, dass Verpackungen ihrer Erfahrung nach in den letzten zwei bis drei Jahren nachhaltiger geworden sind. 26,4 % sehen keine Veränderungen. Nur 15,7 % sehen Rückschritte in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit. 14,0 % können die Entwicklung nicht beurteilen.

Dass die Fortschritte bei der Umweltfreundlichkeit nicht auf Kosten von Funktionalität und Convenience gehen, sagen 49,8 % der Befragten. 24,8 % sehen sogar deutliche Fortschritte in Bezug auf Hygiene, Produktschutz, Sicherheit und bequeme Handhabung. Lediglich 14,9 Prozent empfinden Rückschritte in diesem Bereich. 10,6 % können die Entwicklung nicht beurteilen.

Kim Cheng freut sich, dass „die zahlreichen und mannigfaltigen, nachhaltigen Innovationen der Branche der letzten Jahre bei den Konsumenten und Konsumentinnen angekommen sind. Die Fortschritte gehen von Material‐ und Energieeinsparungen über den Einsatz veränderter oder neuer Materialien bis hin zu optimierten Prozessen und Technologien sowie intelligenten Designs für das Recycling.“

Drei von vier Teilnehmer der Befragung sind der Meinung, dass die Funktionalität der Verpackungen trotz der Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit gleich geblieben oder sogar noch besser geworden ist. Foto: DVI

Verpackungen werden nachhaltiger und erfüllen ihre Aufgabe besser

Entscheidend ist für die dvi‐Geschäftsführerin, dass „wir bei allen Umweltfortschritten die Kernfunktionen der Verpackung nicht vernachlässigt haben. Verpackungen werden nachhaltiger und erfüllen ihre Aufgabe gleichzeitig immer besser. Sie sorgen für Hygiene, schützen Waren vor Schäden und Verderb, machen sie haltbar, transportfähig und sicher in der Anwendung.“

Vier Handlungsempfehlungen für noch mehr Nachhaltigkeit

„Gerade, weil wir nicht auf Verpackungen verzichten können, müssen wir besonders verantwortungsvoll mit ihnen umgehen“, sagt Cheng. „Gebrauchte Verpackungen dürfen deshalb nicht zur Last fallen, wenn sie ihren Job getan haben. Sie müssen im Gegenteil eingesammelt, sortiert und stofflich wiederverwertet werden. Deshalb müssen wir den Schwerpunkt unserer Nachhaltigkeitsarbeit auf die Kreislauffähigkeit von Verpackungen legen. Recycling ist der entscheidende Faktor. Daneben benötigen wir aber auch ein objektives und allgemein gültiges Modell zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Verpackungen. Hier führt kein Weg an Ökobilanzen vorbei. Vor diesem Hintergrund haben wir vier Handlungsempfehlungen formuliert.“

  1. Ökobilanzen liefern Fakten
    Kim Cheng: „Politik und auch NGOs müssen ihre Entscheidungen und Forderungen auf einer ökobilanziellen Faktenbasis treffen. Die imagegetriebene Festlegung auf ein bestimmtes Material oder eine bestimmte Art von Verpackungen ist kontraproduktiv. Headline‐Politik bringt uns nicht weiter. Zu einer reellen Ökobilanz gehören beispielsweise der Materialeinsatz bei der Produktion, die Menge und Art der eingesetzten Energie bei der Produktion aber auch beim Recycling, das Gewicht und Volumen der Verpackungen als Faktor beim Transport, die Transportwege innerhalb der Wertschöpfungskette, der Einsatz von Wasser oder Chemikalien für Produktion oder Reinigung im Falle von Mehrweg – und dies gegebenenfalls für mehrere Lebenszyklen der Verpackung. Diese Ökobilanzen müssen letztlich vom Umweltbundesamt ermöglicht werden. Hier darf sich die Politik nicht wegducken. Sie muss entscheiden, welche Faktoren in welchem Maß für die Bewertung von Nachhaltigkeit entscheidend sind.“
  2. Einsatz von Rezyklat erhöhen
    Kim Cheng: „Die Verwendung von Rezyklat ist zentral. Speziell beim Kunststoff können wir Kreisläufe nur schließen, wenn das Material nicht nur eingesammelt und recycelt wird, sondern das Rezyklat auch für neue Verpackungen Verwendung findet. Erst, wenn es einen funktionierenden Markt für Rezyklat gibt, kann sich der Kreis schließen. Hier ist vor allem die Politik gefragt. Es gibt diverse Modelle zur Förderung des Rezyklateinsatzes. Es wird keine Lösung geben, die alle Interessen berücksichtigt. Wichtig ist dennoch, dass es eine Lösung gibt. Wir brauchen einen klaren Weg, der Planungssicherheit gibt, Qualität‐ und Produktsicherheit des Rezyklats garantiert und die Menge des eingesetztes Rezyklats deutlich erhöht.“
  3. Ausbau der Infrastruktur
    Kim Cheng: „Die Infrastruktur der Kreislaufwirtschaft muss weiter ausgebaut werden. Es hilft uns wenig, wenn Verpackungen theoretisch stofflich wiederverwertbar sind, die Wiederverwertung am Ende aber nicht stattfindet. Wir brauchen mehr Kapazitäten und wir brauchen innovative Verfahren, um auch bisher nicht recycelbare Materialien stofflich wiederverwerten zu können. Die Unternehmen der Branche leisten hier ihren Teil, beispielsweise über neue Technologien oder über unsichtbare Codes, die die jeweiligen Materialien einer Verpackung kennzeichnen und eine effiziente und lückenlose Sortierung möglich machen. Die EU will Kreislaufwirtschaft im Rahmen ihres Green Deal auch zum Motor für Job‐ und Wirtschaftswachstum machen. Das unterstützen wir. Aber auch gilt: Nicht nur fordern, sondern auch fördern!
  4. Konsumenten ins Boot holen
    Kim Cheng: „Kreislaufwirtschaft funktioniert nur im Team von Wirtschaft, Politik und Verbrauchern und Verbraucherinnen. Die Konsumenten und Konsumentinnen sind ein entscheidendes Element. Nur das, was sie richtig in den Sammelsystemen entsorgen, erreicht am Ende die Recyclinganlagen. Um ihnen die Aufgabe möglichst einfach zu machen, müssen Verpackungen klar anzeigen, wie sie zu entsorgen sind. Außerdem müssen die Verpackungsbestandteile aus unterschiedlichen Materialien möglichst schon im Privathaushalt leicht getrennt werden können. Convenience für die Verbraucher und Verbraucherinnen bei der Entsorgung ist ein wichtiger Punkt für die erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft.“

gk