Bedeutung des US-Markts wächst weiter

Der US-Markt hat für die Unternehmen der europäischen Kunststoffindustrie eine größere Bedeutung denn je. Foto: Pxhere

Stimmen aus verschiedenen Bereichen der Kunststoffbranche belegen die sehr hohe und weiter wachsende Bedeutung des US-Markts für europäische Unternehmen.

Nachdem es sich abzeichnet, dass sich viele der Hoffnungen, die die deutsche Kunststoffbranche in den neuen US-Präsidenten Joe Biden setzt, auch tatsächlich erfüllen dürften, hat sich die Redaktion der K-ZEITUNG bei verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen der Kunststoffindustrie umgehört, welche Bedeutung der US-Markt für die Unternehmen spielt.

Mocom-CEO Ian Mills: „Der Markt wächst weiter und wir bedienen eine Reihe von wichtigen Marktsegmenten." Foto: Mocom

Dabei wurde US-Markt von allen Befragten durchgängig als extrem wichtig bezeichnet, wobei die Bedeutung im Corona-Jahr 2020 sogar noch weiter gewachsen ist.

Für viele Unternehmen, darunter auch Branchengrößen wie Arburg oder Krauss Maffei, sind die USA der weltweit wichtigste Exportmarkt. Auch für Ian Mills, CEO von Mocom, einem erst vor kurzem gegründeten Schwesterunternehmen von Albis und innerhalb der Otto Krahn Gruppe für die Compoundierung zuständig, ist der US-Markt sehr wichtig, da „er unsere globale Abdeckung ergänzt. Wir haben in den letzten fünf Jahren in unsere Produktionspräsenz in South Carolina investiert und sie ist weiterhin ein strategischer Teil unseres Geschäfts. Heute macht sie etwa 15 % unseres weltweiten Geschäfts aus.“

Der US-Markt wächst weiter

Wie Mills erklärt, sind die Unternehmen der Otto Krahn Gruppe seit über 50 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent präsent und haben in den letzten fünf Jahren eine eigene Fertigung sowie ein Vertriebsteam in Mexiko und Brasilien aufgebaut. „Der Markt wächst weiter und wir bedienen eine Reihe von wichtigen Marktsegmenten. Unsere Kunden in Europa wünschen zunehmend Unterstützung in Amerika und dafür sind wir gut aufgestellt“ so Mills.

Thomas Herrmann, CEO von Herrmann Ultraschall: "Insbesondere im Vergleich zu Europa bot der US-Markt in den vergangenen Jahren eine höhere Wachstumsdynamik." Foto: Herrmann Ultraschall

Auch für Herrmann Ultraschall hat der US-Markt mit knapp 20 % Umsatzanteil eine sehr große Bedeutung. Wie CEO Thomas Herrmann erklärt, betreut die größte Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe in den USA mit 60 Mitarbeitern und vier Standorten neben dem US-Markt auch die wichtigen Märkte Mexiko und Kanada.

„Sowohl die Umsätze wie auch die Marktpotentiale sind im US-Markt in den vergangenen Jahren überproportional gewachsen. Insbesondere im Vergleich zu Europa bot der US-Markt in den vergangenen Jahren eine höhere Wachstumsdynamik. Trotz signifikanter lokaler Konkurrenz konnte Herrmann den Marktanteil in den vergangenen Jahren stark ausbauen, was sich unter anderem in der Investition in den Ausbau unseres nordamerikanischen Headquarters nahe Chicago im Jahr 2020 niedergeschlagen hat“, so Thomas Herrmann.

Recycling entwickelt sich in den USA sehr positiv

Michael Heitzinger, Managing Director von Erema Engineering: „USA ist ein stetig wachsender Markt mit viel Potenzial im Kunststoffrecycling und für uns von großer Bedeutung." Foto: Erema

Sehr positiv hat sich in den USA übrigens auch das Recycling entwickelt. Dazu Michael Heitzinger, Managing Director von Erema Engineering: „USA und Kanada sind für uns nach Europa und Asien der wichtigste Markt. USA ist ein stetig wachsender Markt mit viel Potenzial im Kunststoffrecycling und für uns von großer Bedeutung. Wir wachsen in allen Applikationen – PET-Bottle, Inhouse & Industrial sowie Post Consumer – und entwickeln auch unser Team weiter.“ Zur Freude von Michael Heitzinger konnte Erema übrigens kurz vor Weihnachten 2020 die insgesamt 1.000ste Erema-Recyclingmaschine von Ansfelden auf die Reise über den Atlantik verschicken.

Nach Überzeugung von Michael Heitzinger werden „auch in den USA die Forderungen nach einem sinnvollen Wiedereinsatz von recycelten Kunststoffen lauter und die Nachfrage nach technischen Lösungen für Upcycling wird steigen. Dafür sind wir mit unserem Portfolio an Recyclingmaschinen bestens aufgestellt. Wir rechnen daher mit einem konstanten Wachstum, abhängig natürlich von der Entwicklung der notwendigen Infrastruktur für Sammlung und Sortierung.“

"Gewaltige Bedeutung und die wird er auch weiterhin haben"

„Wir werden unsere Aktivitäten in Nordamerika deutlich ausbauen und sowohl Vertrieb als auch Service stärken“, sagten Bernd Reifenhäuser (l.), CEO, und Ulrich Reifenhäuser, CSO der Reifenhäuser Gruppe, auf der NPE 2018 und haben dies inzwischen auch umgesetzt. Foto: K-ZEITUNG

Nach Worten von Ulrich Reifenhäuser, CSO der Reifenhäuser-Gruppe und Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, hatte und hat der Markt USA „für den deutschen Kunststoffmaschinenbau eine gewaltige Bedeutung und die wird er auch weiterhin haben.“

Als Grund nannte Reifenhäuser einerseits die enorme Größe des US-Markts, denn „eine so große Zahl konsumfreudiger und zahlungskräftiger Einwohner findet man nirgendwo sonst auf der Welt.“ Dazu kommt, dass viele bekannte US-Hersteller aus der Vergangenheit vom Markt verschwunden sind und damit die Wettbewerbssituation für die Europäer vergleichsweise günstig ist.

„In den letzten Jahren hat sich der Markt zudem für die produzierende Industrie sehr positiv entwickelt. Vor Obama war der US-Markt stark auf Services ausgerichtet und die Fertigung erfolgte überwiegend in Ländern wie China. Der Wandel dieser Strategie hat mit Obama begonnen, der das Ziel hatte, die Fertigung zurück in die USA zu holen“, so Reifenhäuser.

"Buy American" Strategie gut für deutsche Unternehmen

Unter der Biden-Administration, da sind sich die Experten einig, wird sich das transatlantische Klima wieder verbessern und möglicherweise lassen sich einige bestehende Konflikte lösen. Dass Biden inzwischen verkündet hat, dass auch er verstärkt auf „Buy American” setzen wird, klingt zwar wie eine schlechte Nachricht für deutsche Unternehmen, ist es aber nicht. Denn der Ausbau der US-Fertigung hat zuletzt für viele deutsche Hersteller von Kunststoffmaschinen für ein deutliches Umsatzwachstum in den USA gesorgt.

Ulrich Reifenhäuser: „Trump hat diese Strategie durch seine Steuersenkungen zusätzlich beschleunigt und unter Biden sehe ich hier keinen Strategiewechsel. Bei der Frage make-or-buy sehen wir in den USA auch künftig eine echte Tendenz zum „make“. In ganz USA werden derzeit Fertigungen aufgebaut, um die Abhängig von Importen aus Asien zu reduzieren. Damit verbunden ist natürlich auch ein entsprechender Bedarf an Produktionsmaschinen.“

Massive Investitionen in den USA

So wie Reifenhäuser – hier im Bild die neue Produktionshalle in den USA – bauen derzeit auch viele andere Unternehmen der deutschsprachigen Kunststoffindustrie ihre Kapazitäten in den USA aus. Foto: Reifenhäuser

Groß investiert wird von Reifenhäuser in den USA derzeit neben Verkauf und Service auch in das Komponentengeschäft, also die Fertigung von Schnecken und Zylindern. Reifenhäuser baut dazu derzeit ein neues Werk mit neuen Produktionsanlagen auf und sieht hier in den USA sehr großes Potenzial.

Wie Reifenhäuser ist auch Mocom-CEO Ian Mills optimistisch, was die weiter Entwicklung betrifft: „Wir haben eine starke und wachsende Pipeline an Projekten, wir gewinnen ständig neue Kunden und wir erwarten, dass unser Geschäft in den nächsten fünf Jahren deutlich expandieren wird.“

Deshalb hat Mocom in den letzten fünf Jahren in neue Kapazitäten am Standort in Duncan, SC, investiert, wobei diese Kapazitäten inzwischen fast vollständig ausgelastet sind. „Wir prüfen Optionen für eine Ausweitung unserer Aktivitäten auf dem amerikanischen Kontinent, aber diese Pläne sind noch nicht abgeschlossen“, so Mills.

Herrmann Ultraschall konnte durch eine umfangreiche Investition in den Ausbau des Headquarters in Nordamerika bereits im Jahr 2020 den Grundstein für weiteres Wachstum legen. „Auf dieser Basis plant unsere Tochtergesellschaft in den USA in den nächsten Jahren den weiteren Ausbau ihrer Präsenz in allen Geschäftsbereichen und Branchen“, so Thomas Herrmann.

gk