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BASF-Bilanz: Fallende Preise, kriselnde Autos

Wassertank im Stammwerk der BASF Gruppe in Ludwigshafen. Das Unternehmen mendelt sinkende Margen in der Bilanz 2019. Foto: BASF

Stark fallende Preise bei Isocyanaten, signifikanter Rückgang der Autoproduktion: BASF bilanziert weniger Umsatz und schlechteres Ergebnis als 2018.

Vor allem das Geschäft mit Basischemikalien, Zwischenprodukten und Kunststoffen verhagelte die BASF-Bilanz für das Jahr 2019. In den verbrauchernahen Segmenten erzielte BASF im Jahr 2019 dagegen eine deutliche Verbesserung 2018.

Dr. Martin Brudermüller, CEO BASF: "Wir rechnen wir damit, dass die Produktion in der Automobilindustrie weiter zurückgeht. Foto: BASF

„Unser Unternehmen behauptet sich auch in schwierigen Zeiten. 2019 war ein herausforderndes Jahr“, so BASF-Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Brudermüller, der die Zahlen des Geschäftsjahres 2019 gemeinsam mit Finanzvorstand Dr. Hans-Ulrich Engel Ende Februar vorstellte. So erzielte BASF im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 59,3 Mrd. EUR (minus 2 %); das Ergebnis (EBIT vor Sondereinflüssen) sank um 1,7 Mrd. EUR auf nur noch 4,5 Mrd. EUR.

Segmente Chemicals und Materials belasten BASF-Bilanz

Vor allen die beiden BASF-Segmente Chemicals und Materials litten unter fallen Preisen und rückläufiger Nachfrage. Das Ergebnis allein der beiden Segmente Materials und Chemicals ging um 2,2 Mrd. EUR auf 1,8 Mrd. EUR zurück. Der starke Verfall der Isocyanate-Preise, geringere Cracker-Margen und eine insgesamt schwache Nachfrage wirkten hier erheblich belastend. Brudermüller: „Die Nachfrage aus vielen wichtigen Kundenbranchen ging deutlich zurück, vor allem aus der Automobilindustrie.“

Das Segment Chemicals, bestehend aus den Bereichen Petrochemicals und Intermediates, stellt Basischemikalien sowie Zwischenprodukte her. Neben BASF-internen Abnehmern kommen die Kunden vor allem aus der Chemie- und Kunststoffindustrie. Der Umsatz bei Petrochemicals mit Dritten sinkt um 22 % auf knapp 6,7 Mrd. EUR, Intermediates geben um 9 % auf knapp 2,9 Mrd. EUR nach.

Stark fallende Margen bei Isocyanaten

Das Segment Materials setzt sich aus den Bereichen Performance Materials und Monomers zusammen. Beide Bereiche trugen zum deutlichen Rückgang des BASF-Ergebnis bei, vor allem jedoch Monomers.

Monomers umfasst Isocyanate und Polyamide sowie anorganische Grundprodukte und Spezialitäten für die Kunststoff-, Automobil- oder Bauindustrie. Der Umsatz bei Monomers fiel um 20 % auf 5,4 Mrd. EUR, was ausschließlich fallenden Preisen geschuldet war, die absetzte Menge blieb unverändert. Infolge einer höheren Mengenverfügbarkeit im Markt gab vor allem bei Isocyanaten das Preisniveau nach, aber auch Polyamid war vom Preisverfall betroffen.

Automobilindustrie drückt den Umsatz

Auch im Bereich Performance Materials (Polyurethane, thermoplastische Kunststoffe Schaumstoffe) wirkten niedrigere Verkaufspreise infolge geringerer Rohstoffpreise bei MDI leicht umsatzmindernd, zudem verringerten sich die Mengen. So sank der Absatz von Polyamid-Compounds aufgrund schwächerer Nachfrage in Schlüsselindustrien, insbesondere der Automobilindustrie, der Treiber für den Umsatzrückgang.

Absatz von BASF Polyamid-Compounds sank aufgrund schwächerer Nachfrage insbesondere der Automobilindustrie. Foto: BASF

Hier lag der Umsatz mengenbedingt deutlich unter dem Vorjahr, maßgeblich beeinflusst durch den signifikanten Rückgang der Produktionszahlen bei den Automobilherstellern. „Und wir rechnen wir damit, dass die Produktion in der Automobilindustrie weiter zurückgeht“, gibt sich Brudermüller pessimistisch.

Im Konsumgüterbereich lag der Umsatz ebenfalls unter Vorjahresniveau. Hauptgrund war die durch politische Unsicherheiten bedingte Nachfrageschwäche in Europa und Asien, die vor allem das Geschäft mit thermoplastischen Polyurethanen dämpfte. Das Geschäft mit biologisch abbaubaren Kunststoffen entwickelte sich hingegen positiv. Der Umsatz mit der Bauindustrie verringerte sich hauptsächlich durch niedrigere Verkaufspreise, auch der Absatz ging zurück, insbesondere aufgrund der geringeren Nachfrage nach Polyurethan-Systemen.

Insgesamt erzielte der Bereich Performance Materials einen Umsatz von knapp 6,1 Mrd. EUR (minus 7 %), wobei die abgesetzte Mengen um 6 % zurückging, die Preise fielen um 3 %.

Corona-Effekte dämpfen Erwartungen für 2020

„In diesem Jahr erleben wir bereits in den ersten beiden Monaten eine hohe Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Mit dem Coronavirus ist ein neuer Faktor hinzugekommen. Eine geringere Nachfrage und Produktionsausfälle in vielen Branchen sind bereits sichtbare Folgen“, so Brudermüller. „Wir erwarten nicht, dass die Corona-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden können."

Die Weltwirtschaft wird deshalb nach Einschätzung von BASF mit 2,0 % voraussichtlich langsamer wachsen als 2019 (2,6 %). Für die globale Chemieproduktion prognostiziert das Unternehmen mit 1,2 % ein Wachstum unter dem Niveau von 2019 (1,8 %). Das wäre das mit Abstand niedrigste Wachstum seit der Finanzkrise 2008/2009. Brudermüller: „Unseren Umsatz wollen wir dennoch auf 60 bis 63 Mrd. EUR steigern – auch wenn das Umfeld herausfordernd und von hoher Unsicherheit geprägt ist.“ BASF unterstellt im Ausblick 2020, dass sich die handelspolitischen Konflikte zwischen den USA und ihren Handelspartnern nicht weiter entspannen aber der Brexit in der Übergangsphase die Konjunktur nicht wesentlich beeinträchtigt.

Investitionen verlagern sich nach Asien

Einen Ausblick gab Brudermüller auch auf künftige Investitionen. So plant BASF, in den nächsten fünf Jahren 23,6 Mrd. EUR zu investieren. Mehr als ein Drittel davon entfallen auf zwei Großprojekte in Asien, den Verbundstandort in Guangdong und den Chemiekomplex im indischen Mundra, sowie auf das Arbeitsgebiet Batteriematerialien.

Neues Creation Center der BASF in Schanghai: In den nächsten fünf Jahren werden wir 41 % der BASF-Investitionen nach Asien gehen. Foto: BASF

Brudermüller: „Was sich damit ändern wird, ist vor allem der regionale Schwerpunkt. Denn in den nächsten fünf Jahren werden wir 41 % unserer Investitionen für den asiatisch-pazifischen Raum und nur 34 % für Europa bereitstellen.“ Zum Vergleich: Im Planungszeitraum 2019 bis 2023 entfielen 27 % auf die Region Asien-Pazifik und 43 % auf Europa.

mg

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