Automatisierung und Digitalisierung im Gleichschritt

Blick in das Werk im französischen La Roche Sur Yon. Sepro möchte auch weiterhin seiner technologischen Vorreiterrolle gerecht werden. Gerade die jetzigen Zeiten stellen viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die weiter fortsetzende Digitalisierung eröffnet aber auch neue Perspektiven auf dem Markt. Foto: Sepro

Im Interview spricht Dirk Schröder, Geschäftsführer Sepro Robotique in Deutschland, über die Coronakrise, Automatisierungstrends und die Digitalisierung.

Die digitale Entwicklung setzt sich gerade jetzt rasant fort und eröffnet auch der Automatisierung auf verschiedenen Ebenen neue Perspektiven. Gerade jetzt, da die Corona-Pandemie allgegenwärtig ist und sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft beeinflusst. Genau darin liegt jedoch auch eine Chance. In der Krise kann sich beispielsweise die Automatisierungs- und Robotikbranche beweisen. Das trifft auch auf die Kunststoffindustrie zu, deren innovative Lösungen gerade jetzt wichtiger denn je sind. Die zunehmende Automation sichert hier Produktionsprozesse bei Spritzgießverarbeitern ab. Bei der Automatisierung von Spritzgießmaschinen ist die Sepro Group der führende Hersteller im Bereich der Linearrobotik in Europa und Amerika.

Dirk Schröder, Geschäftsführer Sepro Robotique in Deutschland, sieht den Roboterhersteller auch in der Corona-Pandemie breit genug aufgestellt. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unsere Marktposition insbesondere im deutschsprachigen Raum weiter auszubauen.“ Foto: Sepro

Schröder: Sepro ist international breit aufgestellt, mit Standorten in allen wichtigen Märkten. In der derzeitigen Situation ist es natürlich wichtig, Produktion als auch Lieferketten aufrechtzuerhalten. Ebenso muss natürlich gewährleistet sein, dass Komponenten von den Lieferanten zu unserem Produktionswerk und Sepros Produkte an die Kundenstandorte geliefert werden können. Gerade in der Anfangsphase der Pandemie kam es hier teilweise zu Engpässen, da Transportunternehmen Schwierigkeiten hatten, überhaupt über die Grenzen zu gelangen.

Schröder: Die Corona-Krise hat natürlich aufgezeigt, dass wir bestimmte Produktionen – auch in Deutschland – gar nicht mehr haben. Gerade die Automation ist hier ein wichtiger Faktor, um beispielsweise den Aufbau alternativer Lieferketten zu unterstützen. Sicher ist, der Anteil der Automation wird und muss steigen, um wettbewerbsfähig bleiben und auch ein Stück weit autonomer agieren zu können.

„Die Automation ist ein wichtiger Faktor, um den Aufbau alternativer Lieferketten zu unterstützen.“

Dirk Schröder

Die Digitalisierung – Fluch und Segen zugleich?

Schröder: Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir haben jüngst bei unserer US-Tochter ein neues ERP-System eingeführt, und das ohne Vor-Ort-Betreuung unserer IT-Abteilung aus dem Headquarter. Dinge, die vorher undenkbar waren, wurden jetzt einfach über digitale Lösungsansätze realisiert. So können wir auch aus eigener Erfahrung sagen, dass Unternehmen aus unserem Kundenstamm, offen für virtuelle Meetings oder Webinare sind. Besonders auf der Service-Ebene erweitern wir unser Angebot an Remote-Tools.

Schröder: Durch Corona sind wir gezwungen worden, auf vielen Ebenen anders zu agieren und uns an die Situation anzupassen. Das zeigt sich allein schon anhand der veränderten Kommunikationskanäle in Form von Web-Meetings innerhalb des Teams bzw. mit Kunden und Interessenten. Die große Kunst für die Zukunft wird hier sein, die Balance zu finden, zwischen dem virtuellen und dem persönlichen Raum. Den persönlichen Kontakt untereinander kann kein virtuelles Meeting ersetzen.

Schröder: Natürlich wird derzeit versucht vieles mit virtuellen Messe abzubilden. Hier stellt sich immer auch die Frage, ob ich damit meine eigentliche Zielgruppe erreiche? Ich glaube die Zukunft liegt hier in einer hybriden Form, welche sowohl die virtuelle als auch die reale Welt abbildet.

Schröder: Es ist selbstverständlich schade, dass keine Messen stattfinden konnten. Gerade der persönliche Kontakt fehlt auf diesem Gebiet besonders. Die Absagen sind letztendlich vernünftig, da die Messen aufgrund der Situation nie unter normalen Umständen hätten stattfinden können.

Schröder: Definitiv. Natürlich fehlt die Kommunikation mit dem Wettbewerb. Der Austausch mit Kunden aber auch Wettbewerbern über Marktsituationen oder auch Entwicklungstrends ist ein wichtiger Aspekt für die Geschäftsentwicklung und ist besonders während einer Messe nicht wegzudenken. Weiterhin werden im Vertrieb die Geschäfte mit bzw. zwischen Menschen gemacht und deshalb müssen Menschen zusammenkommen. Ohne Messen ist das schwierig.

Schröder: Auch Sepro hat die Zeit konsequent genutzt und in die Weiterentwicklung der Robotik investiert. Bestes Beispiel ist die Success-Baureihe, die um eine zusätzliche X-Reihe erweitert wurde. Die Roboter der Success X-Baureihe verfügen über servomotorische Rotationsachsen, wie sie auch in einem Knickarmroboter zum Einsatz kommen. So wird aus einem 3-Achs-Linearroboter ein 5-Achs-Hybridroboter, der über eine wesentlich höhere Flexibilität verfügt. Darüber hinaus wird es 2021 Neues aus dem Steuerungsbereich zu verkünden geben.

Flexible Automatisierungslösungen rund um den Spritzgießprozess

Automatisierung am Puls der Zeit: Mit den Linearrobotern der Success-Baureihe bietet Sepro flexible Handhabungslösungen für den Einsatz an der Spritzgießmaschine. Foto: Sepro

Schröder: Sepro ist der Roboterhersteller in der Spritzgießtechnik, der die meisten Robotermodelle und Kinematiken in diesem Bereich stellt. Hier sind wir führend. Sepro bietet auch umfangreiche Automatisierungslösungen. Man kann sagen, dass wir sicherlich einer der größten Systemintegratoren in Europa sind. Wir integrieren unsere eigenen Roboter – darunter fallen auch Sepro-Stäubli- und Sepro-Yasakawa-Knickarmroboter – in Automationsanlagen und decken damit sämtliche Anwendungen rund um die Spritzgießmaschine ab. Durch die Gliederung in die drei Geschäftsbereiche Robotik, Automation und Service sind wir hier optimal aufgestellt, um auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. Im Bereich der Automation haben wir uns zum Ziel gesetzt, unsere Marktposition insbesondere im deutschsprachigen Raum weiter auszubauen.

Schröder: Der Markt für Spritzgießtechnik ist 2019 dramatisch eingebrochen – insbesondere in Deutschland. Das belegen auch aktuelle Zahlen der European Plastics and Rubber Machinery Association. Diese Entwicklung hat sich auch 2020 fortgesetzt, wenn auch in abgeflachter Form. Das betrifft auch die Robotik und Automation. Generell war 2020 kein sehr gutes Jahr für die Kunststoff-Spritzgießindustrie, auch wenn die Sepro GmbH das vergangene Jahr hier besser abschließen konnte, als beispielsweise 2019.

Treibende Kraft hinter dieser Gesamtentwicklung ist die Automobilindustrie und die damit einhergehende Ungewissheit in Sachen Mobilitätswende bzw. E-Mobility. Solange hier keine klare Richtung vorgegeben wird, werden wir auch keine Rückkehr zu alten Höchstständen erleben.

Die industrielle Fertigung im Wandel der Zeit – es wird digitaler und noch flexibler

Schröder: Exterieur-Parts werden größtenteils nach wie vor im Spritzgussverfahren hergestellt. Im Interieur-Bereich wird es vermutlich auch keine ganz so großen Veränderungen geben. Die Tendenz geht aber klar zu kleineren Stückzahlen. Potenzial verspricht hier die Additive Fertigung. Auch wird es sicherlich mehr Stecker bzw. Konnektoren geben, welche in zukünftigen Automobilen verbaut werden. Hohe Kavitäten und kurze Zykluszeiten sind hier entscheidend. In Summe wird sich im Bereich des automatisierten Spritzgießens nicht allzu viel ändern.

„Wir kooperieren mit dem Großteil der Spritzgießmaschinenhersteller, um unsere Steuerungsoberfläche in die Steuersysteme der jeweiligen Spritzgießmaschine zu integrieren.“

Dirk Schröder

Schröder: Wenn ein Roboter mit einer Maschine interagiert ist es so, wie wenn zwei Menschen miteinander reden. Die Frage die sich hier stellt: Was bzw. welche Daten sollen kommuniziert werden?

Zustandsdaten sind das Eine, zusätzliche Daten, in Form von Qualitätsdaten, das Andere. Von entscheidender Bedeutung sind letztlich auch Smart-Service-Daten aus proaktiven Serviceansätzen. Verschiedene Sensoren liefern hier Daten, mit denen sich Zustände übermitteln oder Auswertungen generieren lassen. Letzten Endes ist es wie bei uns Menschen: Einige können die ihnen gesendeten Daten verarbeiten, andere nicht.

Wir kooperieren bereits mit dem Großteil der Spritzgießmaschinenhersteller, um unsere Steuerungsoberfläche in die Steuersysteme der jeweiligen Spritzgießmaschine zu integrieren. So lässt sich ein Roboter auch über das Bedientableau der Spritzgießmaschine bedienen. Ziel ist es, ähnlich wie bei der Kommunikation zwischen Roboter und Spritzgießmaschine, diesen Ansatz auf den gesamten Automatisierungsbereich anzuwenden. Entscheidend hierbei ist, welche Daten vorhanden sind, welche Sinn machen und was der Kunde bereit ist zu investieren.

Schröder: Stand heute nicht. Wir sind spezialisiert auf die Spritzgießtechnik. Natürlich realisieren wir Lösungen im Bereich der allgemeinen Automatisierung, beispielsweise bei Verpackungszellen oder z.B. Stand-Alone-Lösungen für den Zu- und Abtransport. Wir behalten aber den Markt im Blick, konzentrieren uns derzeit jedoch auf unsere Kernbereiche.

Schröder: Servoachsen, wie wir sie beispielsweise in unseren aktuellen Success-X-Geräten einsetzen, bringen bereits wesentlich mehr Flexibilität. So werden Montagearbeiten oder auch Qualitätskontrollen vermehrt vom Roboter direkt an der Spritzgießmaschine durchgeführt. Roboter werden in Zukunft wesentlich mehr Aufgaben übernehmen. Auch die Rückverfolgbarkeit anhand von Produktionsdaten, also die Zuordnung von Qualitätsdaten auf ein Bauteil, wird eine noch wichtigere Rolle einnehmen.

Dominik Bechlarz