Arburg zeigt 3D-Druck direkt aus flüssigem Silikon

Beim 3D-Druckverfahren Liquid Additive Manufacturing (LAM) übernimmt eine Hochtemperatur-Halogenlampe die vollständige Vernetzung der flüssig verarbeiteten Silikonmaterialien. Foto: Innovatiq

Ab Juli können Besucher des Arburg-Kundencenter live erleben, wie sich mit Liquid Additive Manufacturing Bauteile aus flüssigem Silikon 3D-drucken lassen.

Im Arburg-Kundencenter in Loßburg ist ab Juli 2021 der LIQ 320 des 3D-Drucker-Herstellers Innovatiq aus München-Feldkirchen zu sehen, der Bauteile direkt aus flüssigem Silikon herstellen kann. Innovatiq, Branchenkennern noch unter dem früheren Firmennamen German Reprap bekannt, ist seit Februar 2020 Mitglied der Arburg-Familie. Die Unternehmerfamilien Hehl und Keinath wollen durch diese Akquisition den Schwerpunkt im Bereich additive Fertigung weiter ausbauen und verstärken.

Liquid Additive Manufacturing macht den 3D-Druck mit LSR möglich

Arburg gehört zu den weltweit größten und bekanntesten Herstellern von Spritzgießmaschinen zur Kunststoffverarbeitung und hatte bislang mit den Freeformern schon eigene Anlagen zur industriellen additiven Fertigung im Programm. Innovatiq entwickelt und fertigt seit ihrer Gründung im Jahr 2010 3D-Systeme auf Basis der FFF-Technologie (Fused Filament Fabrication). Hinzu kommt seit 2018 das neu entwickelte und weltweit einzigarte Liquid Additive Manufacturing (LAM), mit den Materialien wie Liquid Silicon Rubber (LSR) direkt gedruckt werden können. Ein Gerät aus diesem Segment mit neuer Steuerung präsentiert Innovatiq jetzt seit Juli in der Arburg-Zentrale in Loßburg.

„Mit der Integration von Innovatiq in die Arburg-Family haben wir die Maschinentechnologie und das Know-how erweitert und können unseren Kunden jetzt eine zusätzliche additive Fertigungstechnologie anbieten, mit der sie sich noch flexibler in ihren Märkten bewegen können“, sagt Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb und Service bei Arburg. Innovatiq ist Technologieführer bei der Herstellung von 3D-Bauteilen aus flüssigem Standard-Silikon (LSR). Seit der Markteinführung 2018 hat das Unternehmen die Technologie fortlaufend weiterentwickelt.

Aus flüssigem Silikon Bauteile in Losgröße 1 herstellen

Mit der intuitiven Mensch-Maschine-Schnittstelle der neuen Industriesteuerung des LIQ320 wird ein noch schnellerer Zugriff auf alle für den Druckauftrag wesentlichen Parameter möglich. Foto: Inovatiq

Mit dem LIQ 320 zeigt Innovatiq im Kundencenter von Arburg ein 3D-Drucksystem zur Verarbeitung von Flüssig-Silikonen, das die Münchener auch in ihrem Produktportfolio integriert haben. Neben der Produktoptimierung durch weitreichende Designfreiheiten sind Losgrößen ab Stückzahl 1 möglich. Weitere Anwendervorteile sind die Verkürzung des Time-to-market und die Individualisierung der Anlagen durch kundenspezifische Lösungen.

Neu ist vor allem die Industrie-Steuerung für den LIQ 320. Mit dieser intuitiven „Mensch-Maschine-Schnittstelle“ (HMI) wird ein noch schnellerer Zugriff auf alle für den Druckauftrag wesentlichen Parameter möglich. Der Operator behält dabei den gesamten Druckprozess auf einem Blick im Griff. Integrierte „Smart Functions“ helfen dabei, die Produktion sowohl schneller zu starten als auch den gesamten Bauvorgang zu beschleunigen.

Kreuz-, Gitter- oder Wabenstrukturen, also Geometrien, die mit herkömmlichen Fertigungstechnologien nicht umzusetzen waren, können mit dem LiQ 320 problemlos aufgebaut werden. Das LAM-Verfahren ermöglicht es, die Auftragsrichtung und damit auch die Vernetzung des Materials bis hinunter zur Molekülebene gezielt zu beeinflussen. Die neue Druckkopf-Technologie sorgt für eine präzise Dosierung sowie ein gleichbleibend ideales Mischverhältnis.

Vollständige Vernetzung der Materialien mit Halogenlampe

Wie Innovatiq erklärt, übernimmt eine Hochtemperatur-Halogenlampe die vollständige Vernetzung der Materialien. Eine individuell auf das jeweilige Bauteil abgestimmte Fahrgeschwindigkeit der Lampe stellt die gleichbleibend hohe Qualität der Artikel sicher. Durch die thermische Vernetzung wird die Druckzeit erheblich gesenkt.

Das im Lieferumfang enthaltene Software-Paket enthält alle nötigen Features, um Bauteile in Industrie-Qualität herstellen zu können. Die Parametereinstellungen lassen sich an die individuelle Geometrie der Teile anpassen. Ebenso können verschiedene Bereiche eines Bauteils speziell definiert und mit unterschiedlichen Parametern gedruckt werden. Zur langlebigen Hardware „Made in Germany“ kommt ein auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittener Vor-Ort Service hinzu. Dieser umfasst neben Wartung und Reparatur auch Soft- und Hardware-Trainings.

Enge technologische Zusammenarbeit mit Arburg geplant

„Der LIQ 320 ist eine ideale Ergänzung für unsere Kunden, die mit unseren Allrounder-Spritzgießmaschinen und den entsprechenden Ausstattungspaketen bereits seit langem Silikone verarbeiten, und für unsere AM-Kunden, die ihr Materialspektrum um LSR erweitern wollen“, so Gerhard Böhm weiter. Wichtig beim Einsatz der ergänzenden 3D-Drucktechnologie LAM ist vor allem, dass schnell gedruckte Prototypen aus flüssigem Silikon die Entwicklungszeit neuer Bauteile reduzieren helfen und sich, etwa durch den Wegfall mehrerer Anpassungsstufen, auch kostendämpfend auf den Spritzguss-Werkzeugbau auswirken.

Der LIQ 320 wird ab Juli dauerhaft für interessierte Kunden im Arburg-Kundencenter Loßburg zur Verfügung stehen. Arburg und Innovatiq werden ab diesem Zeitpunkt sowohl Vorführungen an diesem Gerät wie auch die Möglichkeit anbieten, individuelle Projekte gemeinsam zu realisieren. Wie Arburg betont, ergänzen sich das LAM mit dem LIQ 320, das Arburg Kunststoff-Freiformen AKF mit der Freeformer-Baureihe und das Spritzgießen auf Allroundern ideal und erweitern den Kompetenzbereich von Arburg in der additiven wie der Spritzgieß-Fertigung.

gk

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