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Über 3.700 Besucher kamen zu den Technologie-Tagen vom 22. bis 25. Juni 2022 nach Loßburg. Mehr als 30 Anwendungen waren allein im Kundencenter zu sehen.

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Arburg: Weniger Besucher bei Technologie-Tagen

Mehr als 3.700 Besucher aus 39 Ländern kamen zu den Technologie-Tagen von Arburg – weniger als vor der Pandemie; doch die Qualität stimmte.

Mehr als 3.700 Besucher aus 39 Ländern kamen zu den Technologie-Tagen von Arburg – weniger als vor der Pandemie; doch die Qualität stimmte.

Vor der Pandemie waren immer zwischen 6.000 und 7.000 Besucher aus über 50 Ländern bei den Technologie-Tagen in Loßburg. „Doch wir haben immer gesagt, dass es uns nicht auf die reine Besucherzahl ankommt. Unser Fokus liegt weniger auf der Quantität, sondern ganz klar auf Qualität“, betonte Michael Hehl, Geschäftsführender Arburg-Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung, schon während der Veranstaltung, die erstmals wieder nach nach über zwei Jahren Corona-Pause stattfinden konnte.

„Wir sind sehr stolz auf diese unglaubliche Besucherzahl, denn immerhin konnten ja coronabedingt ganze Regionen etwa aus Asien nicht anreisen“, sagte Juliane Hehl, die als geschäftsführende Arburg-Gesellschafterin den Bereich Marketing und Business Development verantwortet. „Hinzu kommt, dass wir die Technologie-Tage vier Monate vor der Weltleitmesse K veranstaltet haben – und nicht jeder kommt innerhalb von vier Monaten zweimal nach Europa. Die Technologie-Tage haben so ihren absoluten globalen Magnetfaktor wieder beweisen können.“

Unter dem Titel „Denkfabrik“ waren unter anderem rund 50 Maschinen-Exponate, die Effizienz-Arena mit Schwerpunkten zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Service-Lösungen und Expertenvorträge geboten. Mit der „Denkfabrik“ signalisierte der Maschinenbauer aus dem Schwarzwald, dass er frühzeitig zukunftsfähige Lösungen bietet. Als Beispiele dafür waren die „smarte“ Spritzgießverarbeitung von Rezyklaten und Bio-Kunststoffen zu sehen, das Kundenportal Arburgxworld und auch die Gestica-Steuerung mit ihren digitalen Assistenten wie dem AXW Control Fillassist, der in Kooperation mit dem Partner Simcon weiterentwickelt wurde, um die Füllsimulation weiter zu systematisieren und zu automatisieren. Der nächste Schritt folgt hier zur K 2022.

Technologie-Tage mit hohem Magnetfaktor

Erstmals waren die Schwesterfirmen AMK Motion und Innovatiq mit Lösungen für die Antriebstechnik respektive additive Fertigung präsent. Ein digitales Highlight war das neue 5G-Campus-Netz, das Arburg als Pilotkunde der Deutschen Telekom auf den Technologie-Tagen 2022 im Kundencenter für die vernetzte Fertigung in der Kunststoffverarbeitung nutzte.

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Fachvorträge im neuen Schulungscenter sowie die über das ganze Unternehmen verteilten Exponate und Ausstellungsbereiche deckten gefragte Themen wie Turnkey, Medizintechnik, additive Fertigung und Service ab.

Großes Besucherinteresse an Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Auf große Resonanz stieß die Effizienz-Arena, wo rund 20 Experten von Arburg und Partnern zu allen Themen rund um Arburggreenworld und Arburgxworld informierten. Die Schwerpunkte an den insgesamt neun Stationen lagen auf Lösungen für Ressourcenschonung und Digitalisierung entlang der gesamten Spritzgieß-Wertschöpfungskette. Die Besucher erfuhren bei der Fertigung sortenrein trennbarer Becher, ein Praxisbeispiel der Initiative R-Cycle, Wissenswertes zu den Schwerpunkten Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Ein Überblick über das gesamte Spektrum, das Arburg diesbezüglich bietet, war in zwei neuen, fest installierten Räumen zu sehen: In der Arburggreenworld verarbeitete ein hybrider Allrounder 370 H Post-Industrial-Rezyklat (PIR), das aus technischen Textilien (Airbags) stammte. Dazu war die Maschine mit dem neuen Rezyklat-Paket von Arburg ausgestattet. Im Bereich Arburgxworld wurden vielfältige Möglichkeiten aufgezeigt, die Produktion dank Digitalisierung effizienter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. Dort wurden auch die „smarten“ Gestica-Funktionen und das Leitrechnersystem ALS präsentiert.

Mehrere nachhaltige Anwendungen zu sehen

Als Lösung für intelligentes Markieren und sortenreines Sortieren, eine Voraussetzung für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft, wurde zum Beispiel die Holy-Grail-Technologie präsentiert, mit der sich ein digitaler Produktpass mit recycling-relevanten Informationen direkt auf dem Kunststoffteil hinterlegen lässt. Ein Praxisbeispiel waren 5-Liter-Eimer aus Post-Consumer-Rezyklat (PCR), gefertigt von einem hybriden Allrounder 820 H in Packaging-Ausführung in nur rund 5 s Zykluszeit. Durch eine ausgeklügelte „Rippenstruktur“ der Seitenwände ließ sich bis zu 18 % Material einsparen.

Die Herstellung nachhaltiger Mehrweg-Becher aus geschäumten PP demonstrierte ein hydraulischer Allrounder 470 S, ausgestattet mit einem Mucell-Paket. Bei dieser Anwendung des britischen Kunststoffverabeiters Bockatech wird das Material sowohl chemisch als auch physikalisch mit Gas angereichert und schäumt nach dem Einspritzen direkt im geöffneten Werkzeug auf. Das spart Material und Zykluszeit. Die mikrozellulären Strukturen sorgen für eine Gewichtsreduzierung von bis zu 50 % und wirken zudem isolierend. Die Wandstärke beträgt geschäumt 2,0 statt kompakt 0,7 mm. Den passenden Greifer für das handhabende Robot-System Multilift Select hatte zuvor ein Freeformer additiv gefertigt. Die Greiffunktion mit Luftführung wurde dabei in das Bauteil integriert, ganz ohne zusätzliche Pneumatik-Antriebe oder Ventile.

Ein PP-Compound mit bis zu 70 % Sonnenblumenschalen als Füll- und Verstärkungsstoff verarbeitete ein hybrider Allrounder 920 H zu Getränkekisten, während ein hydraulischer Allrounder 320 C Golden Edition im Papier-Spritzgießen Lochscheiben produzierte, mit denen Stroh-Isolierungen auf Lehmwände befestigt werden können.

Arburg: Starke Steigerung des Umsatzes

Arburg hat den Umsatz im vergangenen Jahr um 27 % gesteigert: Mit 735 Mio. EUR liegt er nur knapp unter dem Rekordwert von 750 Mio. EUR aus dem Jahr 2018.
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Maschine kommuniziert mit Werkzeug

Eine neue Lösung für die Kommunikation zwischen Werkzeug und Maschine präsentierte Arburg gemeinsam mit dem Partner Hack mit einem hybriden Packaging-Allrounder 630 H in Reinraumausführung, der transparente Blutröhrchen aus bruchsicherem PET fertigte. In das 32-fach-Werkzeug war das Computersystem „Moldlife Sense“ von Hack integriert, das den kompletten Lebenszyklus überwacht und ein Monitoring ermöglicht. Die Daten werden über eine OPC-UA-Schnittstelle direkt an die Maschinen-Steuerung weitergegeben. Auf diese Weise können zum Beispiel Störungen sowie leistungsabhängige Wartungsintervalle für das Werkzeug angezeigt werden.

Dosieranlage über OPC UA in Maschinensteuerung integriert

Die Digitalisierung bietet auch in der LSR-Verarbeitung praktischen Nutzen: Über OPC UA und die Euromap-Schnittstelle 82.3 können Dosieranlagen in die Allrounder-Steuerung integriert werden. Auf den Technologie-Tagen 2022 verfügten drei LSR-Exponate über eine solche OPC-UA-Anbindung: Drei Allrounder waren mit LSR-Dosieranlagen von Elmet, Nexus und Reinhardt Technik ausgestattet und fertigten Lichtleiter für die Automobilindustrie, sogenannte „Needle Free Valves“ für die Infusionstherapie sowie geschäumte Zehenpolster.

Markierungslose Teilerückverfolgung

Zusammen mit dem Start-up Detagto demonstrierte Arburg mit einem hydraulischen Allrounder 470 A eine neue Lösung, Spritzteile mittels „Invisible Tracing“ markierungslos rückzuverfolgen – zuverlässig, fälschungssicher und mit geringem Aufwand: Es genügt eine kleine Kamerastation in beziehungweise an der Maschine, ein kleiner Server außerhalb oder in der Cloud sowie eine zweite Kamerastation zur Wiedererkennung. Die Bilddaten der abfotografierten Oberfläche, die wie ein Fingerabdruck für jedes Bauteil minimal anders aussieht, werden in eine speicherbare Zeichenkette umgewandelt und an eine Datenbank übergeben. So lässt sich später jedes Bauteil eindeutig identifizieren.

Turnkey-Anlage für 90 verschiedene Produktvarianten

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Foto: Arburg
Die Technologie-Tage erstreckten sich wieder über das gesamte Unternehmen. Auf großes Interesse stieß auch die Turnkey-Ausstellungsfläche in der neuen Montagehalle, wo aktuelle Kundenprojekte zu sehen waren.

Auf den Technologie-Tagen waren zudem einige Fertigungszellen zu sehen, die Arburg aktuell mit Kunden realisiert. Ein Highlight war eine Fertigungszelle mit einer Drehtischmaschine, bei der gleich zwei Roboter koordiniert ins Werkzeug eingreifen. Eine weitere vollautomatisierte Turnkey-Anlage rund um einen elektrischen Allrounder war so konzipiert, dass sie fast 90 verschiedene Produktvarianten fertigen kann. Hierbei wurde besonderen Wert auf kurze Rüstzeiten gelegt. Gezeigt wurde weiterhin, wie sich 16 sehr filigrane Kontakte aus Schüttgut vereinzeln und in das Werkzeug einlegen lassen sowie ein Beispiel, wie man mit der Behälterbevorratung effizient in die automatisierte Kunststoffteilefertigung einsteigen kann.

Additive Fertigung mit dem Freeformer

Im Arburg Prototyping Center (APC) im Kundencenter erfuhren die Besucher alles rund um das Thema additive Fertigung. Experten zeigten, wie man mit dem AKF-Verfahren Mehrwert schaffen kann. Im APC verarbeiteten sechs Freeformer live verschiedenste Materialien, darunter PA10, PP, unterschiedliche TPU-Werkstoffe und Materialkombinationen davon.

Arburg macht den Freeformer deutlich schneller

Dank optimierter Software lassen sich jetzt Bauteile mit dem Freeformer und dem Arburg Kunststoff-Freiformen über 50 % schneller fertigen.
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sk