Arburg: Umsatz zurück auf Wachstumskurs

Die Arburg-Geschäftsführung bei der Pressekonferenz auf der Fakuma: dank starken Umsatzwachstums befindet sich das Unternehmen wieder auf WachstumskursFoto: K-ZEITUNG/Heinold

Das Management von Arburg präsentierte sich auf der Fakuma in glänzender Laune angesichts dessen, dass der Umsatz wieder auf Wachstumskurs ist.

Nach einem harten Jahr 2020 befindet sich der Spritzgießmaschinenbauer aus Loßburg dank starken Umsatzwachstums wieder auf Wachstumskurs. Das Unternehmen wird nach Angaben von Finanzgeschäftsführer Jürgen Boll im laufenden Jahr einen Umsatz in Höhe von mehr als 700 Mio. EUR erwirtschaften – und damit zwischen 20 und 30 % Plus gegenüber dem Vorjahr. Der Rekordumsatz von Arburg liegt bei 750 Mio. EUR, erzielt im Jahr 2018.

Sehr zufrieden mit Auftragseingang und Umsatz

„Mit den Auftragseingängen sind wir in diesem Jahr sehr zufrieden, entsprechend gut ist unsere Auslastung. Der Auftragsbestand reicht weit bis ins nächste Jahr“, sagte Boll auf der Pressekonferenz von Arburg am ersten Messetag. Der wertmäßige Auftragseingang – auf Euro-Basis – war bei den Maschinen inklusive Peripherie bis einschließlich August 2021 doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum 2020.

Der gute Auftragseingang führe jedoch an einigen Stellen zu längeren Lieferzeiten. Für Kunden, die an Standardmaschinen wie Allrounder Golden Electric oder Golden Edition interessiert sind, können sich die Lieferzeiten gegebenenfalls verkürzen, da Arburg – ähnlich wie die Wettbewerber – laut Boll neuerdings „einen kleinen Bestand an Lagermaschinen aufbaut, um dringende Anfragen nach Standardmaschinen in Zukunft schneller erfüllen zu können.“ Kunden, die das Portal Arburgxworld nutzen, können künftig den aktuellen Bestand sehen und direkt ein Angebot anfordern.

Ebenso wie die Konkurrenz beklagt auch Arburg den Materialmangel – insbesondere Stahl- und Aluminiumbleche sowie Elektronikbauteile seien knapp. „Wir hatten bis dato aber keine Produktionsstillstände und waren beziehungsweise sind wie geplant lieferfähig“, betonte Boll. Der Grund dafür sei die Supply-Chain-Strategie des Unternehmens. „Wir haben vorausschauend disponiert und unsere Lager gut gefüllt. Zudem profitieren wir auch hier wieder von unserem zentralen Produktionsstandort mit kurzen, stabilen und verlässlichen Lieferketten und einem hohen Eigenfertigungsanteil“, so Boll.

Wachstum in Deutschland – weiter größter Einzelmarkt

Laut Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm ist Deutschland nach wie vor der größte Markt für Arburg. Foto: K-ZEITUNG/Heinold

Der größte Einzelmarkt ist für Arburg nach wie vor Deutschland. „Hier verzeichnen wir weiterhin eine sehr positive Entwicklung, und liegen damit über den selbst gesteckten Zielen“, so Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm. „Auch in Europa sehen wir ein ganz ähnliches Bild. Nach dem sehr tiefen Tal 2019 und einer leichten Erholung 2020 verzeichnen in diesem Jahr alle Länder einen sehr erfreulichen Zuwachs. In Europa hat für uns derzeit das beste Niveau der Unternehmensgeschichte erreicht.“ Italien habe zu alter Stärke zurückgefunden und auch Automotive-lastige Länder wie Tschechien verzeichnen deutliches Wachstum.

Den US-Markt bezeichnete Böhm als „nach wie vor sehr gut“. Im Vergleich zu den anderen Ländern habe es hier selbst 2019/2020 keinen wesentlichen Einbruch gegeben. Auch China sei für das Unternehmen ein sehr wichtiger Markt. Hier will Arburg die Präsenz weiter ausbauen, um laut Böhm „noch näher an den Kunden zu sein und deren Bedürfnisse noch besser verstehen und erfüllen zu können.“ Nach der Eröffnung der Technology Factory in Pinghu, in der Spritzgießmaschinen kundenspezifisch angepasst werden, vor einem Jahr erfolgte an diesem Standort im August 2021 nun die Gründung des ersten Regional Headquarters von Arburg. Das Management vor Ort soll von dort aus den asiatischen Markt intensiver bearbeiten. Dazu gehören auch lokale Funktionen wie Human Resources, Finanzen oder Marketing.

Rezyklat-Paket gleicht Materialschwankungen aus

Technik-Geschäftsführer Guido Frohnhaus: „Digitale Werkzeuge sind sehr wichtig, um bei der Verarbeitung von Rezyklat hohe Schwankungen auszugleichen und den Einspritzprozess stabil zu halten.“ Foto: K-ZEITUNG/Heinold

Neuigkeiten aus Loßburg gab es natürlich auch auf technischer Seite. Ein großes Thema ist auf dem Fakuma-Stand Circular Economy. „Die Verarbeitung von Rezyklaten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Post-Consumer-Rezyklat ist dabei nur eine von vielen Rezyklat-Arten – das Spektrum ist hier extrem groß“, sagte Technik-Geschäftsführer Guido Frohnhaus auf der Pressekonferenz. „Aufgrund der nach wie vor stark schwankenden Materialqualitäten stellen Rezyklate jedoch hohe Anforderungen an Spritzgießmaschine und -prozess.“

Um diese komplexe Aufgabe für die Kunden zu vereinfachen, hat Arburg ein sogenanntes Rezyklat-Paket geschnürt: Verschiedene Steuerungsfunktionen und eine spezielle Ausstattung der Plastifizierung sorgen dafür, dass sich Rezyklate sicher verarbeiten lassen. Das Rezyklat-Paket gibt es für alle Allrounder und lässt sich auch nachrüsten.

„Digitale Werkzeuge sind sehr wichtig, um bei der Verarbeitung von Rezyklaten hohe Schwankungen auszugleichen und den Einspritzprozess stabil zu halten“, betonte Frohnhaus. Dazu gehören digitale Assistenzsysteme wie AXW Control Pressurepilot oder AXW Control Screwpilot, die Arburg schon länger anbietet.

Zwei neue digitale Assistenzsysteme

Premiere feiern auf der Fakuma die beiden neuen Assistenzsysteme AXW Control Cycleassist zur Optimierung der Zykluszeit und AXW Control Energyassist für ein energiesparendes Hochfahren der Aggregate in der Spritzgießmaschine – ganz gleich ob hydraulisch oder elektrisch.

Für die elektrischen Alldrive-Maschinen stellt Arburg ab der Fakuma außerdem zwei neue Leistungsvarianten für noch mehr Dynamik und Optionen zur Verfügung. Die Leistungsvariante „Comfort“ bietet sich für technische Präzisionsteile an, während die Variante „Ultimate“ mit rund 35 % schnelleren Trockenlaufzeiten für den High-End-Bereich – also für schnelllaufende Anwendungen oder Bauteile mit dünnwandigen Strukturen – prädestiniert ist. Kunden, die noch mehr Dynamik brauchen, können mit den Varianten „Comfort +“ und „Ultimate +“ die Einspritzgeschwindigkeiten jeweils um weitere 30 % erhöhen. So bietet die leistungsstärkste Maschine „Ultimate +“ Einspritzgeschwindigkeiten von bis zu 400 mm/s.

Neue Apps für Arburgxworld

Auch neue Apps stehen für das Kundenportal Arburgxworld zur Verfügung: Mit Analyticscenter lassen sich Werkzeugabmusterungen, Versuche und Spritzgießprozesse dokumentieren und analysieren. Die App Machinecenter wurde um das Feature „Customer Upload“ ergänzt, mit dem Kunden eigenes Equipment hinzufügen können. Zudem können die User des Portals sich Assistenzpakete freischalten, um diese kostenlos zu testen.

Sabine Koll

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