Arburg setzt auf den chinesischen Markt

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg: „Strategische Investitionen werden nicht angehalten, der Blick geht weiter in das Jahr 2021/2022.“ Foto: Arburg

Für Arburg hat der Markt in China eine große Bedeutung; das Geschäft vor Ort vor allem mit Turnkey-Lösungen wird daher sukzessive ausgebaut.

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg, unterstrich auf der Pressekonferenz am Tag vor der Eröffnung der Chinaplas, die Wichtigkeit des Markts in China: „Auch wenn sich die diesjährige Chinaplas aufgrund des Coronavirus voraussichtlich auf nationale Besucher beschränken wird, stand für Arburg von Anfang an fest, dass wir dabei sind.“ Der Messestand des Maschinenbauers aus Loßburg ist in Shenzen sogar fast 50 % größer ist als der bisherige in Guangzhou.

Damit wolle Arburg untermauern, dass der chinesische Markt für das Unternehmen extrem wichtig sei. Seit fast 30 Jahren ist Arburg mit eigenen Organisationen in China vertreten; heute an vier Standorten: Shanghai, Shenzhen, Pinghu und Hongkong. Um eine schnelle Verfügbarkeit für den Kunden zu gewährleisten, sind Servicetechniker und Vertriebsexperten zudem dezentral entlang des gesamten „Kunststoffgürtels“ entlang der Pazifikküste sowie im Zentrum des Landes im Einsatz.

In Shanghai baut Arburg sein Prototyping Center (APC) für die additive Fertigung aus. „Dieses APC ist mit seinen drei Freeformern etwas kleiner als das APC am Stammsitz in Loßburg, aber von den Möglichkeiten her vergleichbar. Kunden und Interessenten können hier Benchmark-Bauteile von unseren AM-Experten fertigen lassen und sich anwendungsbezogen beraten lassen“, so Böhm.

Seit Herbst 2020 vierter Standort in China

In Pinghu hat Arburg im Herbst 2020 den vierten Standort eröffnet – und zwar die Technology Factory (ATF), die laut Böhm „weit mehr bietet als Showroom, Schulungen, Ersatzteil- und Maschinenlager“. Auf einer Fläche von 2.300 m² sei vielmehr Platz für mehr als 60 Allrounder Spritzgießmaschinen. „Diese Maschinen stehen alle bereit, um kurzfristig nach den Endspezifikationen der Kunden vor Ort angepasst zu werden. Darüber hinaus entwickelt und baut unser Engineering-Team in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Turnkey-Anlagen auf.“ Darüber hinaus biete man hier anwendungstechnische Unterstützung und Beratung rund um das Thema Digitalisierung und Smart Factory.

Digitalisierung der Spritzgießfertigung auch in China gefragt

„Wir treiben die Digitalisierung weiter voran“, betont Zhao Tong, Geschäftsführer der Arburg-Organisationen in China. Foto: Arburg

Zur Digitalisierung gehört nach Darstellung von Zhao Tong, Geschäftsführer von Arburg China, „dass alle Allrounder mit der sogenannten Basic Connectivity ausgestattet sind“. Über ein standardisiertes IIoT-Gateway lassen sich die Spritzgießmaschinen von Arburg einfach und sicher mit den übergeordneten Software-Tools und Plattformen verbinden. So sind auch alle Chinaplas-Exponate mit dem Leitrechnersystem ALS und dem Kundenportal Arburgxworld verbunden. Letzteres ist laut Tong in 18 Sprachen verfügbar ist und wird mittlerweile von rund 2000 Kunden aus mehr als 20 Ländern genutzt.

Messepremiere hat auf der Chinaplas bei Arburg ein Allrounder aus der Baureihe Golden Electric in LSR-Konfiguration, der speziell für die Anforderungen des asiatischen Markts konzipiert ist. Das Exponat produziert vollautomatische anspruchsvolle LSR-Linsen für die Automobilindustrie, die beispielsweise in Matrix-Scheinwerfern für Pkw eingesetzt werden. Das schlüsselfertige Exponat ist hochgradig automatisiert: Es integriert einen Allrounder 470 E Golden Electric, ein Multilift Select Robotsystem, einen Sechs-Achs-Roboter der chinesischen Firma AID und eine Laserstation. Jedes Spritzteil wird mit einem gelaserten Data-Matrix-Code versehen, sodass die Produktionsdaten jedes einzelnen Bauteils zu 100 % rückverfolgbar sind.

Lösungen für den wachsenden Markt für Medizintechnik

Zu sehen ist auch eine Anwendung für die Medizintechnik: Anhand einer Turnkey-Anlage zeigt Arburg, wie ein vollautomatischer hybrider Allrounder 470 H Pipettenspitzen für den boomenden Markt der In-vitro-Diagnostik produziert. Dabei wird schwarzes, leitfähiges PP so verarbeitet, dass der Füllstand beim Pipettieren nachträglich erkannt werden kann. Die schlüsselfertige Anlage wurde für mehrere Produktvarianten konzipiert und von Arburg China in Zusammenarbeit mit lokalen Automatisierungspartnern realisiert. Zur integrierten Peripherie gehören drei Module zur Entnahme, Kamerainspektion und ein Picking-Modul.

„In den Bereichen Automotive und Medizintechnik verzeichnen wir weltweit und somit auch in China ein starkes Wachstum, dem wir mit Turnkey-Lösungen Rechnung tragen“, betonte Böhm. „Vor allem in der Medizintechnik ist dabei von Vorteil, dass der Kunde mit dem ALS die komplette Dokumentation des Produktionsprozesses erzielt.“

Mehr dazu, was Arburg auf der Chinaplas 2021 zeigt, lesen Sie hier.

Und hier gibt es einen kompakten Überblick über die Messe – und was sich die Hersteller davon versprechen.

Sabine Koll

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