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Unternehmen 14. März 2024

Arburg internationalisiert die Fertigung

Paradigmenwechsel bei Arburg: Die Fertigung der Spritzgießmaschinen erfolgt künftig nicht mehr nur in Loßburg, sondern auch auf anderen Kontinenten.

Die Arburg-Geschäftsführung am Vorabend der Technologie-Tage 2024: Sie hat gemeinsam mit den Gesellschaftern die Entscheidung getroffen, bei der Fertigung der Spritzgießmaschinen künftig eine neue, internationale Strategie zu verfolgen. Von links: Michael Hehl (Geschäftsführender Gesellschafte
Die Arburg-Geschäftsführung am Vorabend der Technologie-Tage 2024: Sie hat gemeinsam mit den Gesellschaftern die Entscheidung getroffen, bei der Fertigung der Spritzgießmaschinen künftig eine neue, internationale Strategie zu verfolgen. Von links: Michael Hehl (Geschäftsführender Gesellschafter), Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm und Technik-Geschäftsführer Guido Frohnhaus.

Zur strategischen Entscheidung, Fertigungen in Asien und Amerika aufzubauen, sagte Michael Hehl, Geschäftsführender Gesellschafter von Arburg, am Rande der Technologie-Tage des Unternehmens: „Um unser Familienunternehmen für die Zukunft weiterhin sicher und nachhaltig aufzustellen, gehen wir jetzt den nächsten Schritt und beschäftigen uns mit der Möglichkeit, Wertschöpfungsstufen zu internationalisieren. Wir denken also derzeit sehr intensiv darüber nach, der veränderten Welt- und Marktlage mit immer dynamischeren Anforderungen mit ‚Local-to-local‘-Aktivitäten zu begegnen. Die einstmals ‚durchglobalisierte‘ Welt entwickelt sich immer mehr wieder zu Hegemonialräumen Asien, Amerika und Europa. Dies berücksichtigen wir mit unseren Überlegungen.“

Fertigung in China soll den Start markieren

Auf Nachfrage erklärte Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm, dass man im ersten Schritt in der bereits bestehenden Technology Factory in Pinghu/China mit der Montage von Spritzgießmaschinen im Ausland beginnen werde. In der Folge sei dann die Produktion im nordamerikanischen Raum (USA, Kanada, Mexiko) angedacht. Starten will Arburg laut Böhm mit „ähnlichen Maschinen“, wie sie auch in Loßburg produziert werden. Später sollen die Spritzgießmaschinen lokalisiert, das heißt auf die jeweiligen Marktbedürfnisse abgestimmt werden.

Böhm hatte im Herbst 2023 im Interview mit der K-ZEITUNG bereits erklärt, dass man die Strategie Local for Local verfolge:

Arburg-Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm geht davon aus, dass Arburg seine Local-for-Local-Fertigungsstrategie künftig weiter ausbauen wird.
Arburg: „Wir müssen Local for Local produzieren“
Im Interview mit der K-Zeitung erklärt Vertriebsgeschäftsführer Gerhard Böhm, warum und wie Arburg die Strategie Local for Local weiter verfolgen wird.
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Auch in den USA und Tschechien verfügt Arburg aktuell über Technology Factories, in denen Allrounder Spritzgießmaschinen kundenspezifisch angepasst sowie Turnkey-Anlagen realisiert werden. Dort kooperiert das Unternehmen mit lokalen Werkzeug- und Peripherieanbietern.

„Dass Arburg ausschließlich in Loßburg produziert, hieß, dass diese Strategie zu früherer Zeit für uns richtig war. Aber sie war kein in Stein gemeißeltes Dogma“, so Hehl. „Vielmehr haben wir immer wieder auch andere Optionen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Kundennutzen geprüft – und uns dann jeweils entsprechend entschieden.“ Er betonte: „Die Sicherung des Standorts Loßburg spielt bei allen Entwicklungen und Veränderungen immer eine sehr wichtige Rolle. Das belegen auch die kontinuierlichen Investitionen in unsere Zentrale.“

Standort Loßburg als Entwicklungs- und Know-how-Zentrale

Im Jahr 2023 hat Arburg Standort Loßburg 27 Mio. EUR in Fertigungstechnik, Produktionslogistik und Infrastruktur investiert. Damit beträgt die Investitionsdeckungsquote 120 %, liegt also über dem Niveau der Abschreibungen. Hehl: „Der Standort Loßburg als Entwicklungs- und Know-how-Zentrale ist und bleibt ungeheuer wichtig – vor allem auch vor dem Hintergrund der herausfordernden Situation, in der wir uns nach wie vor befinden.“

„Es wäre zum jetzigen Zeitpunkt für uns einfach, in das allgemeine Klagelied der deutschen Industrie einzustimmen. Doch ist die derzeitige wirtschaftliche und politische Situation für uns keine Motivation, künftig im Ausland zu fertigen“, stellte auch Technik-Geschäftsführer Guido Frohnhaus klar.

Volles Haus von Beginn an auf den Technologie-Tagen 2024 in Loßburg
Volles Haus von Beginn an auf den Technologie-Tagen 2024 in Loßburg

11 % weniger Umsatz 2023 für Arburg

Im vergangenen Jahr hat Arburg 780 Mio. EUR Umsatz erwirtschaftet – und damit 11 % weniger als im Rekordjahr 2023. „Bereits seit dem vergangenen Jahr spüren wir – wie alle anderen Unternehmen in der Branche auch – einen deutlichen Rückgang bei den Auftragseingängen. Das spiegeln natürlich auch die Umsatzzahlen wider“, sagte Hehl. Der Auftragseingang sei nach wie vor schwach. Seit Januar 2024 nutzt Arburg in Deutschland unternehmensweit das Mittel der Kurzarbeit.

Die Marktschwäche betrifft laut Böhm alle Branchen und Regionen nahezu gleichermaßen. In der Automobilindustrie gibt es nach seiner Einschätzung eine Trendwende: Die Branche zeige eine minimale Erholung. Böhm weiter: „Die Elektronik-/Elektrobranche hat etwas an Stärke verloren, ist aber noch auf einem guten Niveau. Der Medical-Sektor entwickelt sich leicht positiv. Die Packaging-Branche ist stärker geworden.“ In der Baubranche sei „eine deutliche Beruhigung eingetreten“. Und der Sektor „Spiel, Sport, Freizeit“ habe sich wieder auf dem Vor-Covid-Niveau eingependelt.

Die einzelnen Regionen betreffend, sagte Böhm, dass „Deutschland etwas schwächer ins neue Geschäftsjahr gestartet“ ist. Der Markt hierzulande habe sich jedoch im Vorjahr gut behauptet. Der Rest von Europa bleibe insgesamt auf einem konstanten Niveau. Allerdings gewinne Osteuropa deutlich an Anteilen; insbesondere die Türkei und Polen hob er hervor. Der Markt in Amerika/USA bewege sich in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. „Und in Asien sehen wir nach einem sehr schwachen Jahr 2023 wieder etwas Licht am Horizont.“ Dies gelte auch für China.

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