AMI analysiert Europas Spritzgießindustrie

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Europas Spritzgießindustrie ist seit 2007 in allen Marktsegmenten gewachsen und nutzt verstärkt Recyclate – so eines der Ergebnisse der neuesten AMI-Studie.

Applied Market Information Ltd (AMI Consulting), einer der führenden Industrieberater, hat nach fünf Jahren Pause wieder die europäische Spritzgießindustrie analysiert. Das Ergebnis dürfte Branchenkenner nicht überraschen:  Seit 2007 ist Europas Spritzgießindustrie wertmäßig durchschnittlich um 3 % pro Jahr gewachsen, da sich die meisten ihrer Märkte von der Krise vor gut zehn Jahren erholt haben.

2018 schon 8 % der Rohstoffe aus Recyclat

Im Jahr 2018 wurde Neupolymer im Wert von mehr als 85 Mrd. EUR verarbeitet, wobei das Wachstum einerseits auf eine wachsende Nachfrage nach Polymeren, andererseits auf die gestiegenen Polymerpreise zurückzuführen ist. Neben Neuware nutzt die Industrie auch zunehmend Recyclat-Rohstoffe, die im Jahr 2018 laut AMI mit rund 8% zum Branchenwert beitrugen.

Anteil der verschiedenen Branchen am spritzgegossenen Polymer. Foto: AMI

Aufgrund der Vielseitigkeit des Spritzgießprozesses bedient die Branche ein äußerst breites Marktportfolio, wobei die Sektoren Verpackung, Automobil und Elektronik zu den größten Abnehmern zählen. Jeder Markt steht dabei vor unterschiedlichen Chancen und Herausforderungen; Gemeinsamkeit quer durch alle Branchen ist aber die zunehmende Bedeutung des Umweltschutzes.

Seit dem letzten Bericht von AMI Consulting über die Branche im Jahr 2014 sind alle wichtigen Marktsegmente gewachsen, wobei Verpackungen das nachhaltigste Wachstum zeigten, während Automotive in den letzten vier Jahren das robusteste Wachstum verzeichnete.

Über 12 Mio t Neupolymere verarbeitet

Die Gesamtnachfrage nach Spritzguss legte durchschnittlich um 1,6% pro Jahr zu. Die Nachfrage nach Neupolymeren schätzt AMI für 2018 auf über 12 Mio. t.

Spritzgießen ist laut AMI die am stärksten fragmentierte Kunststoffindustrie mit mindestens 8.000 Unternehmen, die den Prozess in Europa betreiben. Über 90 % der Unternehmen sind Single-Site-Spritzgießbetriebe, zur Branche zählen aber auch multinationale Unternehmen mit vielen Spritzgießstandorten in Europa. Die Branche zieht Private-Equity-Investitionen an, einige Unternehmen sind börsennotiert, aber etwa 95% der Unternehmen befinden sich in Familienbesitz.Die Globalisierung des Kundenstamms zieht auch Investitionen außerhalb Europas an, vor allem für die OEMs der Automobil- und Elektronikbranche, die in der Region investiert haben.

Anteil der verschiedenen Branchen am spritzgegossenen Polymer. Foto: AMI

Nach den Erhebungen von AMI führen jedoch die Zersplitterung der Spritzgießindustrie und die Vielzahl der von ihr bedienten Märkte zu einem wettbewerbsintensiven Geschäftsumfeld, in dem es Gewinner und Verlierer gab. So ist seit 2014 die Gesamtzahl der Spritzgießstandorte in Europa trotz erheblicher Investitionen in neue Standorte in Zentraleuropa gesunken. Unternehmen haben geschlossen oder konsolidiert. AMI führt dies vor allem auf Verlagerungen des Kundenstamms innerhalb und außerhalb Europas sowie Rückgänge aufgrund von interregionalem Wettbewerb oder Technologieentwicklung zurück. Generell gehen die Marktforscher aber davon aus, dass viele der Brancheteilnehmer auch weiterhin überleben werden.

Lohnfertigung überwiegt

Etwa 17% der Spritzgießwerke produzieren eigene oder proprietäre Produkte, wobei AMI davon ausgeht, dass diese Unternehmen mehr Kontrolle über ihr eigenes Schicksal haben. Die überwiegende Mehrheit sind aber Lohnbetriebe, deren Erfolg stark von der Auswahl des Produktfokus und der Kundenbasis abhängt. Viele davon setzen auf eine hohe Spezialisierung auf einen einzelnen Markt, während andere ihr Heil in einer möglichst breiten Aufstellung mit vielen Kunden in unterschiedlichen Branchen sehen.

Die Studie von AMI weist die wenigen Hundert Betriebe aus, die pro Jahr mehr als 10.000 t Polymer verarbeiten, und betrachtet die Betriebe mit mehr als 15.000 t im Bezug auf die von ihnen bedienten Märkte. Zusammen machen diese Unternehmen laut AMI etwa 58% des Gesamtvolumens an neuem Polymer aus, das durch Spritzgießen verarbeitet wird.

gk

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