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Absagen und Verschiebungen schaden Messewirtschaft

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma: „Wir müssen wieder über das Möglichmachen reden. Absagen und Verschiebungen kosten uns Milliarden.“ Foto: Steffen Kugler

Hin und Her der Politik kostet weitere 5 Mrd. EUR, denn 2022 wurden bereits 100 Messen verschoben oder abgesagt, was der Messewirtschaft enorm schadet.

Erneut startet die Messewirtschaft in Deutschland mit Absagen und Verschiebungen von Messen in das neue Jahr. Wenigstens 100 der 390 geplanten Messen sind bereits in spätere Monate oder das kommende Jahr verschoben oder gestrichen worden. Hintergrund sind Messe-Verbote oder weiter verschärfte Pandemie-Bestimmungen.

Hilfspakete wären für Messewirtschaft verzichtbar

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma: „Wir müssen wieder über das Möglichmachen reden. Corona-Verordnungen der Länder, die vier Wochen oder weniger Gültigkeit haben, sind keine Geschäftsgrundlage. Dieses Hin und Her der Politik kostet weitere fünf Milliarden Euro. Hilfspakete wären verzichtbar, wenn die Messewirtschaft im dritten Jahr dieser Pandemie nicht weiter daran gehindert würde, sicher machbare Messen veranstalten zu können.“

Mehr als 46 Mrd. EUR gesamtwirtschaftlicher Schaden verzeichnen die Messewirtschaft und die damit verbundenen Branchen in den zurückliegenden beiden Corona-Jahren. Vor der Pandemie trug die Messewirtschaft jährlich mit rund 28 Mrd. EUR zum gesamtwirtschaftlichen Plus bei. Grundlage sind Berechnungen des Ifo-Instituts.

Sonderfonds muss jede Form von Absage oder Verschiebung anerkennen

Der Sonderfonds Messen erfasst als Hilfspaket mittlerweile die wenigsten Absagen. Er stützt zwar Veranstalter, die Messen aufgrund eines behördlichen Verbots streichen müssen. Häufiger führen jedoch strenge Regelungen, wie starre Personenobergrenzen, dazu, dass Messen wirtschaftlich kaum mehr machbar sind oder wichtige Aussteller wegen Restriktionen nicht anreisen können.

Holtmeier: „Der Sonderfonds Messen muss zügig nachgebessert werden. Die unverschuldete Not der Veranstalter, Aussteller und ihrer Gewerke ist groß. Der Sonderfonds muss jede Form einer pandemiebedingten Absage oder Verschiebung unbürokratisch anerkennen. Vor allem brauchen ausstellende Unternehmen ein starkes Absicherungsprogramm.“

Die Messewirtschaft ist in der Pandemie die am härtesten betroffene Branche: Über 70 % der geplanten Messen wurden im vergangenen Jahr abgesagt, 2020 waren es 68 %. Waren es 2020 allein Minus 21,8 Mrd. EUR kamen im vergangenen Jahr noch einmal 24,4 Mrd. EUR Schaden hinzu. An der Messewirtschaft hängen 230.000 Jobs in Deutschland. 165.000 Arbeitsplätze sind mittlerweile gefährdet.

sl

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