7 Optionen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Für eine grüne Zukunft sind Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit unverzichtbar. Foto: Pixabay

Für den nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen und eine sinnvolle Kreislaufwirtschaft hat der VDMA in einem Diskussionspapier 7 Handlungsoptionen definiert.

Der VDMA setzt sich schon geraume Zeit für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffprodukte ein und hat jetzt mit dem Diskussionspapier „Für den nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen – pro Kreislaufwirtschaft“ 7 Optionen vorgestellt, bei denen der Verband Handlungsbedarf sieht.

Damit setzt der VDMA ein Zeichen gegen die Vermüllung der Umwelt durch Plastikabfälle und für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen. Denn Kunststoffprodukte bieten in ihrer Lebensphase große Vorteile bei den Themen Hygiene, Leichtbau oder CO2-Einsparung. Voraussetzung für eine Kreislaufwirtschaft sind ihre Rezyklierbarkeit nach Gebrauch und die Wiederverwendbarkeit in neuen Produkten.

Kreislaufwirtschaft erfordert funktionierenden Markt für Rezyklate

Entscheidend für das Gelingen der Kreislaufwirtschaft ist für den VDMA ein funktionierender Markt für den Einsatz von Kunststoff-Rezyklaten. Das betrifft sowohl die Menge, die Qualität als auch das Preisgefüge. Dieser Markt ist unter Druck, weil der Preis von Kunststoff-Neuware (Primärkunststoff) volatil und teilweise günstiger ist als der für Rezyklate (Sekundärkunststoff). Der Primärkunststoffpreis wird stark vom schwankenden Ölpreis beeinflusst. Dadurch gerät der Rezyklat Markt erheblich unter Druck.

Angemessene CO2 Bepreisung für mehr Nachhaltigkeit

Abhilfe könnte nach Überzeugung des VDMA eine angemessene CO2 Bepreisung schaffen. „Dafür setzen wir uns ein. Der CO2 Rucksack von Rezyklaten ist im Verhältnis zur Neuware um 1,5 bis 3,2 t leichter pro Tonne Kunststoff. Würde diese positive Klimabilanz eingerechnet werden, könnte eine Parität zwischen Primär- und Sekundärkunststoff hergestellt werden. Dies ist das marktwirtschaftliche Instrument der Wahl, bleibt aber seit vielen Jahren unberücksichtigt“, so der VDMA.

Die sieben Optionen des VDMA

Solange dieses Instrument nicht greift, sieht der VDMA folgende Handlungsoptionen auf europäischer Ebene:

1.) Pro Einsatzquote für Rezyklate (produktspezifisch)

Solange die Preisparität zwischen Primär- und Sekundärkunststoffen nicht hergestellt ist, sollte eine temporäre Rezyklat-Einsatzquote differenziert nach Anwendungsfällen ins Auge gefasst werden. Damit kann der Markt neu ausgerichtet und die preisliche Schieflage zwischen Rezyklaten und Neuware besser ausgeglichen werden. Die Ausgestaltung der Quoten sollte schrittweise und dynamisch erfolgen, ausgehend von einfachen Anwendungsfällen außerhalb der Lebensmittelverpackung, bei denen Standardkunststoffe (PE, PP, PET, PS und PVC) eingesetzt werden. Ein guter Startpunkt könnte der sonstige Verpackungsbereich sein.

Eine konsequent durchgesetzte Quotenregelung führt zu mehr Verwendung von Rezyklaten im Markt, trotz höherer Kosten und Mehraufwand bei der Verarbeitung. Gleichzeitig wird sie die Materialentwicklung bei Rezyklaten hin zu besseren Qualitäten befördern.

Wichtig ist allerdings, dass die Quoten-Regelung und die Marktüberwachung europaweit gelten und zügig umgesetzt werden. Voraussetzung ist, dass die Umsetzung bürokratiearm und ohne erhebliche negative wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere auf KMU und die Wettbewerbsfähigkeit, erfolgt.

2.) Pro Design für Recycling

Kunststoffprodukte sollten grundsätzlich so designt werden, dass ihre Rezyklierbarkeit am Lebensende gewährleistet ist. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, Kunststoffe in Produkten so zu kombinieren, dass eine klar definierte Materialtrennung bei den Abfallströmen erfolgen und damit die Recyclingfähigkeit hergestellt werden kann. Dabei darf es keine allgemeingültigen horizontalen Design-Vorschriften geben, vielmehr sollten Best-Practice Verfahren am Markt geteilt werden.

3.) Pro digitale Identifizierbarkeit von Altkunststoffen

Ein entscheidender Faktor bei der Kreislaufführung wird die transparente Verfolgbarkeit von Kunststoffen über ihren Lebenszyklus sein. Die Kombination aus einem recyclingfähig designten Produkt und dessen digitaler Nachverfolgbarkeit ermöglicht eine größtmögliche Material-Wiederverwertung. Hier kann der digitale Produktpass, bei richtiger Ausgestaltung, ein Lösungsansatz sein.

4.) Pro Standardisierung von Kunststoff-Rezyklaten

Kunststoffprodukte, unabhängig davon, ob aus Neuware oder Rezyklat, müssen hohen Qualitätsanforderungen genügen. Umso wichtiger ist es, gesicherte Qualitätsstandards auch für Rezyklate und deren Wiedereinsatz zu definieren. Das schafft Sicherheit für die Industrie und Vertrauen bei den Verbrauchern.

5.) Keine unnötigen Einschränkungen bei der Verwendung von Rezyklaten

Aktuell bestehen Widersprüche in der Zielrichtung verschiedener Regelsysteme. Einerseits sollen die Recyclingquoten deutlich erhöht werden. Andererseits verhindern oder bremsen Verordnungen und Gesetze bzw. öffentliche Ausschreibungen den Einsatz von Rezyklaten. Beispielsweise wird der Rezyklateinsatz bei Mülltonnen und Abwasserrohren unterbunden. Im Bereich der Lebensmittelanwendungen gibt es zwar inzwischen Möglichkeiten des Rezyklateinsates bei PET-Verpackungen, diese lassen sich allerdings aufgrund des abweichenden Polymerverhaltens nicht auf Polyolefine übertragen.

Hier stehen starre Vorgaben einer Belebung der Kreislaufwirtschaft im Wege. Einige dieser Regelsysteme müssen aktualisiert werden, um den Stand der Technik besser zu spiegeln, und sie müssen gleichzeitig deutlicher an den umweltpolitischen Vorstellungen ausgerichtet werden. Auch dieser Prozess sollte schrittweise erfolgen.

6.) Exportstopp von Plastikabfällen aus der EU in Drittstaaten mit geringeren Umweltauflagen

Kunststoffabfälle sind eine wichtige Ressource und damit wertvoll. Diese Ressource ist der Grundstock für neue Kunststoffgranulate und damit neue Kunststoffprodukte. Der Export dieser Ressource schmälert den heimischen Grundstock und führt zu Umweltproblemen, wenn die Exporte in Länder gelangen mit niedrigeren ökologischen Auflagen als in der EU. Die geplante Überarbeitung der Waste Shipment Directive kann hier Lösungen liefern. Deshalb sollten die Kunststoffabfälle im Kreislauf der EU verbleiben, und es sollte ein Exportstopp in Länder außerhalb der EU mit niedrigeren Umweltauflagen verhängt werden.

7.) Kunststoff für Klima

Kunststoffprodukte helfen in vielen Anwendungsfeldern den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, sowohl in der Herstellungs- als auch in der Produkt-Lebensphase. Leichtbauteile aus Kunststoff im Automobil sparen Kraftstoff, Gebäudeisolierungen mindern den Verbrauch von Heizöl, Verpackungen verhindern den Verderb von Lebensmitteln, deren CO2-Fußabdruck besonders groß ist. Kunststoffe tragen zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei und schaffen damit echte Vorteile für den Klimaschutz.

Um diese Leistungen deutlich zu machen und auch, um noch mehr beitragen zu können, sind Transparenz und wirtschaftliche Anreize notwendig. Im Sinne einer besseren Transparenz sollten Standards für die Bilanzierung des CO2-Fußabdrucks erarbeitet werden.

gk