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5G: Der Mittelstand braucht Unterstützung

Damit 5G von kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen in Deutschland implementiert wird, fordert Acatech, mit verschiedenen Maßnahmen eine 5G-Lawine ins Rollen zu bringen. Foto: ADMC/Pixabay

Die mittelständische deutsche Industrie in Deutschland zögert beim Einsatz des neuen Mobilfunkstandards 5G; daher soll eine 5G-Lawine ins Rollen kommen.

Acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, will diese 5G-Lawine lostreten, um gerade kleine und mittelständische Industrieunternehmen zu ermutigen, den neue Mobilfunkstandard als zentralen Enabler für Industrie 4.0 zu implementieren. Heute zeigen sich viele dieser Unternehmen noch sehr zögerlich: Zu hoch sind die antizipierten Kosten, zu wenig bekannt der individuelle Nutzen, so die Acatech-Experten.

Mittelstand tut sich mit Entwicklung und Bewertung von Use Cases schwer

„5G zeichnet sich durch bisher nicht bekannte Reaktionszeiten, übertragbare Datenmengen und hochgenaue Lokalisierung aus. Diese Vorteile sind heute unzureichend transparent, so dass Industrieunternehmen nicht in der Lage sind, entsprechende Use Cases zu entwickeln und diese auch finanziell zu bewerten“, sagt Acatech Mitglied Jürgen Fleischer, Leiter des Instituts für Produktionstechnik (WBK) am KIT. „Deshalb muss das Ziel sein, 5G-Anbieter und industrielle Anwendungsdomänen gezielt zusammenzubringen, um dieses enorme Potenzial heben zu können.

Um eine 5G-Lawine loszutreten und die breite Einführung der nutzenbringenden Technologie zu fördern, sollten daher nach Einschätzung von Acatech zusammen mit Unternehmen (Leuchtturm-)Anwendungsbeispiele entwickelt werden, um den konkreten Nutzen praxisnah aufzuzeigen, fordert die Projektgruppe.

Die Politik sollte 5G höher auf die Agenda

Doch Acatech fordert auch von der Politik, das Thema 5G höher auf die Agenda setzen. Ihre Aufgabe sei es, einen möglichst breiten Zugang zur Technologie sowie einen souveränen Umgang damit zu ermöglichen, schreiben die Autoren des Impulspapiers „5G in der Industrie“.

Denn die Komponenten für die 5G-Infrastruktur stammen aktuell von nur einigen wenigen Herstellern: Die drei größten Hardwareproduzenten Huawei, Ericsson und Nokia besitzen einen Marktanteil von über 75 %.

Standardisierte und offene Netzarchitektur sorgt für mehr Digitale Souveränität

Damit sind, so das Acatech-Papier, mit der Einführung von 5G auch zwangsläufig Fragen nach der Digitalen Souveränität Deutschlands und Europas verbunden. Um nicht in zu große Abhängigkeit von einigen wenigen Anbietern zu geraten, könnte die Einrichtung einer standardisierten und offenen Netzarchitektur sinnvoll sein: Mit ihrer Hilfe wäre die vertikale Kompatibilität zwischen verschiedenen Hardwareherstellern möglich, was auch die Sicherheit der Zugangsnetze erhöht.

Auch wünschen sich Industrieunternehmen politische Einflussmöglichkeiten auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene – und zwar bei den Themenbereichen Datenschutz, Lizenzvergaben, finanzielle und beratende Förderungen sowie im Ausbildungssystem und bei Genehmigungsverfahren. „Beispielsweise könnten kurzfristige und zeitlich begrenzte Vergaben einer Lizenz über ein Onlineportal den neuen Bereich ‚5G on demand‘ ermöglichen und damit zu neuen Anwendungsfällen führen.“

sk