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100 Jahre Erhardt+Leimer

Erhardt+Leimer feiert sein 100-jähriges Bestehen und besetzt heute erfolgreich eine spezielle Nische in der Automatisierungstechnik.

Im laufe der vergangen 100 Jahre hat sich das Unternehmen stetig weiterentwickelt und beschäftigt derzeit über 1.600 Mitarbeiter. Im Bereich  der Automatisierungstechnik hat sich das Unternehmen insbesondere auf die Regelung und Inspektion aller Materialien spezialisiert, die in Form von laufenden Bahnen produziert und verarbeitet werden.

Blicken stolz auf 100 Jahre Erhardt+Leimer zurück: Hannelore Leimer, seit 1977 Vorsitzende der Geschäftsführung und Dr. Michael Proeller, CEO. Foto: Erhardt+Leimer

Im Jahre 1919 als Handwerksbetrieb von Manfred Erhardt in Augsburg gegründet, widmete sich das Unternehmen zunächst dem Vertrieb und Service von Industrieuhren und Signalanlagen. Sechs Jahre später trat Albert Leimer in die Firma ein. 1935 begann E+L mit der Entwicklung und Herstellung erster feinmechanischer Apparate für die lokale Textilindustrie. Parallel zum Aufschwung der Textilunternehmen wuchs die Firma und spezialisierte sich auf Warenführungsgeräte zur automatischen Regelung des Bahnlaufs in Textilmaschinen. 1960 erweiterte Erhardt+Leimer den Tätigkeitsbereich auf die Druck- und Folienindustrie, später kamen die Verpackungs-, Vliesstoff- und Reifenindustrie hinzu.

Der Einstieg in die Papierindustrie erfolgte Anfang der neunziger Jahre. Bereits 1995 führte das Unternehmen die Digitaltechnik und die Kameratechnik als Standard für ihre Automatisierungssysteme ein, 2000 erfolgte dann der Einstieg in die Inspektionstechnologie. Heute ist die Erhardt+Leimer Gruppe ein global agierendes Unternehmen mit Tochtergesellschaften, Niederlassungen und über 300 Service-Stationen auf der ganzen Welt und einem breiten Portfolio im Bereich der Automatisierungs-, Mess- und Inspektionstechnik für die Produktion und Veredelung von bahnförmigen Materialien. Im Patentbereich hält Erhardt+Leimer aktuell 782 nationale oder internationale Patentanmeldungen, Patente und Gebrauchsmuster.

Internationaler Markt mit hohem Stellenwert

Der Hauptabsatzmarkt ist Asien mit einem Umsatzanteil von über 60 %, ein weiterer bedeutender Markt sind die USA. E+L hat sich in allen wichtigen Industrieländern mit eigenen Tochtergesellschaften etabliert, 19 sind es bis dato. In Indien, China und den USA existieren auch Fertigungswerke. Die erste Auslandsniederlassung wurde bereits vor 45 Jahren in Brasilien gegründet, damals ein großes Wagnis. Die frühzeitige globale Expansionsstrategie ging auf: „Rückblickend gesehen waren diese Firmengründungen in Europa, Amerika und Asien wichtige Meilensteine für die Entwicklung des Unternehmens“, erläutert Firmenchefin Hannelore Leimer. „Damals haben wir die Basis geschaffen für unsere heutige globale Vernetzung. Ohne diese internationale Marktpräsenz wäre die E+L-Erfolgsgeschichte nicht in diesem Maße möglich gewesen.“

An der Spitze des familiengeführten Unternehmens steht neben Hannelore Leimer, Tochter des Firmenmitbegründers Albert Leimer und seit 1977 Vorsitzende der Geschäftsführung, ihr Neffe Dr. Michael Proeller als CEO. Heute überlässt sie das operative Geschäft weitgehend den Mitgliedern der Geschäftsführung, ihre große unternehmerische Erfahrung ist aber nach wie vor gefragt: „In einem Familienunternehmen ist der Übergang von einer Generation zur nächsten eine schwierige Phase“, erklärt Hannelore Leimer. „Ich sehe mich in der Verantwortung, diesen Übergang in unserem Unternehmen konstruktiv und zukunftsorientiert mitzugestalten.“

Druck- und Folienindustrie als neues Standbein

Eines der ersten Geräte für die Druckindustrie von Erhardt+Leimer: der Drehrahmen VG 50, der 1970 auf den Markt kam. Foto: Erhardt+Leimer

Nachdem die Firma in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens hauptsächlich Geräte für die Textilindustrie entwickelt hatte, fasste Erhardt+Leimer ab 1960 auch in der grafischen Industrie Fuß. Dort konnten die Warenbahnführer für textile Bahnen nicht eingesetzt werden, das Unternehmen entwickelte daher mit dem Drehrahmen ein neues Produkt für die Korrektur der seitlichen Bahnposition. Heutige Bahnlaufregler verwenden zwar die neueste Technologie, das Funktionsprinzip dieses höchst kompakten Systems ist aber dasselbe wie damals.

Ab 1980 entwickelte Erhardt+Leimer die ersten CCD-Zeilenkameras, die als Kantensensoren für die Bahnlaufregelung eingesetzt wurden. Auf der Drupa, der weltgrößten Messe der Druckindustrie, stellte das Unternehmen dann im Jahr 1995 als Weltneuheit ein durchgängig digitales Bahnlaufregelsystem vor. Anfang 2000 folgte die Zeilenkamera OL 50 für die Oberflächeninspektion. Drei Jahre später kam das Bahnbeobachtungsystem ELSCAN hinzu, und 2005 rundete die Druckbildinspektion das Portfolio für den Bereich der Qualitätssicherung ab.

Mitglied der jüngsten Bahnlaufregler-Generation, der DRB14. Foto: Erhardt+Leimer

Ein weiterer Meilenstein war der erste selbstentwickelte bürstenlose Antrieb für die Bahnlaufregelung, der AG 9, mit dem E+L 2017 eine wichtige Komponente der neuen Bahnlaufregler-Generation EL.NET auf den Markt brachte. Weitere im Laufe der Jahrzehnte entwickelte Produkte und Systeme für die Druck- und Folienindustrie sind Bahnkraftregelungen, Dickenmesssysteme, Schneidgeräte, Positionier- und Nachlaufregelsysteme und Wickelstationsregelungen, jeweils mit zugehöriger Sensorik. An der Spitze des Vertriebsbereiches Druck/Folie, der international ein wichtiges Standbein der Unternehmensgruppe darstellt, steht seit 2001 Dirk Schröder.

Der Digitalisierung gehört die Zukunft

Ein wichtiges Zukunftsthema ist die Digitalisierung der Produktion im Hinblick auf Industrie 4.0, für die sich E+L gut gerüstet sieht. „Alle aktuellen E+L-Komponenten sind ‘I 4.0-ready‘, das heißt geeignet für die Einbindung in Produktionsanlagen der neuesten Generation“, erklärt CEO Dr. Michael Proeller. „Jede der in hohen Stückzahlen gefertigten E+L Komponenten, seien es Sensoren oder hochpräzise Linearantriebe, sind durchgängig aktiv und passiv vernetzbar. Die E+L Technologie fügt sich daher passgenau in die Fertigungs- und/oder ERP-Systeme unserer Kunden ein, um eine vernetzte und damit dokumentierte und automatisierte Fertigung zu ermöglichen.“

„Ein Unternehmen muss sich spätestens alle zehn Jahre häuten, also Bestehendes kritisch hinterfragen und notwendige Veränderungen einleiten, um mit seiner Technologie am Ball zu bleiben und auf dem Markt zu bestehen“, sagt Firmenchefin Hannelore Leimer. „Ich bin stolz, dass es uns gelungen ist, trotz der vielen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen das Unternehmen sicher und stabil durch die zurückliegenden 100 Jahre zu führen und dabei stets auf die aktuellen Technologie- und Marktveränderungen auszurichten.“

db