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10 Millionen Euro für die Zukunft der Kunststoffe

Beim Spatenstich in Schkopau: (v.l.) Uwe Schumann, Architekt, Hans-Joachim Hennings, Wirtischaftsministerium Sachsen-Anhalt, und Peter Michel, Leiter des Bereichs Polymerverarbeitung am Fraunhofer PAZ. Foto: Fraunhofer PAZ

Für 10 Mio. EUR werden am Fraunhofer PAZ bis 2020 rund 1.000 m² zusätzliche Nutzfläche geschaffen und mit hochmodernen Maschinen ausgestattet.

Ob Hochleistungsbauteile für den automobilen Leichtbau, optimierte Prozesse für die Kunststoffindustrie oder die Erforschung neuer, biobasierter Werkstoffe: Das Fraunhofer PAZ in Schkopau bietet Lösungen, neue Polymerwerkstoffe und entsprechende Bauteile für die Anwendung zu fertigen. Seit 2005 unterstützt die Forschungseinrichtung, die gemeinsam vom Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) und dem Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm betrieben wird, ihre Kunden mit exzellenter Materialkompetenz. Die Besonderheit dabei: Im Fraunhofer PAZ werden neue Polymerprodukte und -Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt und optimiert – vom Monomer über die Polymersynthese und Kunststoffverarbeitung im Pilotmaßstab bis hin zum geprüften Bauteil nach Maß.

Anwendungszentrum für digitale Lösungen in der Kunststoffindustrie

»Mit dem Ansatz, unsere Kompetenzen zu bündeln und Unternehmen mit unseren einzigartigen technischen Möglichkeiten vor allem beim Scale Up in den produktionsnahen Maßstab zu unterstützen, sind wir sehr erfolgreich. Durch die Erweiterung werden wir darüber hinaus zu einem Anwendungszentrum für digitale Lösungen in der Kunststoffindustrie«, sagt Prof. Peter Michel, Leiter des Bereichs Polymerverarbeitung am Fraunhofer PAZ. »Von der Materialzusammensetzung über das Design und die Sensorierung von Bauteilen bis hin zur Anpassung der Produktionsprozesse, um die Potenziale der Industrie 4.0 voll auszuschöpfen, – in all diesen Bereichen verändert die Digitalisierung die Branche rasant. Wir stellen am Fraunhofer PAZ die Lösungen bereit, damit Unternehmen nicht nur vorbereitet sind, sondern von diesen Entwicklungen profitieren können«, so Michel.

Umfangreiche Ausstattung

Neben umfangreicher neuer Infrastruktur rund um den »digitalen Zwilling« von Werkstoffen wird zur erweiterten technischen Ausstattung im Bereich der Polymerverarbeitung künftig auch ein Innenmischer zur Verarbeitung verschiedenster Elastomer-Komposite gehören, ebenso wie hochschnelle Handlinggeräte und -maschinen für die Herstellung von thermoplastischen Faserverbund-Bauteilen. Auch für den Einsatz biobasierter Materialien und für Reifenanwendungen wird das erweiterte Pilotanlagenzentrum noch bessere Möglichkeiten bieten. Ein weiter ausgebautes Spezialgebiet am Fraunhofer PAZ ist die Herstellung von UD-Tapes. Diese Leichtbautechnologie ermöglicht es, Fasern aus Glas, Kohlenstoff oder anderen Materialien in faserverstärkten Kunststoffen gezielt so zu orientieren, dass sie dem späteren Lastverlauf im Bauteil optimal entsprechen. So entstehen hochbelastbare Bauteile mit sehr geringem Gewicht – ideal, um beispielsweise Metallbauteile im Auto durch leichtere Kunststoffe zu ersetzen und somit Fahrzeuggewicht und Emissionen zu senken.

Land stärkt Pilotanlagenzentrum

»Diese Themen passen ideal zur Innovationsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt, ebenso wie der Fokus auf die Digitalisierung. Deshalb unterstützen wir den Ausbau des Fraunhofer PAZ sehr gerne«, sagt Hans-Joachim Hennings, Abteilungsleiter »Innovation, Wirtschaftsförderung und Digitalisierungsprojekte« im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, der heute im Beisein von Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik den Spatenstich für den Erweiterungsbau vornahm. »Im Pilotanlagenzentrum werden Lösungen und Wettbewerbsvorteile unmittelbar für die Unternehmen der Region geschaffen – und das nicht nur für die Kunststoffindustrie, sondern über viele Branchen hinweg. In dieser wichtigen Rolle, auch im Rahmen des vom Land unterstützten Leistungszentrums Chemie- und Biosystemtechnik, stärken wir das Pilotanlagenzentrum durch die neuen Möglichkeiten«, so Hennings.

Bis 2020 werden die Baumaßnahmen abgeschlossen und die neuen Geräte installiert sein. »Wir freuen uns sehr über die Förderung, denn so können wir einerseits der wachsenden Nachfrage unserer Kunden begegnen, andererseits strategische Wachstumsfelder wie den thermoplastbasierten Faserverbundleichtbau sowie maßgeschneiderte Elastomere-Komposite noch besser bearbeiten. Damit sind wir bestens aufgestellt, um auch für den künftigen Bedarf unserer Auftraggeber eine führende Position einzunehmen«, sagt Prof. Peter Michel.

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