Branche 20.03.2017 1 Bewertung(en) Rating

Technologie-Tage als Marke

Insgesamt 6.700 Besucher aus 53 Nationen haben in diesem Jahr die Technologie-Tage bei Arburg besucht – und damit etwas weniger als im Vorjahr. Besonders groß war das Interesse der Besucher an dem neuen großen Allrounder 1120 H, an der Effizienzarena, in der ein "smarter" Kofferanhänger in einer nachgeahmten digitalen Fabrik gefertigt wurde sowie am Metall-Pulver-Spritzgießen.

"Die Technologie-Tage sind selbst zu einer Marke geworden: Insgesamt konnten wir seit 1999 rund 75.000 Besucher bei unseren Technologie-Tagen in Loßburg begrüßen", sagte Michael Hehl, Geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung bei Arburg. "Und das sind keineswegs immer nur Stammgäste. Vielmehr kommen jedes Jahr rund 50 Prozent Erstbesucher."

 - Erneut volles Haus in Loßburg: 6700 Besucher aus 53 Nationen haben in diesem Jahr die Technologie-Tage bei Arburg besucht.
Erneut volles Haus in Loßburg: 6700 Besucher aus 53 Nationen haben in diesem Jahr die Technologie-Tage bei Arburg besucht.
Arburg

Technik-Geschäftsführer Heinz Gaub freute sich bereits kurz nach der Eröffnung des Events über ein volles Haus: Im neuen Prototyping Center, mit fünf Freeformern für die additive Fertigung bestückt, war am Morgen kaum noch Durchkommen. "Um der starken Nachfrage unserer Kunden nach Musterteilen schneller nachkommen zu können, verarbeitet jeder der fünf Freeformer jeweils ein festes Material. Somit entfallen Materialwechsel – und wir sparen Zeit", erklärte Gaub. Er betonte aber, dass Arburg kein Prototypen- und Musterteile-Lohnfertiger werden wolle. Auf der Fakuma 2017, so stellte er in Aussicht, werde der Freeformer auch Langfasern verarbeiten können.

Lange Schlangen beim Giveaway Tritthocker

Groß war auch das Gedränge beim neuen Arburg-Flaggshiff, dem hybriden Allrounder 1120 H mit 6.500 kN Schließkraft, der auf der K 2016 vorgestellt worden war. Wie schon in Düsseldorf war er Zentrum einer Turnkey-Anlage, die als Geschenk für die Besucher gebrauchsfertige Klapptrittschemel produzierte. Das neue moderne Design der Maschine und auch die Multi-Touch-Steuerung Gestica sollen nach Aussagen von Gaub in den nächsten drei Jahren Schritt für Schritt auf andere Maschinenbaureihen übertragen werden.

Bereits für die Fakuma im Oktober sei der nächste Schritt geplant. Ob es die leistungsfähige Gestica-Steuerung auch für kleinere Standardmaschinen geben wird, ließ er offen. "Schließlich verkaufen wir Maschinen und nicht Steuerungen mit angeschlossener Maschine", sagte er lächelnd. Die bewährte Selogica-Steuerung werde es auch in Zukunft weiter geben, Arburg will auch sie einer "Renovierung" unterziehen. "Letztlich werden die Kunden entscheiden, wie lange es die Selogica-Steuerung noch geben wird", stellte Gaub klar.

In der Effizienz-Arena zeigte Gaub, wie "smarte" Kofferanhänger nach dem Prinzip der räumlich verteilten Fertigung in der Smart Factory gefertigt wurden. Die Effizienz-Arena war sozusagen eine kleine Fabrik, in der Arburg wesentliche Elemente von Industrie 4.0 veranschaulichte.

Gezeigt wurden in der Effizienz-Arena die Fertigungsabfolge an räumlich getrennten Orten, bei denen das Produkt seinen Fertigungsprozess selbst steuert, die kundenspezifische Individualisierung von Großserienteilen – durch Kombination von Spritzgießen und Additiver Fertigung, das Einbinden online eingegebener Kundenwünsche direkt in die Wertschöpfungskette sowie die lückenlose Rückverfolgbarkeit jedes individuellen Bauteils über das Arburg-Leitrechnersystem ALS. "Nur wer die gesamte Prozesskette fertigungs- und datentechnisch komplett beherrscht und darstellen kann, zeigt eine umfassende Industrie-4.0-Kompetenz, wie sie unsere Kunden benötigen", betonte Gaub.

Im Servicebereich stellte er zudem an einem hybriden Allrounder 370 H ein neues Fernwartungstool vor, das einen schnellen, effizienten und sicheren Onlinesupport ermöglicht. Für diesen "Smart Service" von Arburg ist die Spritzgießmaschine mit einem Servicerouter und integrierter Firewall ausgerüstet. Mit dem Onlinesupport lassen sich Störungen und Prozessabläufe effizient analysieren und optimieren.

Als eines von vielen anwendungstechnischen Highlights der Technologie-Tage in Loßburg demonstrierte Gaub im Kundencenter das Metall-Pulver-Spritzgießen auf einem hydraulischen Allrounder 470 C Golden Edition: Mit dem Verfahren lassen sich erstmals dünnwandige Rahmen für Smartphones fertigen – ohne dass diese anschließend noch spanend bearbeitet werden müssen. "Zurzeit ist diese Anwendung noch nicht in der Serie. Die Prozesstechnik aber steht ebenso wie das Werkzeug. Wir gehen außerdem davon aus, dass diese Art der Herstellung von Rahmen und Rückseiten deutlich kostengünsti­ger ist", sagte Gaub. "Wir sind derzeit im Gespräch mit Herstellern."

Zum Einsatz kam in Loßburg ein hydraulischer Allrounder 470 C mit 1.500 kN Schließkraft und PIM-Ausstattung. Die Spritzgießmaschine verarbeitete den fließverbesserten Feedstock Catamold 17-4 PH Plus von BASF zu einem rund 1 mm starken und 136 mm langen Grünling. Die Zykluszeit betrug rund 55 s. Um eine konstante Gründichte über das gesamte­ Bauteil zu erreichen, wurde das Werkzeug mit flüssigkeitstemperiertem Heißkanal dynamisch temperiert. Gaub: "Dadurch werden sehr gute Oberflächen erzeugt, die sich anschließend hochglanzpolieren lassen. Die Teile lassen sich außerdem mit einer sehr hohen Genauigkeit von plus, minus 0,02 Millimetern fertigen, so dass sie ohne Nachbearbeiten direkt in die Montage gehen können."

Mehr als 1.000 Maschinen für das Metall-Pulver-Spritzgießen hat Arburg mittlerweile im Markt. Der Technik-Geschäftsführer zeigte während des Rundgangs durch die Technologie-Tage eine weitere Schwerpunktanwendung aus diesem Bereich: die Herstellung von Bauteilen für die Schmuck- und Uhrenindustrie. Das Know-how der Schwarzwälder reicht dabei von der Feedstock-Aufbereitung über die Herstellung von Mikro-PIM-Teilen bis zur wirtschaft­lichen Baugruppenintegration sowie Konzipierung und Realisierung kompletter Turnkey-Anlagen. Zudem lassen sich im PIM-Labor in Loßburg neben dem Spritzgießen auch alle vor- und nachgelagerten Produktionsschritte unter Praxisbedingungen testen.

sk

Kommentar schreibenArtikel bewerten
  • Funktionen:
  • drucken
  • Kontakt zur Redaktion

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» neu laden)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.