Herbold - Folienabfälle recycelt Branche 28.05.2014 1 Bewertung(en) Rating

"Recycling ist für uns ein Kernthema"

Etwa 7,5% der verarbeiteten Kunststoffe in der Verpackungsindustrie bestehen einer Umfrage der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. zufolge aus Rezyklat. Die K-ZEITUNG sprach mit IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Bruder über das Thema Recycling.

K-ZEITUNG: Herr Dr. Bruder, wie handhabt die Verpackungsindustrie Ihrer Erfahrung nach das Recycling von Produktionsabfällen?
Dr. Jürgen Bruder: Die meisten Firmen, die Monomaterial verarbeiten, vermahlen ihre Stanzgitter, Verschnitte oder Anfahrbutzen im eigenen Haus und setzen das Material direkt wieder ein. Die Verpackungsindustrie fertigt kontinuierlich in drei Schichten, da ist es sinnvoll, die Reste direkt wiederzuverwerten.
Anders sieht es bei kaschierten Folien oder coextrudierten Materialien aus. Derartige Produktionsreste können die Firmen oft nicht direkt wiederverwenden und verkaufen sie eher an externe Recyclingfirmen.

 - Dr. Jürgen Brder ist Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen
Dr. Jürgen Brder ist Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen
IK

K-ZEITUNG: Ihr Verband hat 2012 im Rahmen der Erstellung des IK-Nachhaltigkeitsberichts eine Umfrage auch zum Einsatz von Recyclingware durchgeführt, an der sich 34 Unternehmen beteiligten. Hat das Ergebnis von 7,5% Rezyklatanteil in der Branche Sie überrascht?
Bruder: Für uns war das schon etwas überraschend, denn die befragten Firmen repräsentieren, bezogen auf den Absatz, rund 21 Prozent der Gesamtbranche. Insgesamt ist die Nachfrage nach Recyclingware höher als das Angebot. Die Unternehmen sind immer auf der Suche nach kostengünstigen Rohstoffangeboten. Die Schwierigkeiten beim Einsatz von Recyclingware liegen auf der Hand: Unsere Unternehmen brauchen die kontinuierliche Lieferung der Recompounds in großen Mengen und festgelegten Spezifikationen und Qualitäten. Das ist nicht immer einfach. Dennoch ist Rezyklat attraktiv, denn der Preis liegt 20 bis 30 Prozent unter dem von Neuware. Wir bräuchten viel mehr Input an gebrauchten Kunststoffen, um die notwendigen Recompoundmengen zu generieren.

K-ZEITUNG: Setzt sich Ihr Verband ebenfalls konkret für mehr Recycling in der Verpackungsindustrie ein?
Bruder: Oh ja! Da ist beispielsweise unser Projekt ERDE, das steht für Erntekunststoff Recycling Deutschland. Hier sammeln wir in Kooperation mit dem Dienstleister RIGK Silagestretchfolien, Netzersatzfolien, Flachsilofolien, Unterziehfolien und Siloschläuchen der Agrarindustrie wieder ein, um sie dem Recycling zuzuführen. Landwirte und Lohn­unternehmer können seit diesem Jahr ihre gebrauchten Folien bundesweit an Sammelstellen wieder abgeben.

K-ZEITUNG: … und gibt es noch weitere aktuelle Projekte?
Bruder: Im Dezember letzten Jahres haben wir die Gütegemeinschaft PET-Getränkeverpackungen e.V. gegründet. Damit wollen wir die ökologische Perfomance der PET-Flasche weiter verbessern. Bei dieser Gütegemeinschaft haben wir drei Sektoren mit im Boot – die PET-Rezyklierer, die Preformhersteller und die Abfüller, also die Getränkeindustrie. Das ist einzigartig und wird die Kommunikation zwischen den Branchen verbessern. Für die Unternehmen aus jedem Segment haben wir Güte- und Prüfkriterien definiert. Erfüllt eine Firma diese, erhält sie das RAL-Gütezeichen und kann es auf ihren Produkten führen.

K-ZEITUNG: Was ist denn die Motivation für die Schaffung der Gütegemeinschaft? PET wird in Deutschland doch schon rezykliert.
Bruder: Wir wollen im Bereich Einsatz von PET-Rezyklat noch besser werden und von 25 Prozent Rezyklatanteil ausgehend den r‑PET-Gehalt weiter erhöhen. Auch 50 Prozent sind keine unrealistische Größenordnung. Deshalb ist es wichtig, künftig auch den Handel mit in die Gütegemeinschaft einzubeziehen, damit der wertvolle Rohstoff aus den gesammelten Pfandflaschen in Europa bleibt und nicht nach Übersee exportiert wird.

K-ZEITUNG : Weshalb engagiert sich die IK eigentlich so stark im Bereich Recycling von Kunststoffverpackungen?
Bruder: Recycling ist für uns nicht nur aus Sicht der Ressourceneffizienz ein Kernthema, denn vom Recycling hängt auch entscheidend das Image von Kunststoffverpackungen ab. Das wirkt sich dann auf das Geschäftsumfeld aus. Als Verband setzen wir uns intensiv dafür ein, dass Rücknahmesysteme und die Verwertung, vor allem das werkstoffliche Recycling, funktionieren. Aus diesem Grund arbeiten wir eng mit Verbänden der Inverkehrbringer von Kunststoffverpackungen zusammen. Hersteller von Verpackungen und diejenigen, die sie in Verkehr bringen, haben hier gleiche Interessen, funktionierendes Recycling ist für unsere Branchen gleichermaßen bedeutsam.

grz

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