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Magna: Praxisnahe Ausbildung in der K-Verarbeitung

Der große Automobilzulieferer Magna Exteriors & Interiors geht neue Wege in der Ausbildung innerhalb der Kunststoffverarbeitung. Inzwischen hat der erste Jahrgang das System Magna Next Generation erfolgreich komplett durchlaufen.

Magna Exteriors & Interiors Straubing erkannte in der Krise 2009, dass man sich mit Sparen an der Ausbildung keinen Gefallen tut. Also überlegten Werkleitung, Personalleitung und Ausbilder am Standort in Straubing, wie eine nachhaltige Ausbildung aussehen könnte. "Magna Next Generation“ heißt das ebenso ambitionierte wie praxisnahe Projekt. Der technische Leiter der gewerblichen Ausbildung, Stephan Dütsch, sprach über ein neues Miteinander der Belegschaft, sowie über Einbindung in die Prozesslandschaft.

Das Ungewöhnliche am Projekt Magna Next Generation: Die Auszubildenden arbeiten in einem eigenen Unternehmen. Es werden zwar die Ausbildungsinhalte der IHK abgearbeitet, aber ansonsten ist hier alles anders. Ausgebildet wird in kaufmännischen Berufsbildern und im technischen Bereich, die Berufsbilder "Verfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuk“, "Industriemechaniker“, "Betriebselektroniker“ und "Fachkraft für Systemintegration“. Je nach Richtung benötigen die jungen Leute 3 bis 3 ½ Jahre bis zur Abschlussprüfung. Bevor sie dort antreten dürfen, haben sie sich ein enormes, praxisnahes Wissen angeeignet, dies ohne Berührungsängste mit erfahrenen Kollegen aus der Produktion.

Alle Funktionen sind mit Auszubildenden besetzt, vom Controlling über den Einkauf bis zur Kunststofffertigung. Die Ausbilder fungieren als Mentoren und moderieren die konkreten Aufgaben. Erledigen müssen diese die jungen Leute selbst, denn „sie sollen die Verantwortung spüren, und wenn sie eine Aufgabe erfolgreich meistern, dann ist es auch wirklich ihr Erfolg“, beschreibt Dütsch einen Leitgedanken.

Es ist kein Spielbetrieb

Ein weiterer Grundgedanke: Es ist kein Spielbetrieb, sondern es liegen konkrete Projekte und Anfragen aus Magna Exteriors & Interiors Straubing vor. Das kann eine Aufgabe im Vorrichtungsbau für einen Veredelungsautomaten sein, eine Prüfeinrichtung oder eine, die sich auf Werkzeuge oder Spritzgießtechnik bezieht. Im Tagesgeschäft können es auch konventionelle Dreh-, Fräs- oder Schweißarbeiten sein, die Magna abruft.

Magna Exteriors & Interiors Straubing sendet eine Anfrage, die die Auszubildenden in Projektschritte einteilen müssen. Dazu ist ein Lastenheft zu erstellen, um dies dann als Angebot preislich und zeitlich zu bewerten. "Der Mutterbetrieb ist für uns ein Kunde, den es zu überzeugen gilt – über Leistung und Preis. Bei uns werden keine abstrakten Musterteile hergestellt“, sagt Dütsch. Ein weiterer Basisgedanke des Projekts: Junge Menschen sollen wissen, dass ihre Arbeit wichtig ist und sie selbst Teil einer Prozesslandschaft sind.

Durch souveräne Projekte später kein Praxisschock

Ausgangspunkt des 2009 eingeführten Projekts war die Erkenntnis, dass die Ausbildungsinhalte, zum Beispiel die für den "erfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuk“ zwar sehr breit waren, aber die Absolventen anschließend in der Produktion zunächst eine Art Praxisschock erlebten. Das Wissen reichte oft hinten und vorne nicht, um werkstatttaugliche Lösungen zu erarbeiten. Bei Magna Next Generation ist dies nun anders, weil die Auszubildenden durch die Projekte während der gesamten Ausbildung eng mit der Produktion zusammenarbeiten. Über konkrete Projekte werden den Auszubildenden relevante Inhalte betrieblich vermittelt, dort, wo die IHK-Ausbildung an Grenzen stößt.

"in guter Einrichter muss wissen, wie man sensibel mit dem Nachdruck umgeht, um das Teil nicht zu überfüllen und Verzug zu verhindern. Er muss wissen, wie er die Innendrucksensorik nutzen oder über Kurvengrafiken die Zyklen analysieren kann. Mit diesem Rüstzeug kann er sicherstellen, dass er Qualität in einem jederzeit reproduzierbaren Prozess produziert“, sagt Dütsch.

Daher sind alle Betriebsmittel auf hohem technischen Stand und die hohe Fertigungstiefe und -breite in Straubing sind zusätzlich eine gute Basis für die Ausbildung. Erst kürzlich bekam der große Maschinenpark in Straubing eine 800-kN-Spritzgießmaschine als Lehrmaschine. Die Betriebsstunden der Maschine teilen sich Produktion und Auszubildende. Mit dem Projekt wird versucht, die Auszubildenden für die Aufgaben der Produktion zu begeistern. Wer verantwortlich handeln darf und moderne Betriebsmittel nutzen kann, der wird auch Leistung bringen.

Durch Eigenverantwortung gereift

Inzwischen ist der erste Jahrgang komplett nach dem Magna Next Generation-Prinzip ausgebildet worden. Die Kollegen in der Fertigung, so Dütsch, sagen, dass die "Neuen“ reifer sind, als die Jahrgänge zuvor. Sie haben ein Gespür für die Zusammenhänge, denken lösungsbezogener und kennen sich in der Produktionspraxis aus. "Die hohe Eigenverantwortung macht sie stärker und die Motivation ist ohnehin heute viel besser“, erklärt Dütsch nicht ohne Stolz. Natürlich gibt er zu, dass dieser Weg für die Ausbilder deutlich anspruchsvoller ist. "Tag für Tag wollen die Auszubildenden Neues entdecken und sie haben viele Fragen. Eigenverantwortung fordert von Schülern und Ausbildern deutlich mehr, als die konventionelle Ausbildungspraxis“, sagt Dütsch.

Magna Next Generation bedeutet auch, den künftigen Mitarbeiter der Produktion zu sensibilisieren für Kennzahlen und wirtschaftliche Aspekte, die sich aus technischen Gegebenheiten ergeben und umgekehrt. "Früher war der Mitarbeiter in der Produktion in erster Linie als Ausführender gefordert. Heute sind die Arbeitsaufgaben aber so komplex, dass man nicht umhinkommt, Mitarbeiter immer weiter zu qualifizieren. Aus gutem Grund: In jedem Produktionsbetrieb ist die Produktion die Herzkammer. Das Niveau der Produktion entscheidet über die Stückkosten. Hier entsteht die Wertschöpfung“, sagt Dütsch schnörkellos.

gr

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