
Die Medienlandschaft für die Kunststoffbranche bot vor 40 Jahren ein recht einheitliches Bild: Traditionelle, fachlich orientierte Monatszeitschriften informierten auf Hochglanzseiten eher technisch als wirtschaftlich-aktuell. Der Hamburger Verleger Helmut Garrels, in dessen Verlag Brunke-Garrels auch die Monatszeitschriften „Kunststoff-Rundschau“ und „Glas-Email-Keramik-Technik“ erschienen, entwickelte damals zusammen mit seinem Redakteur Hartmut Rupprecht ein Konzept für eine „Branchenzeitung“ im Berliner Zeitungsformat – als aktuelle und auch wirtschaftlich ausgerichtete Fachpublikation. Sie waren der Meinung, dass eine derart dynamische Branche wie deutsche Kunststoffindustrie auch eine dynamischere Form der Berichterstattung benötigte, die mehr auf die Bedürfnisse der Praxis und Führung der Unternehmen konzipiert ist. In Großbritannien hatte die dort auf den Markt gekommene Zeitung "Plastics & Rubber Weekly" dies bereits unter Beweis gestellt. Die mehr konservativ eingestellten Unternehmensführungen in der Bundesrepublik würden wahrscheinlich eher zurückhaltend auf eine derartige „Bildzeitung" der Branche reagieren. Dennoch konnte Hartmut Rupprecht seinen Chef dafür gewinnen, den Versuch zu wagen. Neben aktuellen wirtschaftlichen und technischen Themen sowie Leserumfragen planten sie auch eine 14-tägliche Erscheinungsweise.
Als Testlauf und Marktforschungsobjekt erschien zunächst zur Hannover Messe im Frühjahr 1969 ein so genannter „Kunststoff-Rundschau Schnelldienst“ und schließlich am 1. Oktober 1969 die erste Ausgabe der „K-Plasticzeitung“. Darin fanden Themen Eingang wie „Prognosen der Forschungsinstitute“, „Kunststoffe im Automobil- und Fahrzeugbau“, „Kunststoffe in der Verpackung“ sowie für Zeitungen typische Kleinanzeigen, z.B. Stellenangebote. Der redaktionelle Inhalt war bewusst nicht nur auf Kunststoffverarbeiter, Rohstofflieferanten und Maschinenbauer ausgerichtet, sondern sprach auch die anwendenden Industrien an. Das kam insbesondere auch dem Anzeigengeschäft zugute. Schon im 2. Jahrgang (1970) war die neue „schnelle“ Branchenzeitung eine etablierte Werbeplattform für große K-Namen wie Bayer, Hoechst, Röhm, Battenfeld, Troester und viele andere. Ziel war es von Anfang an, die neue K-Plasticzeitung (KPZ) bis zur K'71 (der ersten im neuen Düsseldorfer Messegelände) im Markt etabliert zu haben. Der Anfang war mühsam, denn der Aufwand war hoch, die finanzielle Situation des Verlages jedoch schwach. Auf der K'71 präsentierte sich die KPZ schließlich mit einer erhöhten Auflage und 35.000 Tragetaschen mit Logo – unübersehbar. Aktuell auf der Messe gestaltete Berichte zeigten bereits den Weg zu den späteren Messezeitungen.
1. Oktober 1969 – Die K-Plasticzeitung erscheint im Brunke-Garrels-Verlag, Hamburg-Wandsbek2. Frühjahr 1974 – Die K-Plasticzeitung (KPZ) wird zusammen mit weiteren Fachpublikationen (Kunststoff-Rundschau) an den Giesel Verlag, Isernhagen, verkauft.3. Jahreswechsel 1974/75 – Der Giesel Verlag kauft weitere Fachpublikationen, gründet den Kunststoff-Verlag und fasst die drei Monatsblätter Kunststoff-Technik (KT) Kunststoff-Rundschau (KR) und Kunststoff-Berater (KB) zum neuen „Kunststoff-Berater“ zusammen. Die KPZ war die aktuelle Branchenzeitung, der neue KB war die untermauernde Fachzeitschrift mit Schwerpunkt K-Maschinenbau und K-Verarbeitung.4. 1. Januar 1976 – Die wöchentlich erscheinende „Kunststoff- und Kautschukwoche (KW), MxLaren und Droste Verlag, Düsseldorf, fusioniert mit der K-Plasticzeitung zur „K-Plastic- und Kautschukzeitung“ Giesel Verlag. |
Trotz Ideen und Engagement konnte der Garrels Verlag als kleines Familienunternehmen – auch bedingt durch die eintretende Ölkrise und mangelnde Investitionsmöglichkeiten – seine Publikationen nicht weiterentwickeln. Somit wurde ein Partner gesucht, der die begonnene Entwicklung vorantreiben sollte. Übernahmegespräche fanden damals auch mit bereits bekannten großen Fachzeitschriftenverlagen statt. Die Entscheidung fiel jedoch auf den Giesel Verlag in Isernhagen bei Hannover, da Verleger Helmut Garrels mit dem Giesel-Verlagsgründer Manfred-Gerhard Giesel persönlich bekannt war. Somit wurden zum 1.4.1974 die beiden Publikationen einschließlich dem zukünftigen Chefredakteur der KPZ, Hartmut Rupprecht, übernommen. Giesel-Verlagsgeschäftsführer war damals Werner Peiner. Der machte den jungen Verlagskaufmann Dietrich Taubert für die neue Marktpositionierung und die Umsatzentwicklung verantwortlich. Somit war das später legendäre K-Team gebildet und konnte mit Elan starten. „Herrn Taubert und mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht und genügend Freiräume für weitere Entwicklungen gelassen. Das hat uns besonders motiviert. Einzeln, besonders aber als K-Team, konnten wir mit unserem Engagement später in der Branche viel Sympathie gewinnen und die KPZ als festen Bestandteil der K-Branche positionieren. Das gilt auch für unseren Einsatz im Osten nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung. Unser Erfolg war jedoch nur möglich, weil das KPZ-Team im Verlag sowie die Geschäftsleitung immer voll hinter uns standen, uns den Rücken freihielten“, kommentiert Hartmut Rupprecht im Rückblick den Erfolg der KPZ.

Der Giesel Verlag kaufte Anfang 1975 weitere Fachpublikationen zur KPZ dazu, gründete den Kunststoff-Verlag und fasste die drei Monatsblätter Kunststoff-Technik (KT) Kunststoff-Rundschau (KR) und Kunststoff-Berater (KB) zum neuen „Kunststoff-Berater“ zusammen. Die KPZ war die aktuelle Branchenzeitung, der neue KB war die untermauernde Fachzeitschrift mit Schwerpunkt K-Verarbeitung und Technik. Auf dem Zeitungsmarkt hat es inzwischen auch einen weiteren Mitbewerber der KPZ gegeben – vom Droste-McLaren Verlag aus Düsseldorf. Nach dem Vorbild der erfolgreichen britischen Publikation Plastics and Rubber Weekly wurde die Wochenzeitung Kunststoff und Kautschuk Woche auf dem deutschen Markt platziert. Trotz hoher Investitionen konnte diese jedoch die Erwartungen nicht erfüllen. Nicht zuletzt aufgrund der schlechten Entwicklung des englischen Pfundes sowie der nicht nach Plan verlaufenden Umsatzentwicklung wurde diese Zeitung von den Gesellschaftern schließlich an den Mitbewerber KPZ verkauft. Nach dieser Fusion mit der Kunststoff- und Kautschukwoche ab Januar 1976 war die KPZ die einzige deutschsprachige Fachzeitung in diesem Markt. Sie erreichte mit 14-täglicher Erscheinungsweise und 15.000 Exemplaren die höchste Abdeckung bei Verarbeitern und Anwendern von Kunststoffen sowie eine entsprechende Verbreitung in der chemischen Industrie sowie bei den Herstellern von Kunststoffmaschinen und -geräten.

Da Wachstum nur durch Marktbereinigung und Neupositionierung der Titel möglich war, wurde eine neue Marktkonzeption für die KPZ erarbeitet und diese mit vereinten Kräften bei allen wichtigen Unternehmen der Branche präsentiert. Um die Zeitung klar zu positionieren, benötigte der Verlag detaillierte Kennzahlen über den Leser- und Anzeigenmarkt. Bereits hier setzte der Giesel Verlag, beginnend 1974, ganz neue Maßstäbe. Zu diesem Zeitpunkt wurde bei der Studiengruppe Naether in Hamburg eine psychologische Studie über Leser von Kunststoff-Fachpublikationen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Es fehlte eine kurze, schnelle, sichere, zu-verlässige Information, wie ein Literaturschnelldienst. Von Lesern aus den Bereichen Marketing und Management wurde bedauert, dass die vorhandenen Informationen zu sehr für den Ingenieur oder Verfahrenstechniker geschrieben sind. Hier wünschte man sich möglichst in einem spezialisierten Titel, der fachlich kompetente, jedoch leicht verständliche Informationen über technische Dinge mit Strukturen des Marktes und deren Tendenzen vereint. Die Ergebnisse wurden von Anfang an bei der Neupositionierung der KPZ berücksichtigt.
1. Informationen
über neue Chemiewerkstoffe, deren Verarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten.
2. Informationen über die allgemeine Lage der Branche sowie über die Aktivitäten der Konkurrenz und die Struktur der Branche.
3. Informationen über Technik, die dem Kaufmann und Marketingmann nicht zu viel und nicht zu wenig Wissen vermitteln.
4. Informationen über die allgemeine Wirtschaftslage soweit sie branchenbezogen sind. Ganz besonders sollte der richtige Mittelweg gefunden werden zwischen zu viel Spezialisierung und zu viel Allgemeinheit.
5. Informationen über Entwicklung und Trends im Markt.

Der rasant wachsende technische Fortschritt forderte damals von Chemieunternehmen, wie roh- und halbstofferzeugenden Betrieben, ein hohes Maß an Flexibilität. Der Trend hieß weg von Massenkunststoffen, hin zu Spezialwerkstoffen, Compounds, Verbundwerkstoffen. Diesen Branchen gelang es bisher, Produktions- und Absatzeinheiten zu schaffen, die den jeweiligen Aufnahmefähigkeiten des Marktes besser gerecht werden konnten. Gab es bisher noch einen Verkäufermarkt, so gingen alle Aktivitäten in Richtung Käufermarkt. Es mussten Produktions- und Absatzeinheiten geschaffen werden. Die Anpassungsfähigkeit haben darüber hinaus auch innovative Anwendungen der Industrie und Substitutionen mit metallischen Werkstoffen gefördert und die damit verbundenen Forderungen nach der schnellen Weiterentwicklung eingeleitet. Folglich war Verkaufen und anwendungsorientierte Entwicklung auch für die klassische Wachstumsindustrie der Kunststoffe und der beginnenden Werkstoffe wichtiger als Produzieren. Analyse und Elektronik sowie Qualitätssicherung traten neben Forschung und Technik noch stärker in den Vordergrund. Das Wort Marketing war nicht mehr nur ein schmückender Begriff, sondern notwendige Tagesarbeit geworden. Die Lesegewohnheiten der in diesen Branchen beschäftigten Mitarbeiter wurden zunehmend davon beeinflusst. Im Vordergrund standen neben Copytests und Empfänger-Struktur-Analysen die persönlichen Kontakte der Giesel-Führungsebene zu den Branchenverantwortlichen in Chemie, Maschinenbau und bei Verarbeitern – den Lesern der KPZ. Das hier erworbene Wissen und die Erkenntnisse wurden intern nicht nur journalistisch, sondern auch marketingtechnisch und vertriebsorientiert umgesetzt. Die Fan-Gemeinde der KPZ wuchs somit von Jahr zu Jahr und damit auch die Marktanteile im nach wie vor heiß umkämpften Anzeigenmarkt. Vor allem die menschlichen Begegnungen, die oft auch sehr vertraulich verliefen, waren für beide Seiten erfolgreicher Informationsaustausch. Diese Art der Marktkommunikation wird bis heute beibehalten - vom Nachfolgeteam unter dem Chefredakteur Joachim Rönisch und dem Anzeigenleiter Gero Trinkaus. Denn eines hat sich in 40 Jahren nicht verändert: Die Branche hat in allen vier Säulen kreative, engagierte und in die Zukunft blickende Manager und auch nach wie vor erfolgreich geführte Familienunternehmen.

Vor 25 Jahren war China erstmals Partnerland der Hannover Messe. Was sich während dieses Vierteljahrhunderts im viertgrößten Flächenstaat der Erde entwickelt hat - darüber lässt sich mitunter nur staunen. im Maschinenbau richten sich die Chinesen neu aus, was auch die Orientierung im Bereich der Kunststoff- und Gummimaschinen beeinflusst.
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