Obgleich die Konjunktur und die Auftragslage für die Kunststoff verarbeitende Industrie derzeit recht positiv dastehen, bleiben die einzelnen Verarbeiter doch unter Druck. Kletternde Energiekosten sowie hohe und weiter steigende Materialpreise bei teilweise auch noch eingeschränkter Verfügbarkeit belasten heute und in absehbarer Zukunft die Ertragssituation; Preisanpassungen gegenüber der Kundenseite, darunter viele Großabnehmer, können immer nur mühsam und mit Zeitverzug durchgesetzt werden. Die CO2-Klimaziele der Politik und der sich ab 2013 weiter verschärfende Handel mit Emissionszertifikaten werden die Ausgangslage sicher nicht vereinfachen.
Beim Thema Energieeffizienz in der Produktion ist es naheliegend, auf den aktiven Maschinenbestand zu schauen und mit der Auswahl der individuell passendsten Antriebstechniken die Bigpoints herauszuholen. Die prozentualen Energieeinsparungen, die an dieser Stelle möglich sind, lassen aufhorchen. Materialeffizienz bringt daneben einige wirtschaftliche Pluspunkte und erhöht ihrerseites noch einmal die Energieeffizienz, etwa dadurch dass in der Verarbeitung weniger Masse aufgeschmolzen werden muss. Doch was ist das eigentlich alles wert, wenn bei der Konstruktion von Formteilen übertrieben dünnwandige Strukturen entworfen wurden, die dann in der Spritzgießproduktion den Einsatz unnötig hoher Einspritzdrücke und damit überdimensionierter Maschinentechnik erfordern? Was ist von einer ausgefeilten Werkzeuglösung zu halten, wenn durch die Auswahl eines fließfähigeren Thermoplastes mit weniger Anspritzpunkten gefertigt werden könnte und sich damit auch das eingesetzte Heißkanalsystem als überdimensioniert erweist? Und was nützt schon die Isolierung wärmeführender Maschinen- und Werkzeugteile, wenn anschließend die gefertigten Formteile erst einmal auskühlen und für spätere, weitere Prozessschritte eine aufwendige Logistik und erneute Energiezufuhr nötig werden?
Energieeffizienz erweist sich als ein äußerst vielschichtiges Thema, das buchstäblich in alle Bereiche der Produktion hineinspielt. Kleine Erfolge an einer Stelle können leicht durch Nachlässigkeiten in einem unbeachteten Bereich wieder zunichtegemacht werden – sei es die bestehende Klimatechnik, ein unangepasster Workflow oder eine undurchdachte Produktionsplanung. Die energieeffiziente Fertigung verlangt von den Verantwortlichen eine umfassende Prozessplanung mit Überblick über die vollständige Prozesskette. Angefangen bei den konstruktiven Maßnahmen und der Materialauswahl über den Maschineneinsatz und die Peripherie bis hin zu den Chancen von Prozessintegration und Technologie-Kombinationen.
Auf der Fakuma in diesem Herbst wird das Thema Energie und Produktionseffizienz sicherlich eine Hauptrolle spielen. 2011 setzt die Fakuma mit 1.664 gemeldeten Ausstellern aus 34 Nationen und einer Ausstellungsfläche von über 85.000 m2 neue Rekordmarken. Im Jubiläumsjahr des 30-jährigen Bestehens der heute international bedeutsamen Großmesse bleibt kein Platz ungenutzt, alle Hallen plus die Foyers Ost und West der Messe Friedrichshafen sind komplett belegt. Das Redaktionsspecial "energie+effizienz" soll ein nützlicher Ideengeber für das heute brisanteste technische und wirtschaftliche Thema der K-Branche sein und dabei als Messe-Guide mit seinen Ausstellerlisten zu den betrachteten Themenrubriken einige Anstöße für Standbesuche und Fachgespräche dienen.
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Arne Graevemeyer, Chefredakteur K-Berater / Redakteur K-Zeitung

"Die Realität ist weitaus besser als die allgemeine Stimmung." Wenn nicht alles trügt, könnte diese Diagnose – trotz Euro-, Finanz- und Schuldenkrise – auch 2012 die richtige sein, zumal, was die künftige Geschäftsentwicklung der deutschen Kunststoffindustrie betrifft. Natürlich haben sich die Voraussetzungen verändert.
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