24. Oktober 2009 | Branche

Chemieunternehmen diskutieren Emissionshandel

Während die Herstellung von chemischen Erzeugnissen in Deutschland zwischen 1990 und 2006 um rund 43% gestiegen ist, reduzierte sich der Energieverbrauch der Branche im gleichen Zeitraum um fast 27%.

Anlage zur Produktion von Schwefelsäure als Vorprodukt für die Caprolactam Produktion bei der Domo Caproleuna GmbH

Schkopau (R) – Über die Auswirkungen des EU-Emissionshandels bis 2013 haben sich kürzlich bei einer Veranstaltung im Konferenzzentrum der Dow Olefinverbund GmbH die im Verband der Chemischen Industrie e.V. – Landesverband Nordost organisierten Vertreter ostdeutscher Chemieunternehmen informiert.

Rudolf Lamm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dow Olefinverbund GmbH, stellte die Sicht der Dow auf den Emissionshandel dar. Anschließend präsentierte Dr. Peter Klamser, Leiter der Koordinierungsstelle Energie und Strukturentwicklung des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit die Sicht des Landes Sachsen-Anhalt.

Dr. Jörg Rothermel, der die Diskussion von Beginn an für den VCI verfolgt hat, erläuterte die direkte Betroffenheit für die chemische Industrie und diskutierte mit den über 25 Unternehmensvertretern die spezifischen Fragestellungen. Dr. Paul Kriegelsteiner, Hauptgeschäftsführer der Nordostchemie, zeigte sich mit der Veranstaltung zufrieden. „Wir sind froh, dass wir diesen ausgesprochenen Spezialisten als Redner für unsere Unternehmen gewinnen konnten.“

Hintergrund der Veranstaltung ist die Einigung von EU-Parlament und Rat im Dezember 2008 auf Regeln für den Emissionshandel ab 2013. Der größte Teil der Chemieanlagen muss sich zukünftig am Handel beteiligen. Damit steht, je nach Ausgestaltung, ein möglicher jährlicher Kostenschub von bis zu 830 Mio. EUR ins Haus. Denn es sinkt die Zuteilung kostenloser Zertifikate bis 2020 auf unter 30% ab. Hochmoderne Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen müssen ihre Zertifikate für die Stromerzeugung bereits 2013 vollständig ersteigern. Für eine genaue Kostenschätzung fehlen derzeit noch konkrete Angaben der endgültigen Ausgestaltung des Systems.

Für die chemische Industrie ist dabei entscheidend, dass ihre Anlagen als „exposed sector“ anerkannt werden. Dies ermöglicht eine unentgeltliche Zuteilung der Zertifikate auf Basis technischer Standards, sogenannter Benchmarks. Eine zentrale Forderung ist somit, dass diese Ende 2009 realistische und technisch/ökonomisch vertretbar festgelegt werden. Da die Stromversorger die ihnen entstehenden zusätzlichen Kosten des Zertifikathandels auf den Preis umlegen werden, sollte die Bundesregierung Entlastungen, im Rahmen des EU-Beihilferechtes, für besonders stromintensive Anlagen gewähren.

Ein wichtiger Punkt bei der Diskussion um den Klimaschutz ist, dass die chemische Industrie mit Ihren Produkten schon jetzt eine wesentliche Rolle beim Klimaschutz spielt. So sparen die Produkte mehr Klimagase ein, als durch ihre Herstellung freigesetzt wird. Auch sind Herstellung und Energieeinsatz seit langem entkoppelt. Während die Herstellung von chemischen Erzeugnissen in Deutschland zwischen 1990 und 2006 um rund 43% gestiegen ist, reduzierte sich der Energieverbrauch der Branche im gleichen Zeitraum um fast 27%. Die Emissionen klimarelevanter Treibhausgase nahmen sogar um 45% ab.


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