Heilbronn (ga) – „Es muss gute Gründe geben, in diesen Zeiten eine Hausmesse zu veranstalten“, meinte Illig-Geschäftsführer Karl Schäuble zu Beginn der Veranstaltung. Man habe interessante Projekte in der Montage und neue Entwicklungen in der Pipeline, weshalb es einen großen Informationsbedarf seitens der Kunden gebe. Dass Schäuble mit dieser Einschätzung richtig lag, bestätigten die insgesamt rund 300 Besucher, von denen viele aus dem Ausland, darunter auch aus Russland, Süd- und Nordamerika kamen.
Ein weiterer Grund war die offizielle Inbetriebnahme des neuen Kundenzentrums. Das 7-Millionen-Euro-Projekt wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren fertiggestellt und soll künftig für Projektbesprechungen und Kundenschulungen dienen. Dafür ist der Neubau mit moderner Multimediatechnik bis hin zur Möglichkeit von Simultanübersetzungen ausgestattet. Zur Eröffnung aber waren alle Kunden eingeladen, um sich über die Vorteile der Thermoformer der 3.Generation zu informieren.
Antwort auf drängende Fragen
„Mit der neuen Thermoformer-Generation geben wir die Antwort auf die drängenden Fragen wie Kostensenkung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit“, begründete Claus Weinert, Produktmanager für die RDM-K-Maschinen, die umfassende Überarbeitung des technischen Konzepts. Der konsequente Einsatz von servoelektrischen statt hydraulischen und pneumatischen Antrieben richtet die neuen Anlagen auf einen niedrigeren Energieverbrauch aus. Durch Überlagerung von parallel verlaufenden Prozessen und eine schnellere Formluftversorgung konnte die Taktzahl pro Minute von 30 bis 35 auf 40 und mehr gesteigert werden. Neben dem höheren Ausstoß bringt die Geschwindigkeitssteigerung bei einem im Heizbereich energetisch offenen System wie einer Thermoformanlage eine zusätzliche Energieeinsparung bezogen auf eine bestimmte Produktmenge. Die Neukonstruktion der Formluftversorgung führt darüber hinaus zu echten Einsparungen bis zu 75% der bisher benötigten Formluft. Eine Optimierung der Werkzeugkühlung lässt es nun zu, dass das Kühlwasser statt auf 8 °C nur noch auf 16 bis 18 °C temperiert werden muss. Hier wurde ein weiteres Energiesparpotenzial erschlossen.
Doch nicht nur Geschwindigkeit und Energie hatten die Konstrukteure im Blick bei der technischen Überarbeitung. Durch eine Druckstufensteuerung der Niederhalter ist es jetzt möglich, dass Material, das sich bisher bei der Becherfertigung in einem Wulst unterhalb des Oberrandes konzentrierte, komplett in die Seitenwand zu ziehen. Dies wirkt sich entweder positiv auf die Bechersteifigkeit aus oder bietet Potenzial zur Materialeinsparung von bis zu 10%. Bei einem Materialkostenanteil von 60 bis 80% beim Becherformen könnten so bei gleichbleibender Qualität die Produktkosten um 6 bis 8% gesenkt werden.
Zentrale Steuerung steigert Bedienkomfort
Auf der RDK-90, der größten Maschine dieser Reihe, zeigte Illig zur Hausmesse das neue Steuerungskonzept Thermoline Control. Damit wir die gesamte Linie von der Abwicklung über die Rollenvorheizung und die Thermoformmaschine bis hin zur Stapelung und einer Mühle zum Mahlen der Stanzgitter zentral überwacht, bedient und gesteuert. Dafür sind alle Zusatzgeräte und –anlagen mit Profibus-Schnittstellen ausgerüstet. „Durch die somit mögliche zentrale Prozessoptimierung, Datenverwaltung und Prozessvisualisierung steigt der Bedienkomfort der komplexen Anlagen erheblich“, betonte Frédéric Engel, Produktmanager für die RDK/RDKP-Maschinen. Darüber hinaus senke die neue Steuerung den Zeitaufwand für die Umrüstung der Thermoformanlagen. Der Werkzeugwechsel könne von einer Stunde auf etwa 30 Minuten halbiert werden, meint Engel. Zudem werde die Fehleranalyse und –behebung bei Störungen einfacher und schneller. Vorerst wird nur die RDK-90 mit Thermoline Control ausgerüstet. Bis zur K 2010, auf der dieses Konzept eine große Rolle bei Illig spielen soll, werde die Steuerung auch für weitere Maschinentypen verfügbar sein.
„Krise milder ausgefallen“
Von der Krise ist Illig auch, aber nach eigenen Angaben nicht so hart wie andere, getroffen. „Im Vergleich mit zum Beispiel den Spritzgießmaschinenbauern sind die Auftragsrückgänge bei und etwas milder ausgefallen“, sagt Schäuble. Konkret sind es rund 30%, um die die Aufträge ab Mitte 2008 zurück gingen. Bis dahin waren die Auftragseingänge in den letzten fünf Jahren um rund 4% jährlich gewachsen. Durch einen beträchtlichen Auftragsüberhang waren daher die Auswirkungen der Krise zunächst nicht spürbar. Erst die weitere Stagnation auf niedrigem Niveau im ersten Halbjahr 2009 führte zu Kurzarbeit. Seit einigen Monaten sei aber insbesondere in außereuropäischen Märkten eine zunehmende Investitionstendenz zu verzeichnen. Da aber gerade osteuropäische Länder sehr stark von der Kreditproblematik betroffen seien, seien viele angedachte Projekte auch mit Fragezeichen versehen. „So werden wir auch bis zum Jahresende unsere Kapazitäten nicht voll auslasten können und dies weiterhin durch Kurzarbeit auffangen“, erklärte Schäuble. „Entlassungen haben aber bei Illig bislang nicht stattgefunden und stehen zurzeit auch nicht an.“
Einen ausführlichen Bericht über die Thermoformmaschinen der 3. Generation sowie weitere Neuentwicklungen bei Illig lesen Sie in der K-ZEITUNG 20.
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