Frankfurt/M. (ga) – Mit Nanomaterialien verbindet sich die Hoffnung auf grundlegende neue Werkstoffeigenschaften. Doch seit sich Industrie und Wissenschaft mit dieser Welt auf molekularer Ebene beschäftigen, gibt es auch Bedenken gegen diese neuartige Technologie. Grund genug für den Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland, mit diesem Thema in einen breit angelegten Informationstag für die Fachpresse zu starten.
Dr. Rüdiger Baunemann, Geschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, zeigte auf, dass Nanopartikel in Kunststoffprodukten quasi das gesamte Eigenschaftsspektrum positiv beeinflussen können. Dem entsprechend liegen mögliche Anwendungen in fast allen Produktbereichen. Entgegen der Euphorie in den letzten Jahren seien aber bisher kaum innovative Nano-Produkte auf den Markt gekommen. Trotzdem sei die öffentliche Meinung zu diesem Thema nach wie vor positiv und die Diskussion drehe sich vor allem um Chancen und Nutzen dieser Technologie – bis jetzt, wie Baunemann betonte. Bislang hätten sich negative Auswirkungen von Nanowerkstoffen nicht nachweisen lassen. „Der einzige in Deutschland bisher dokumentierte Fall einer Vergiftung mit einem Nanopartikel enthaltendem Spray hat sich als unbegründet erwiesen. Ursache für die Vergiftung waren nicht die Nanoteilchen, sondern das verwendete Lösungsmittel“, so Baunemann. Da der Aufbau von Vertrauen lange dauert, der Verlust aber schlagartig erfolgen kann, sei ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema gefordert. Plastics Europe beteilige sich daher gemeinsam mit dem Verband der chemischen Industrie (VCI) an der Erarbeitung entsprechender Informationen und Risikobewertungen für freie Nanopartikel. Diskussionsbedarf gebe es noch, inwieweit in einer Matrix gebundene Nanoteilchen besonders betrachtet werden müssten.
Darüber hinaus unterstrich Baunemann die Bedeutung der öffentlichen Diskussion, die neben der wissenschaftlichen und politischen keinesfalls vernachlässigt werden dürfe. „Die positive und transparente Entwicklung des Spannungsgebietes von Nutzen und Risiko der Nanotechnologie ist zentral für deren Akzeptanz“, betonte er.
Die Verschiebung regionaler Warenströme im Segment der Kunststoffproduktion erläutere Claus-Jürgen Simon, Leiter des Wirtschaftsressorts bei Plastics Europe Deutschland. In den letzten Jahren werden Europa immer mehr zum Nettoimporteur von Kunststoffen, erklärte Simon. Lag die Handelsbilanz im Jahr 2004 noch bei einem Minus von 0,85 Mio. t, wurden 2008 bereits 4,15 Mio. t netto eingeführt. Dabei gibt es allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen den Regionen West- und Zentraleuropa. Während Zentraleuropa auf eine Nettoeinfuhr von 5,95 Mio. t im Jahr 2008 kam, hat Westeuropa insgesamt gesehen nach wie vor einen deutlichen Exportüberschuss von immerhin 1,8 Mio. t aufzuweisen. Nach Typen aufgeschlüsselt ergibt sich dabei ein Nettoimport von PE und PET. PP, PS/EPS, PVC und PC wird noch mehr aus- als eingeführt. „Aber auch das wird sich bald ändern“, glaubt Simon. Im globalen Vergleich zeigt sich, dass insbesondere Asien von dieser Entwicklung profitiert. War die Region im Jahr 2004 noch Nettoimporteur von 1,75 Mio. t Kunststoffen, betrug bereits vier Jahre später der Handelsüberschuss 1,85 Mio. t. Aber auch Amerika kann in den letzten Jahren auf ein zunehmendes Plus verweisen.
Verbandsgeschäftsführer Kurt Stepping ging auch auf die aktuellen Diskussionen über den Dokumentarfilm „Plastics Planet“ des österreichischen Regisseurs Werner Boote ein, der seit Kurzem auch in deutschen Kinos zu sehen ist und für einigen Wirbel in der Branche sorgte. Er verwies darauf, dass das Medienecho weitaus größer sei als die tatsächliche Besucherresonanz. Als der Film anlief, hätten viele Medien nur auf Grundlage von Trailern zum Teil in reißerischer Aufmachung darüber berichtet. Nachdem der ganze Film zu sehen gewesen sei, würde die Bewertung zunehmend sachlicher und kritischer. Die Kunststoffindustrie wolle dem Film keine zusätzliche PR verschaffen und daher zurückhaltend agieren. „Wir antworten, wo wir gefragt werden und die Chance einer fairen Darstellung sehen“, erklärte Stepping, was auch bereits mehrfach geschehen sei. Im Übrigen sehe man das positive Meinungsbild, dass die Kunststoffe seit Jahren in der deutschen Öffentlichkeit genießen würden, durch den Film nicht gefährdet. Nichtsdestotrotz wolle sich die Branche nicht aus der Verantwortung stehlen. Stepping sagte klar: “Die brisanten Themen, wie die Vermüllung der Meere mit Kunststoffabfällen, werden in der Diskussion bleiben. Wir werden daran arbeiten, Lösungen anzubieten.“
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"Die Realität ist weitaus besser als die allgemeine Stimmung." Wenn nicht alles trügt, könnte diese Diagnose – trotz Euro-, Finanz- und Schuldenkrise – auch 2012 die richtige sein, zumal, was die künftige Geschäftsentwicklung der deutschen Kunststoffindustrie betrifft. Natürlich haben sich die Voraussetzungen verändert.
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