11. März 2010 | Branche

Kunststoffe im Spannungsfeld

Neben wichtigen Technologien, wie Nanomaterialien, standen wirtschaftliche Themen, wie die Verschiebung  regionaler Warenströme, im Mittelpunkt des gestrigen Fachpressetages von Plastics Europe. Diskutiert wurde aber auch über einen aktuellen Kinofilm.

Frankfurt/M. (ga) – Mit Nanomaterialien verbindet sich die Hoffnung auf grundlegende neue Werkstoffeigenschaften. Doch seit sich Industrie und Wissenschaft mit dieser Welt auf molekularer Ebene beschäftigen, gibt es auch  Bedenken gegen diese neuartige Technologie. Grund genug für den Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland, mit diesem Thema in einen breit angelegten Informationstag für die Fachpresse zu starten.

Dr. Rüdiger Baunemann, Geschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, zeigte auf, dass Nanopartikel in Kunststoffprodukten quasi das gesamte Eigenschaftsspektrum positiv beeinflussen können.  Dem entsprechend liegen mögliche Anwendungen in fast allen Produktbereichen. Entgegen der Euphorie in den letzten Jahren seien aber bisher kaum innovative Nano-Produkte auf den Markt gekommen. Trotzdem sei die öffentliche Meinung zu diesem Thema nach wie vor positiv und die Diskussion drehe sich vor allem um Chancen und Nutzen dieser Technologie – bis jetzt, wie Baunemann betonte. Bislang hätten sich negative Auswirkungen von Nanowerkstoffen nicht nachweisen lassen. „Der einzige in Deutschland bisher dokumentierte  Fall einer Vergiftung mit einem Nanopartikel enthaltendem Spray hat sich als unbegründet erwiesen. Ursache für die Vergiftung  waren nicht die Nanoteilchen, sondern das verwendete Lösungsmittel“, so Baunemann. Da der Aufbau von Vertrauen lange dauert, der Verlust aber schlagartig erfolgen kann, sei ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema gefordert. Plastics Europe beteilige sich daher gemeinsam mit dem Verband der chemischen Industrie (VCI) an der Erarbeitung entsprechender  Informationen und Risikobewertungen für freie Nanopartikel. Diskussionsbedarf gebe es noch, inwieweit in einer Matrix gebundene Nanoteilchen besonders betrachtet werden müssten.
Darüber hinaus unterstrich Baunemann die Bedeutung der öffentlichen Diskussion, die neben der wissenschaftlichen und politischen keinesfalls vernachlässigt werden dürfe. „Die positive und transparente Entwicklung des Spannungsgebietes von Nutzen und Risiko der Nanotechnologie ist zentral für deren Akzeptanz“, betonte er.

Die Verschiebung regionaler Warenströme im Segment der Kunststoffproduktion erläutere Claus-Jürgen Simon, Leiter des Wirtschaftsressorts bei Plastics Europe Deutschland. In den letzten Jahren werden Europa immer mehr zum Nettoimporteur von Kunststoffen, erklärte Simon. Lag die Handelsbilanz im Jahr 2004 noch bei einem Minus von 0,85 Mio. t, wurden 2008 bereits  4,15 Mio. t netto eingeführt. Dabei gibt es allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen den Regionen West- und Zentraleuropa. Während Zentraleuropa auf eine Nettoeinfuhr von 5,95 Mio. t im Jahr 2008 kam, hat Westeuropa insgesamt gesehen nach wie vor einen deutlichen Exportüberschuss von immerhin 1,8 Mio. t aufzuweisen. Nach Typen aufgeschlüsselt ergibt sich dabei ein Nettoimport von PE und PET. PP, PS/EPS, PVC und PC wird noch mehr aus- als eingeführt. „Aber auch das wird sich bald ändern“, glaubt Simon. Im globalen Vergleich zeigt sich, dass insbesondere Asien von dieser Entwicklung profitiert. War die Region im Jahr 2004 noch Nettoimporteur von 1,75 Mio. t Kunststoffen, betrug bereits vier Jahre später der Handelsüberschuss 1,85 Mio. t. Aber auch Amerika kann in den letzten Jahren auf ein zunehmendes Plus verweisen.

Verbandsgeschäftsführer Kurt Stepping ging auch auf die aktuellen Diskussionen über den Dokumentarfilm „Plastics Planet“ des österreichischen Regisseurs Werner Boote ein, der seit Kurzem auch in deutschen Kinos zu sehen ist und für einigen Wirbel in der Branche sorgte. Er verwies darauf,  dass das Medienecho weitaus größer sei als die tatsächliche Besucherresonanz. Als der Film anlief, hätten viele Medien nur auf Grundlage von Trailern zum Teil in reißerischer Aufmachung darüber berichtet. Nachdem der ganze Film zu sehen gewesen sei, würde die Bewertung zunehmend sachlicher und kritischer. Die Kunststoffindustrie wolle dem Film keine zusätzliche PR verschaffen und daher  zurückhaltend agieren.  „Wir antworten, wo wir gefragt werden und die Chance einer fairen Darstellung sehen“, erklärte Stepping, was auch bereits mehrfach geschehen sei. Im Übrigen sehe man das positive Meinungsbild, dass die Kunststoffe seit Jahren in der deutschen Öffentlichkeit genießen würden, durch den Film nicht gefährdet. Nichtsdestotrotz wolle sich die Branche nicht aus der Verantwortung stehlen. Stepping sagte klar: “Die brisanten Themen, wie die Vermüllung der Meere mit Kunststoffabfällen, werden in der Diskussion bleiben. Wir werden daran arbeiten, Lösungen anzubieten.“


Ihr direkter Kontakt zur Redaktion



Anmelden

Editorial: Ohne die Kunststoffindustrie geht nichts

"Die Realität ist weitaus besser als die allgemeine Stimmung." Wenn nicht alles trügt, könnte diese Diagnose – trotz Euro-, Finanz- und Schuldenkrise – auch 2012 die richtige sein, zumal, was die künftige Geschäftsentwicklung der deutschen Kunststoffindustrie betrifft. Natürlich haben sich die Voraussetzungen verändert.

Hier lesen Sie das Editorial von Dr. Roman Leuthner >

K-Newsletter

Jeden Dienstag und Freitag die wichtigsten Nachrichten der Woche.
Name   
Vorname   
E-Mail*   
*benötigte Angaben

K-ZEITUNG - Kunststoff und Kautschuk Ausgabe 1-2/2012

Cover der K-ZEITUNG - Kunststoff und Kautschuk

Themenschwerpunkte:

Euromold Nachlese
Extrusionstechnik
Werkzeugtechnik
Schweiß-/Fügetechnik
Werkstoffe
Kunststoffdesign

Aktuelle Inhaltsübersicht

K-ePaper

K-Buchshop

K-BERATER Ausgabe 12/2011

K-BERATER 12/2011

Themenschwerpunkte:

Gummi-Spritzgießen: Eingebaute Energieeffizienz
Rapid Cooling: Flüssiges CO2 kühlt Hot Spots schneller
Werkstoffe: Spezial-PA für Wasser-Injektionstechnik


Aktuelle Inhaltsübersicht

KB-ePaper

Kunststoff-News als RSS-Feed

Kunststoffnews als RSS-Feed

Die aktuellen News von K-ZEITUNG.de gibt es jetzt auch als RSS-Feed. Selbst wenn Sie einmal nicht auf K-ZEITUNG.de online sind, entgeht Ihnen keine Nachricht mehr. Sobald ein neuer Artikel auf K-ZEITUNG.de veröffentlicht wird, erscheint er im RSS-Feed. Den RSS-Feed zu abonnieren ist ganz einfach und natürlich kostenlos.

Weitere Informationen zum RSS-Feed
RSS-Feed direkt abonnieren

K-ePaper - Jetzt auch in neuer lesefreundlicher Version. Seien Sie 3 Monate unser Gast!

Lesen Sie die K-ZEITUNG als K-ePaper

Die elektronische Version der K-ZEITUNG steht unseren Abonnenten im Rahmen ihres Abos zur Verfügung als PDF-Version und als neue lesefreundliche Pageflip-Version zur Verfügung. Lernen Sie es jetzt kennen und entdecken Sie die Vorteile:

  • schneller beim Leser
  • jederzeit und an jedem Ort abrufbar
  • einfach zu lesen
  • interessante Links

Jetzt klicken und testen!

Kennen Sie unsere Messezeitungen?