BMW - 3er-Modellreihe Automotive 22.07.2013von Patrick Choinowski 1 Bewertung(en) Rating

"Faserverbunde sind nichts Neues"

Hans Schwager hat beim Autobauer BMW Kunststoffgeschichte miterlebt und mitgeschrieben. Zahlreiche Auszeichnungen und Patente zeugen von einer erfolgreichen Integration von polymeren Werkstoffen in Fahrzeugen.

Die BMW-Welt in München. Ein futuristischer Bau, der eine große Geschichte beherbergt. Das bezeugt nicht nur die Vielzahl von Fahrzeugen. Nein, auch das Interesse und die Internationalität der Besucher spiegeln die Historie wider. Mitten in dem Sprachenwirrwarr aus Arabisch, Chinesisch, Englisch und Spanisch steht ein Mann, der diese Geschichte des Münchner Auto­mobilkonzerns mitgeschrieben hat, der die Bayerischen Motoren Werke in den vergangenen 40 Jahren in einer Entwicklung maßgeblich geprägt und getrieben hat: weg von Metall- und Glas-, hin zu leichten, integrativen und kostenoptimierten Anwendungen für Kraftfahrzeuge und Motorräder, lautete die Devise von Hans Schwager.

 - Hans Schwager war 40 Jahre in der Kunststoffentwicklung bei BMW tätig
Hans Schwager war 40 Jahre in der Kunststoffentwicklung bei BMW tätig
K-ZEITUNG

Er zeichnete in der BMW Group dafür verantwortlich, dass bei Motorrädern und Fahrzeugen der Metallanteil deutlich geschrumpft ist. "Wir haben mittlerweile einen Kunststoffanteil von etwa 25 Prozent in den Fahrzeugen. Als ich angefangen habe, lag der Anteil bei sechs Prozent“, erinnert sich Schwager. Ende Juni ging der "Treiber des Kunststoffbereichs“ bei BMW in den Ruhestand.

In den 40 Jahren hat Schwager die Automobilgeschichte von BMW miterlebt. Die verschiedenen Modelle und Produkte, die nun das internationale Publikum in der BMW-Welt bestaunt und in denen sich die Fans begeistert ablichten lassen, entstammen dieser Entwicklungsgeschichte. Hans Schwager war fast seit Beginn der Einführung von polymeren Werkstoffen bei BMW dabei.

Attraktivität der polymeren Werkstoffe

Um die Stationen seiner Karriere bei dem Münchner Autobauer tatsächlich zu erfassen, muss man die Straßenseite wechseln – von der BMW-Welt in das BMW-Museum. Hier stehen sie nebeneinander aufge­reiht: der BMW 1600 und die verschiedenen Genera­tionen der 3er-Reihe. Schwager hat zu jedem Modell ein Stück Kunststoffgeschichte parat. Angefangen beim BMW 1600. Der Kühlergrill mitsamt BMW-Niere wurden aus Metall gefertigt, die Lichter aus Glas und die Sitzpolster aus Pferde- und Schweinshaaren.

Anfang der 80er-Jahre dann hielt der Kunststoff Einzug in die neu auf den Markt gebrachte 3er-Reihe, die bis heute zum Bestseller der BMW Group zählt. Stoßleiste, Grill und Niere sowie die Außenspiegel konstruierten die Autobauer aus Kunststoff. Außerdem löste der Kaltschaum die Sitzpolster aus Tierhaa­ren ab. "Bei BMW waren wir die Ersten, die Kaltschaum einsetzten“, sagt Schwager und schreitet sofort zum direkt benachbarten ersten 3er Cabrio, das Mitte der 80er-Jahre gebaut wurde. "Wir haben das erste Hardtop in Faserverbund in Wabentechnik gebaut. Es ist bis heute das leichteste Hardtop für viersitzige Cabrios (26 Kilogramm)“, erklärt Schwager. Design, Kosten, Leichtbau und der Motorsport seien damals schon die Triebfedern für die Steigerung des Kunststoffanteils in den Fahrzeugen gewesen. "Für die Designer sind polymere Werkstoffe attraktiver, weil man damit fast jede Geometrie darstellen kann."

 
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