Märkte 15.04.2015 0 Bewertung(en) Rating

Erst ein Viertel der deutschen Industrie nutzt Leichtbau

Eine neue Studie zeigt Chancen und Hindernisse im Leichtbau auf. Dabei wird deutlich, dass einzelne Prozessschritte noch ein sehr hohes Entwicklungspotenzial bieten. Knapp ein Viertel der Industrieunternehmen in Deutschland nutzt bereits Leichtbaukonzepte.

Leichtbau ist in der Breite der deutschen Industrie angekommen und bietet große Chancen, aber auch Herausforderungen für das verarbeitende Gewerbe. Gerade die Beseitigung von Hindernissen in einzelnen Prozessschritten verspricht viel Marktpotenzial. Das geht aus einer auf der Hannover Messe Industrial Supply vorgestellten Studie "Wertschöpfungspotenziale im Leichtbau und deren Bedeutung für Baden-Württemberg" hervor.

"Mittlerweile setzen deutschlandweit 24 % der Industrieunternehmen Leichtbautechnologien ein", sagte der Geschäftsführer der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg, Dr. Wolfgang Seeliger, bei der Präsentation der Studie am 14. April in Hannover. Zur Erfassung dieser Zahlen wurde erstmals mit Blick auf den Leichtbau die Erhebung des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zur "Modernisierung der Produktion" ausgewertet. Die alle drei Jahre durchgeführte Erhebung mit bundesweit mehr als 1.500 Industriebetrieben ist die breiteste Erfassung von Modernisierungstrends in produktions- und technologieorientierten Unternehmen in Europa.

 - Ein Beispiel für die Herstellung von Leichtbau-Werkstoffen steht am Institut für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart. An dem mannshohen Flechtrad sind rundherum Spulen angebracht. Wenn es sich dreht, fügen sich 78 Fäden aus verschiedenen Fasern ineinander
Ein Beispiel für die Herstellung von Leichtbau-Werkstoffen steht am Institut für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart. An dem mannshohen Flechtrad sind rundherum Spulen angebracht. Wenn es sich dreht, fügen sich 78 Fäden aus verschiedenen Fasern ineinander
IFB

Entscheidung für Leichtbau

Große Unternehmen in Deutschland engagieren sich laut Studie im Schnitt häufiger im Leichtbau. Von ihnen nutzen bundesweit rund 35 % Leichtbau, bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind es etwa 22 %. In Baden-Württemberg nutzt jedes zweite Großunternehmen Leichtbau. Bei den KMU liegt der Südwesten bei einem Nutzeranteil von 21 % leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Der Leichtbau-Vorsprung Baden-Württembergs speist sich in erster Linie durch die Automobilindustrie. 71 % aller Betriebe im Land, die in der Automobilbranche aktiv sind, verfügen der Erhebung zufolge über Technologien zur Herstellung, Be- oder Verarbeitung von Leichtbaumaterialien. Der Nutzungsgrad ist damit fast 2,5mal so hoch wie im Bundesvergleich. Prozesstechnologien für den Leichtbau werden deutschlandweit schwerpunktmäßig für die Einzel- bzw. Klein- und Mittelserie eingesetzt (27 bzw. 25 %). Für die Großserie liegt die Nutzerquote auf einem deutlich geringeren Niveau (17 %).

Kostenmodelle für RTM und SMC

Viele Firmen geben die Kosten als größtes Hemmnis im Leichtbau an. Um für sie die Kosten konkret abschätzbar zu machen, hat die Leichtbau BW zusammen mit Wissenschaftlern unter Koordination des Fraunhofer ISI für die Studie drei Kostenmodelle entwickelt – beim Kunststoff für die Verfahren RTM und SMC. Die Kostenmodelle sind in Excel-Dateien so aufgebaut, dass sie von Unternehmen einfach und mit geringem Zeitaufwand angewendet werden können.

Beim RTM-Verfahren sind unter anderem die Verbesserung der textilen Halbzeugherstellung und -verarbeitung sowie die Reduktion von Aushärtezeiten und die weitere Automatisierung wesentliche Stellhebel. Bislang ist eine Vielzahl der Prozessschritte lediglich per Hand oder teilautomatisiert möglich. Beim SMC-Verfahren versprechen wiederum die Verbesserung der Zykluszeiten der Pressen sowie die Senkung der Energie- und Materialkosten größere Marktchancen.

Im Gegensatz zum Metall- weist der Kunststoff-Leichtbau noch deutliche Kostensenkungsmöglichkeiten auf, insbesondere durch Automatisierungslösungen.

Leichtbau hat großes Marktpotenzial

Nach den Worten Seeligers zeigen die Ergebnisse der Studie, dass der Leichtbau noch großes Potenzial hat. Hier bestünden gerade für kleine und mittlere Unternehmen neue Marktchancen. Für den Standort Deutschland und die hiesigen OEM sei es wichtig, die innovativen Zulieferer "fit für den Leichtbau zu machen". Hier setze die neue Studie an und gebe Unterstützung bei der Entscheidung für Leichtbau. Die neuen Ergebnisse ergänzten die Studie "Leichtbau – Trends und Zukunftsmärkte und deren Bedeutung für Baden-Württemberg". Die 2014 veröffentlichte Expertise identifiziert Anwendungsfelder für Leichtbautechnologien und quantifiziert Marktgröße sowie -wachstum bis 2020. Eine erweiterte und aktualisierte Version wird im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.

mg

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