Werkstoffe 03.07.2012von Dr. Stefan Albus 2 Bewertung(en) Rating

 - Hans Schwager und Dr. Jochen Töpker, BMW Group, in einer CFK-Fahrgastzelle: Materialbaukasten mit unterschiedlich ausgerichteten CFK-Gelegen
Hans Schwager und Dr. Jochen Töpker, BMW Group, in einer CFK-Fahrgastzelle: Materialbaukasten mit unterschiedlich ausgerichteten CFK-Gelegen
K-ZEITUNG

BMW hat 400 Mio EUR investiert

K-ZEITUNG: Was hat BMW diese Entwicklung gekostet?

Töpker: In Summe haben wir 400 Millionen Euro in unser Projekt "E-Mobility" investiert. Ein guter Teil davon steckt in der CFK-Entwicklung. Allein für die CFK-Produktion in Landshut hat BMW 40 Millionen Euro ausgegeben.

K-ZEITUNG: Wird sich diese Investition rechnen, oder ist sie eher ein Türöffner in einen neuen Markt?

Schwager: Schauen Sie: Als wir begonnen haben, mit Schaumstoffsitzen zu arbeiten, waren andere noch bei Pferdehaar. Anfangs gab es Probleme, heute ist dies Stand der Technik. Man muss in Vorleistung gehen. Trotzdem werden wir mit der CFK-Technik von Anfang an profitabel sein.

Töpker: Ein gewisses Risiko steckt in jeder neuen Technik. Und der gesamte Prozess ist durchaus auf Skalierung ausgelegt. Aber jedes BMW-Modell muss den Renditeanspruch unseres Hauses einhalten. Dem unterliegt auch der BMW i3.

K-ZEITUNG: Unter Fachleuten gilt es als schwierig, die CFK-Technik profitabel zu gestalten.

Töpker: Um die Kosten im Griff zu behalten, haben wir einen Materialbaukasten mit unterschiedlich ausgerichteten CFK-Gelegen entwickelt. Daraus können sich unsere Ingenieure die aussuchen, die sie benötigen, um CFK-Teile lastgerecht zu gestalten.

Schwager: Im BMW i8 werden wir dann den nächsten Schritt in Richtung Flechtbauweise gehen.

K-ZEITUNG: Und dann kommt die BMW-Monococque für Großserienfahrzeuge?

Töpker: Für die Zukunft halten wir uns alles offen.

K-ZEITUNG: Warum haben Sie die Technik nicht zugekauft?

Schwager: Wir geben die Entwicklung von Verfahren und Werkstoffwissen bewusst nicht aus der Hand! Es war uns wichtig, den gesamten Prozess selbst zu durchlaufen und daraus zu lernen. Damit legen wir die Grundlagen, um später einmal  Lastenhefte definieren zu können. Bevor man etwas herausgibt, sollte man es erst einmal selbst verstehen; welche Eigenschaften mit Wechselwirkung zum Beispiel in der Karosserie gefordert werden.

Töpker: Denken Sie an die Prozessoptimierung mit Blick auf die Reproduzierbarkeit: Dieses Know-how hatte der Markt einfach nicht! Also haben wir uns den Zugang in Eigenregie gesichert. Außerdem machen wir ja nicht alles selbst: Unsere Fasern produzieren wir in einem Joint Venture mit SGL Carbon.

Schwager: Den einen oder anderen Zulieferer haben wir natürlich auch im Boot.

Töpker: Außerdem arbeiten wir in einem engen Netzwerk mit Hochschulen zusammen. In der Cluster-Initiative M·A·I Carbon bringen wir CFK gemeinsam mit Audi und SGL nach vorne.

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