Werkstoffe 03.07.2012von Dr. Stefan Albus 2 Bewertung(en) Rating

"Der i3 wird richtig Spaß machen!"

BMW setzt mit dem i3 und dem i8 jetzt massiv auf Elektrofahrzeuge. Voraussetzung ist allerdings Reichweite – und damit ein gutes Zeugnis im Fach "Leichtbau". Im Interview mit der K-ZEITUNG sprechen Dr. Jochen Töpker, bei der BMW Group zuständig für Fahrzeugprojekte CFK, und Hans Schwager, Leiter der Kunststoffentwicklung über Zykluszeiten, Werkstoffwissen und Modifikation der Matrixwerkstoffe als Dreh- und Angelpunkt beim Leichtbau mit CFK.

K-ZEITUNG: Noch vor einem Jahr galt eine CFK-Fahrgastzelle als Science-Fiction. Herr Töpk er, Herr Schwager, wie haben Sie es geschafft, die nun so schnell aus dem Hut zu ziehen?

Hans Schwager: Nun, aus dem Hut gezogen haben wir die nicht. Wir arbeiten schon eine ganze Weile daran, haben aber nicht unbedingt darüber gesprochen (lacht). Schon 1977 hatten wir eine Ausführung des M1 mit Faserverbund, der Z1 hatte schon 1985 eine Bodengruppe sowie Front- und Heckklappe aus diesem Material. Von diesem Fahrzeug haben wir circa 8.000 gebaut; das ist bereits eine beachtliche Stückzahl. Das Hardtop des ersten BMW 3er und des Z8 war ebenfalls einmalig zu seiner Zeit – damals schon ein Strukturbauteil.

Dr. Jochen Töpker: Auch im M3 und M6 haben wir CFK-Dächer verbaut; wir nutzen diese Technik also bereits seit 2003 für größere Serien. Das waren alles evolutionäre Schritte hin zu großen Stückzahlen. Unser Fokus lag immer schon auf der Großserie.

K-ZEITUNG: Steckt im i3 also dieselbe Technologie wie im M3?

Schwager: Ja, es ist dasselbe Konzept, aber wir haben die Technik mit Blick auf den Gesamtprozess massiv vereinfacht, die Zykluszeiten verkürzt und Produktionsabfälle reduziert.

Töpker: Wir haben einen Weg gefunden, die Abfälle wieder in die Produktion einzuschleusen. Auch das ist Teil unseres "grünen“ Gesamtkonzepts. Wir rüsten bewusst nicht einfach bestehende Fahrzeuge um, sondern entwickelten einen eigenen Ansatz.

K-ZEITUNG: Wie haben Sie die Zykluszeit senken können?

Schwager: Dreh- und Angelpunkt war die Modifikation der Matrixwerkstoffe, die wir mit der Zeit immer besser einstellen konnten. Aber wir haben auch unsere Werkzeuge optimiert.

Töpker: Dabei ist die Zykluszeit gar nicht der wichtigste Punkt. Viel wichtiger ist die Reproduzierbarkeit des Prozesses! Für uns stand im Vordergrund, dass wir Qualität nicht prüfen, sondern erzeugen wollen. Weil die Prüfung von CFK-Teilen sehr aufwendig ist. Die Teile müssen also aus dem Prozess heraus wiederholgenau die Qualität haben, die wir wünschen. Dieses Prozessverständnis muss man sich erarbeiten. Die niedrigste Zykluszeit nutzt nichts, wenn die Qualität nicht stimmt.

 
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