Meinung 23.02.2016 1 Bewertung(en) Rating

Auf zu neuen Ufern

Warum die K-ZEITUNG in dieser Ausgabe und in Zukunft auch über Metallverarbeitung berichtet.

 - Chefredakteur Günter Kögel
Chefredakteur Günter Kögel

Metall war bislang für die K-ZEITUNG vor allem dann ein Thema, wenn es um Kunststoff als Metallersatz ging, zum Beispiel wenn deutlich leichtere PEEK-Rohre in Flugzeugen anstelle von Rohren aus Titan, Aluminium oder Stahl eingesetzt werden. Oder wenn Hochleistungscomposites aufgrund ihrer weit besseren Ermüdungsbeständigkeit in der Medizintechnik den bisherigen Lösungen aus Metall weit überlegen sind. Oder wenn – wie beim Vollkunststoff-Kfz-Motor Polymotor 2 – Metallersatz auf höchstem Niveau betrieben wird und bei sämtlichen, zum Teil thermisch hoch belasteten Einzelteilen konsequent auf Metall verzichtet und so das Gewicht eines Automotors um etwa 40 % reduziert wird.

Abgesehen vom Werkzeug- und Formenbau mit seinem zwangsläufig hohen Metall­anteil in den Themen überschreitet die K-ZEITUNG mit dieser Ausgabe zum zweiten Mal ganz bewusst diese Grenze und berichtet nach der Vorstellung in Ausgabe 14/2015 erneut sehr umfangreich über eine reine Metallverarbeitung, und zwar über das von Engel praktizierte Spritzgießen von Liquidmetal. Eine Entscheidung, die in der Redaktion durchaus für Diskussionen sorgte, die aber gute Gründe hat.

Einer der wichtigsten: Diese Technologie passt hervorragend in die Spritzgießunternehmen, denn die verwendete Maschine unterscheidet sich nur auf der Einspritzseite von einer normalen Spritzgießmaschine. Der Umgang mit temperierten Werkzeugen, die sich öffnen und schließen, mit Teilen, die in ein Werkzeug eingelegt werden müssen, mit heißen Spritzgussteilen, die schnell und prozesssicher aus einem Werkzeug entnommen und abtransportiert werden müssen – alles sicher im Detail bei Liquidmetal nicht einfach, aber im Gegensatz zu den Metallverarbeitern sind solche Aufgaben für die Branche nichts Neues.

Ganz anders sieht es auf der Einspritzseite aus, zugeführt wird kein Granulat aus Kunststoff, sondern ein kleiner Zylinder aus Metall, der auch noch im Werkzeug auf Temperaturen von mehr als 1.100 °C erhitzt wird. Allerdings bewegen sich bei solchen Prozessen auch praktisch alle Unternehmen aus der Metallbranche auf Neuland, denn das induktive Erhitzen von Metall im Hochvakuum ist so weit von der üblichen Metallbearbeitung eines Zulieferbetriebs entfernt wie ein Formel-1-Cockpit von einer Playmobilfigur.

Ähnlich verhält es sich beim Werkstoff: Liquid­metal ist eine hochkomplexe, zirkoniumbasierte Metall­legierung mit einer amorphen, also nicht kristallinen Struktur, die mit bekannten Stahl- oder Aluminiumwerkstoffen recht wenig zu tun hat, sehr teuer ist, aber auch einzigartige Möglichkeiten eröffnet, die weit über bekannte Kunststoffe und Metalle hinausgehen.
Natürlich können sich die Kunststoffverarbeiter trotzdem zurücklehnen und nach dem Motto „Metall ist nicht unser Ding“ das Spritzgießen von Liquidmetall denen überlassen, die seit Jahr und Tag mit Metallen zu tun haben.

Aber damit verzichten sie kampflos auf eine zwar technologisch anspruchsvolle, aber überaus erfolgversprechende Technologie: das Herstellen von hochpräzisen, extrem belastbaren, sehr harten und dennoch äußerst elastischen Bauteilen, die sich in einem Schuss – wenn es Sinn macht, auch im Mehrfachnutzen – ohne Nacharbeit mit komplexen Formen und hochwertigsten Oberflächen herstellen lassen; und dies alles mit einem Verfahren, das zum Kunststoff gehört wie das Salz zur Suppe: dem Spritzgießen.

Die K-ZEITUNG hat ihre Entscheidung getroffen. Wir werden das Spritzgießen von Liquidmetal ins Themenspektrum aufnehmen – obwohl es kein Kunststoff ist. Es bleibt natürlich jedem Kunststoffverarbeiter selbst überlassen, wo er seine Grenze zieht und inwieweit er sich für Neues öffnet. Aber sich als Kunststoffverarbeiter mit Spritzgießerfahrung nur deshalb nicht mit Liquidmetal zu beschäftigen, weil das Material kein Kunststoff ist, ist mit Sicherheit die denkbar schlechteste Entscheidung. Auf zu neuen Ufern – die K-ZEITUNG ist dabei.

Kommentar schreibenArtikel bewerten
  • Funktionen:
  • drucken
  • Kontakt zur Redaktion

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» neu laden)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.